Schifferstadt / Speyer
Wegen Misshandlung der Lebensgefährtin vor Gericht
Der 39-Jährige, der mittlerweile nach Kassel gezogen ist, soll seine 20-jährige damalige Lebensgefährtin aus Waldsee am 1. September 2019 in seiner Schifferstadter Wohnung an den Haaren gezogen und mehrfach so hart gegen die Wand gestoßen haben, dass sie zu Boden fiel. Dann soll er sie mit den Fäusten ins Gesicht geschlagen haben, sodass sie eine Gehirnerschütterung erlitt und zeitweise das Bewusstsein verlor. Zwei Tage später soll er sie in ihrer Wohnung in Waldsee vergewaltigt haben. Gegen Ende September fuhren sie gemeinsam zu einem Termin beim Jugendamt der Kreisverwaltung des Rhein-Pfalz-Kreises wegen ihrer beiden Kinder. Auf dem Parkplatz davor soll er sie im Auto gewürgt haben. Die junge Frau ist Nebenklägerin und wird vom Ludwigshafener Rechtsanwalt Bülent Döger vertreten.
Der Angeklagte, von Rechtsanwalt Wilfried Gaiser aus Ottweiler verteidigt, hatte seine Stellungnahme zu den Vorwürfen auf mehreren Seiten niedergeschrieben und trug sie vor. Er hatte die junge Frau kurz nach der Trennung von seiner Ehefrau 2018 über Facebook kennengelernt. Sie zog nach wenigen Wochen zu ihm und wurde schnell schwanger. Da war sie 16 Jahre alt, und 17, als das erste Kind kam. Mit in seinem Haus in Schifferstadt wohnte auch seine Tochter, damals 13 Jahre alt.
Beide erzielen „Punkte“
Die Beziehung wurde bald zu einer „Kaugummi-Beziehung“, wie es Verteidiger Gaiser ausdrückte, mal on, mal off. Der Angeklagte schilderte eine verwickelte Beziehung, in der es vor allem um das Sorgerecht für die Kinder – es kam später noch ein zweites Baby hinzu – zu gehen schien. Fotos einer angeblich verwahrlosten Wohnung der Mutter wurden dem Jugendamt gezeigt – Punkt für ihn. Drohungen ihrerseits, zusammen zu bleiben – „sonst nehmen sie uns die Kinder weg“ – Punkt für sie. Am Abend des 1. September sei sie in seinem Haus die Treppe herunter gefallen, als sie Windeln holen wollte. Er sei mit Verwandten im Wohnzimmer gewesen und erst nach dem Sturz dazu gekommen. Von Vergewaltigung und Würgen war gar keine Rede.
Die Ex-Lebensgefährtin, eine hübsche, zerbrechlich und jung wirkende Frau, erzählte als Zeugin eine sehr lange und komplizierte Geschichte ihrer Beziehung und von üblen Verletzungen, schluchzte teilweise. Detailliert schilderte sie die Vergewaltigung, als beide „aneinander gekuschelt“ auf dem Bett lagen und sich einen Film mit Sex-Szenen auf dem Handy anschauten. Nur der kleine Sohn, der aufgewacht war, unterbrach das Geschehen. Nach einiger Zeit konnte man den Überblick in ihren Erzählungen verlieren. Bereits 2018 hatte sie einen Vorfall zur Anzeige gebracht, diese aber wieder zurück genommen. Die damalige Schilderung ähnelte den jetzigen.
Opfer ist Influencerin
Bei den detaillierten Nachfragen des Gerichts traten Erinnerungslücken beim angeblichen Opfer zutage. Gerichtsmedizinerin Dorothea Hatz wurde dazu gehört, ob die in Fotos dokumentierten Verletzungen so wie von der Geschädigten geschildert entstanden sein konnten. Ihr Fazit: Kann sein, muss aber nicht. Das Würgen auf dem Parkplatz konnte allerdings kaum stattgefunden haben. Das Pikante: Die junge Frau ist Influencerin mit Instagram-Account, wie ihr Verteidiger angab, und hatte dort mit drastischen Fotos ihres verletzten Gesichts und der Hilfe einer RTL-Reporterin erfolgreich um Hilfe ihrer Follower gebeten – kurz darauf gab ihr das Jugendamt die Kinder zurück.
Die Verhandlung wird nächsten Montag, 22. März, mit weiteren Zeugenvernehmungen fortgesetzt.