Rhein-Pfalz Kreis Wasserdicht mit Fußheizung

Technisch gut ausgestattet verfolgen die Teilnehmer der Winterexkursion, was am und auf dem Silbersee so alles fliegt, schwimmt
Technisch gut ausgestattet verfolgen die Teilnehmer der Winterexkursion, was am und auf dem Silbersee so alles fliegt, schwimmt und taucht.

«BOBENHEIM-ROXHEIM.» Für die Volkshochschule leitet Thomas Dolich von der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz die Exkursion, zu der trotz Schmuddelwetter über 50 Teilnehmer erschienen sind. Kein Wunder, ist der zweitgrößte See in Rheinland-Pfalz doch in der kalten Jahreszeit eine Hochburg für Wasservögel aus nah und fern. Aus dem hohen Norden machen sich viele Wasservögel in den Süden auf, um den Winter auf eisfreien Seen zu verbringen. Wildgänse aus Skandinavien etwa sind typische Kurzstreckenzieher, die gern am Silbersee überwintern. Friert der mal komplett zu, ziehen sie weiter an den Bodensee oder bis nach Südfrankreich. „Was das Gebiet für diese Vögel so wertvoll macht, sind die verschiedenen Biotope“, schwärmt Dolich und weist auf den Hinteren Roxheimer Althrein hin, der ganz in der Nähe ist. Der ist besonders flach und daher „optimal für sich vorwiegend vegetarisch ernährende Gründelenten wie Schnatter- und Stockente, die nicht tauchen können und nur nach dem Prinzip ,Köpfchen in das Wasser, Schwänzchen in die Höh’ Wasserpflanzen finden“. Schon schnappen in Sekundenschnelle fünf Stative auf, und die aufgeschraubten Spektive vergrößern 50-fach, was sich auf den Altrhein so tut. „Da hinten auf den Bäumen, das sind Horste von Graureihern und Kormoranen, die da brüten werden“, sagt der Vogelexperte mit Blick auf dunkle Flecken zwischen den Wipfeln. Bald wird sich dort neues Leben regen – die Brutsaison der Kormorane beginnt Ende Februar. Durch das Spektiv sieht er eine Nilgans, die es sich in einem Kormoranhorst gemütlich machen will. Wenn die Kormorane anfangen, ihre hellblauen Eier abzulegen, werden sie die Gans vertreiben, vermutet er. Wir gelangen an das südliche Ufer des mehr als zehn Meter tiefen Silbersees, dessen über einen Quadratkilometer große Wasserfläche selten zufriert. Bei viel Eis auf dem Althrein können sich die Gründelenten wenige Meter weiter auf dem Silbersee zu den Tauchenten gesellen. Vertreter dieser Spezies haben schwerere Knochen und stärker ausgebildete Schwimmhäute, wodurch sie bis zu sechs Meter tief abtauchen und sich auf dem Seegrund an Muscheln und Würmern gütlich tun können. Vom Badestrand aus entdecken wir Reiher- und Tafelenten sowie Höckerschwäne. In Harmonie paddeln die verschiedenen Vogelarten gemeinsam vor sich hin. Weiter hinten in Richtung Kieswerk könnte es noch Schwarzhalstaucher geben, die hat Thomas Dolich zumindest im Dezember gesichtet. „Da fliegt gerade ein Graureiher auf uns zu“, lenkt er die Blicke auf den bewölkten Himmel. Mit mächtigen Flügelschlägen fliegt der Vogel mit dem geschwungenen Hals zum Hinteren Roxheimer Altrhein, wo kurz zuvor ein Silberreiher gesichtet worden war. „Ups, war da nicht gerade noch ein Haubentaucher?“, fragt eine Teilnehmerin und zeigt auf sich kreisförmig ausbreitende Wellen. Eine Minute später ist der graue Vogel mit dem langen, spitz zulaufenden Schnabel vom Tauchgang zurück. „Vom Gefieder her sind sie bestens isoliert“, erklärt der Exkursionsleiter. Früher habe man geglaubt, Wasservögel seien nur deshalb wasserdicht, weil sie sich immer einfetten. „Das stimmt teilweise. Das Gefieder ist so fein strukturiert, dass es Wasser abweist.“ Gesunde Wasservögel können auf dem Eis nicht festfrieren, stellt Dolich klar. Sie verfügten über eine eingebaute Fußheizung: „Energiesparend wird kaltes und warmes Blut gegenläufig wie bei einem Wärmeaustauscher durch die Füße gepumpt.“ Wir spazieren am Ostufer entlang in Richtung Kieswerk. Auf Höhe der Halbinsel Scharrau treiben in der Seemitte dunkle Flecken, die sich beim Blick durch die Linse als 14 Zwergtaucher entpuppen. Hinter sich zieht jeder Vogel eine keilförmig auslaufende Welle, die durch die Verdrängung des Wassers entsteht. Für die Betrachtung eines jungen Höckerschwans in der Nähe ist kein Fernglas nötig. Denn der größte Vertreter aller Entenvögel kommt zutraulich fast bis ans Ufer – vielleicht in Erwartung einer kleinen Futterspende. „Sein Gefieder ist grau-braun. Es ist ein Jungvogel von der letzten Brutsaison“, erläutert Thomas Dolich und begrüßt einen guten Bekannten, der zum Sonntagsspaziergang unterwegs ist: Volker Schmidt aus Frankenthal, der von Dieter Raudszus im Frühling das Ehrenamt des Vogelzählers am Silbersee übernehmen wird. Die Arten und den Bestand wird Schmidt ganz modern per App erfassen. „Die Großmöwen seht ihr erst nachmittags, dann kommen sie zum Kaffeeklatsch“, sagt er lachend und zieht weiter. Nach zwei Stunden sind die Finger klamm, leichter Regen trübt die Fernsicht durch die Spektive. Fröstelnd kehren wir zum Parkplatz zurück, Augen und Ohren offen für das, was die Natur am See außer Wasservögeln sonst noch zu bieten hat. An drei abgestorbenen Baumstämmen ringeln sich Baumpilze in der Größe von Suppenschüsseln malerisch wie Stufen einer Wendeltreppe empor. Es sind Zunderschwämme, die schon in der Jungsteinzeit beim Feuermachen verwendet wurden und aus denen im Mittelalter Westen und Kappen hergestellt wurden. Von den Wasser liebenden Pappeln dringt der monotone Ruf der Grün- und Grauspechte herüber. Als Höhlenbrüter bevorzugen sie das weiche Pappelholz, in das sie ihre Nisthöhlen zimmern. Was wiederum exotische Einwanderer anlockt: Grüne Halsbandsittiche brüten ebenfalls in Höhlen und schnappen den bedrohten Spechtarten gern die Brutplätze vor dem Schnabel weg. Serie Silbersee und Roxheimer Altrhein sind die wichtigsten Gewässer für rastende Wasservögel in Rheinland-Pfalz. Doch auch im Gebüsch und in den Baumwipfeln gibt es in der Region interessante Vogelarten. In unserer Serie „Hergezwitschert“ stellen wir in Zusammenarbeit mit Fachleuten einige Arten vor.

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