HOCHDORF-ASSENHEIM / WALDSEE
Wegen Drogendeals verurteilt: Bei der Mutter fließen Tränen
36 Fälle, in denen er in Hochdorf-Assenheim und Waldsee Marihuana verkauft hat, konnten dem jungen Mann nachgewiesen werden. Bei der Durchsuchung seines Elternhauses fanden sich noch drei Kilo und 136.665 Euro Erlös. Verurteilt wurde er zu drei Jahren und sechs Monaten Haft – vergleichsweise milde gegen den Antrag der Staatsanwaltschaft von vier Jahren und drei Monaten.
Der Angeklagte wurde aus der Untersuchungshaft vorgeführt, in der er seit seiner Verhaftung im Mai dieses Jahres sitzt. Aber so richtig schien ihm erst nach dem Antrag von Oberstaatsanwältin Gabriele Werner aufzugehen, um was es für ihn ging. Für sein Schlusswort musste er sich erst einmal fassen. Seiner Mutter im Zuschauerraum schien das früher klar zu sein, sie weinte fast während der gesamten Verhandlung.
Soziales Jahr an Grundschule
Zur Sache wollte er sich nicht selbst äußern, Verteidiger Neumann gab jedoch für ihn ein knappes, aber vollständiges Geständnis ab. Ausführlich sprach er jedoch zu seiner Person. Er schilderte sich als einen strebsamen, intelligenten, verantwortungsbewussten jungen Mann mit dem klaren Ziel zu studieren, um Lehrer werden zu können. Als er von der Schule „nur“ mit Fachhochschulreife abging, machte er ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) an einer Frankenthaler Grundschule – ein ausgezeichnetes Zeugnis darüber legten die Verteidiger vor. Später meldete er sich an der Universität Mannheim zu einer Delta-Prüfung an, mit deren Bestehen er die Hochschulreife und den Zugang zum Wunschstudium erlangt hätte – die Verhaftung kam allerdings dazwischen.
Vor seiner Verhaftung lebte der junge Mann noch im Elternhaus, bezog Taschengeld von 50 Euro und während des FSJ die übliche Aufwandsentschädigung von etwas mehr als 300 Euro. Dass er sich davon einen zwar nicht auffallend luxuriösen, aber doch sehr gediegenen Lebensstil mit eigenem Auto leistete, schien seiner Familie nicht aufzufallen, ebenso wenig die Rolex im Tresor im Elternschlafzimmer. Er habe seit seinem 15. Lebensjahr Marihuana geraucht, in der Regel am Wochenende bei Abenden mit Freunden mit Pizza und DVD. Langsam habe sich das „Handelsgeschäft“ daraus entwickelt. Mehr war von ihm nicht dazu zu hören.
Drogen in jedem Raum
Angeklagt war der 22-Jährige wegen 36 Verkaufsgeschäften zwischen Anfang 2019 und Mai 2020 – immer an den gleichen Käufer, der auf seinen eigenen Prozess wartet und als Zeuge aussagte, begleitet von seinem Anwalt als Zeugenbeistand. Im Detail waren es zehn Verkäufe von je 100 Gramm, zehn von je 200 Gramm, zehn von je 500 Gramm und sechs von je einem Kilo – alles Ware von guter Qualität, wie der Zeuge vermerkte. In die Ermittlungen war Polizei aus Ludwigshafen und Mannheim involviert. Die beiden Polizisten, die die Hausdurchsuchung durchführten, berichteten, dass in wirklich jedem Raum der Wohnung reichlich Marihuana und Briefumschläge mit Geld gefunden wurden. Im Tresor fand sich auch eine genaue Buchhaltung über An- und Verkäufe, allerdings ohne Namen. Die Verkäufe wurden zunächst in Hochdorf-Assenheim getätigt, dann wechselte man den Ort, und ein Kurier (der nicht bekannt ist) brachte die Ware nach Waldsee.
Am Anfang sprach der Angeklagte noch von „sogenannten kriminellen Taten“. Er habe ja nicht als Berufswunsch Dealer werden wollen, sondern den Fokus auf ein Studium und den Lehrerberuf gelegt. Von diesem Wunsch muss er sich allerdings nun verabschieden. Die Vorsitzende Richterin Sonja Steingart sprach in der Urteilsbegründung von seiner „Doppelmoral“, und Oberstaatsanwältin Werner fragte in ihrem Plädoyer, wie sich das vertrage, am Sonntagabend ein paar Joints zu rauchen und dann am Montag mit Rest-THC im Blut Auto zu fahren und Kinder zu betreuen.