Rhein-Pfalz Kreis Wehe den Waschunwilligen
«Dannstadt-Schauernheim.» „Der dreckische Daniel driggt den dreckische Dreckkarre durch das dreckische Dorf Dannstadt“ – so ist es Kindern in den Nachbardörfern erzählt worden. Die uralte Sagenfigur des Daniel gibt es in Dannstadt tatsächlich. Zur 1250-Jahr-Feier hat Mundartdichter Bruno Hain die Figur für ein Theaterstück aufgegriffen.
Mit ziemlicher Sicherheit haben die Dannstadter ihr Dorf nicht als „dreckig“ bezeichnet. Denn eigentlich legen sie auf Sauberkeit wert, das kommt auch in dem Theaterstück so rüber. Der „dreckische Daniel“ ist überliefert als einer, der Kinder bestraft, die sich nicht waschen wollen. Der Legende nach kann er gerufen werden, wenn die Kinder vom Spielen in Staub und Dreck schmutzig geworden sind und „dreggisch un’ babbisch“ bleiben wollen. Ruft die Mutter in einer solchen Situation nach ihm, komme er und lade die dreckigen Kinder auf seinen Wagen. Dann rumpele der Daniel so schnell durch Dannstadt, dass die Kinder schrecklich durchgeschüttelt werden. Dabei fallen nicht nur Krusten des Drecks von ihnen ab, sondern es wird ihnen auch jeder Knochen im Leib gebrochen. „Wo diese Figur herkommt, ob es historische Bezüge gibt, lässt sich heute nicht mehr aufklären“, sagt Bruno Hain. Aber es gebe in der Sagen- und Märchenwelt immer wieder ganz ähnliche Figuren: Meist sei es ein unheimlicher Fremder, dessen Herkunft keiner kenne und der im Auftreten schon bedrohlich wirke. Und er bestrafe jene, die sich nicht in die Ordnung der Gemeinschaft fügen. Dass der Dannstadter Daniel ausdrücklich als dreckig beschrieben wird, sieht Hain als Hinweis auf eine Teufelsfigur. Dreck und Gestank blieben nämlich immer zurück, wenn der Höllenfürst in seiner echten Gestalt aufgetreten ist. In Dannstadt gibt es noch eine zweite Figur, den Häkelmann. „Von dem habe ich schon andernorts gehört, wo er ,Hookemann’ heißt“, sagt Hain. Ein „Hooke“ ist ein Haken, „Häkel“ die Verkleinerungsform. Der Häkelmann lauert im Wasser. Er hat es besonders auf kleine Mädchen abgesehen. Er will sie weg vom Dorf locken, um mit ihnen zu spielen. Ein Mädchen, das ihm folgt, verschwindet spurlos. „Da braucht man nicht viel Fantasie, um sich zu denken, was dahinter steckt“, sagt er. Das kurze Theaterstückchen, das Hain geschrieben hat, gibt eine Szene wieder, die sich so oder ähnlich bestimmt oft im Dorf abgespielt hat: Es geht auf Abend zu, und die Mutter ruft die Kinder zum Abendessen. Die Kinder, die draußen gespielt haben, kommen zurück – natürlich „dreggisch“. Die Kinder sollen sich waschen. Sie sträuben sich dagegen und haben alle möglichen Ideen, warum sie sich nicht waschen müssten. Da ruft die Mutter nach dem „dreggische Daniel“... Die Kinder sind „Fritzl“, gespielt von Yannik Strese (9), das „Liesl“, das Mira Heller (9) spielt und „Seppl“, den Ida Möller (12) darstellt. Alle drei Kinder haben schon Theatererfahrungen und in Stücken an ihren Schulen mitgewirkt. Die Mutter wird von Marion Strese gespielt. Die Regie führt Norbert Stuck, der schon vielfach mit Autor Bruno Hain zusammengearbeitet hat. Die Idee zum Stück und zur Zusammenarbeit mit Hain und Stuck sei im Heimat- und Kulturverein entstanden, sagt Mitglied Hedy Heller, die sich gerade die Probe ansieht. Koordinator des Stücks ist Armin Raquet, ehemaliger Schulleiter der Kurpfalz-Schule. Aufgeführt werden soll das Stück als Fenstertheater – die Kinder wären dann „uff de Gass“, die Mutter drinnen und aus dem offenen Fenster rufend. Bei der Probe am alten Rathaus gestaltete sich das schwerer als gedacht: Die Fenster sind nämlich so hoch angesetzt, dass gute Sichtbarkeit und das Spielen zwischen draußen und drinnen nicht aus dem Stand möglich sind. Womöglich hilft da ein Podest, die Theaterleute arbeiten an einer Lösung. Termin Das Stück „Der dreckische Daniel“ dauert etwa 15 Minuten. Es wird aufgeführt am Samstag, 19. August, um 18 und 19 Uhr, sowie am Sonntag, 20. August, um 14 und 15 Uhr, jeweils vor dem alten Schulhaus in Dannstadt.