Verbandsgemeinde Rheinauen
Was war, was kommt: „Wir werden Pflöcke einrammen“
Ein Hochwasser, wie es alle 200 Jahre, und zugleich ein Regenereignis, wie es alle fünf Jahre vorkommt. Rein hypothetisch. Und trotzdem sollen dann die Straßen in Altrip nicht unter Wasser stehen. Dieses Ziel soll mit dem neuen Pumpwerk erreicht werden. Patrick Fassott (SPD), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Rheinauen, rechnet im Sommer mit dem Spatenstich. Das Thema hat den Werksausschuss in den vergangenen Jahren einiges an Bauchschmerzen bereitet, da die Kosten zu explodieren schienen. Nun wurde so umgeplant, dass anstatt eines kompletten Neubaus eine Modernisierung mit den ursprünglich angesetzten rund fünf Millionen Euro umsetzen lässt. Fassott rechnet damit, dass alles Ende 2022 fertig ist.
In Neuhofen geht es im Herbst mit Kanalarbeiten los, der marode Mischkanal wird in ein Trennsystem umgebaut, dann wird Oberflächenwasser in den Erlenbruchgraben geleitet und Schmutzwasser in die Kläranlage nach Limburgerhof. Im Moment wird beides gemeinsam nach Limburgerhof gepumpt. Zwei Millionen Euro kostet das Projekt.
Diskussion um Abwassergebühren
Eine spannende Diskussion erwartet Fassott zum Thema Abwassergebühren. Die sind in den Ortsgemeinden sehr unterschiedlich. Altriper Bürger zahlen fast doppelt so viel wie Waldseer oder Otterstadter. Bisher war man davon ausgegangen, dass die Gebühren bis 2025 angeglichen werden müssen. Das zumindest sagt das Fusionsgesetz. Nun hat Fassott die Auskunft bekommen, dass die Verbandsgemeinde selber entscheiden kann, ob die Gebühren angeglichen werden sollen oder nicht.
„Es geht um Prävention – wie kann die Verbandsgemeinde die Bevölkerung vor Hochwasser schützen, was können die Bewohner selbst unternehmen, wie geht man im Ernstfall vor“, sagt Fassott über das Hochwasserschutzkonzept, das die Verwaltung erstellt, um im Notfall gerüstet zu sein. Ein weiteres Konzept wird für den Klimaschutz erarbeitet. Darum kümmert sich eine Klimaschutzmanagerin, die befristet für zwei Jahre eingestellt wird. „Das wird“, wie Fassott verdeutlicht, „ein Maßanzug für unsere Gemeinde.“
Neue Ausrüstung für die Feuerwehren
Das neue Tanklöschfahrzeug hat die Altriper Feuerwehr im Dezember noch bekommen, im Laufe dieses Jahres soll auch das für die Otterstadter Einheit fertig sein. „Im Bereich Feuerwehr werden wir weitere Pflöcke einrammen“, sagt Fassott und meint damit die Fahrzeuge, die entsprechend des Feuerwehrbedarfsplans angeschafft werden. Die neue Drehleiter für Neuhofen soll 2021 ausgeschrieben werden, um 2022 in Betrieb genommen werden zu können. Zudem möchte die Verbandsgemeinde im kommenden Jahr prüfen, ob und wo ein neues Feuerwehrhaus für Waldsee gebaut werden soll.
All diese Themen, die die Verbandsgemeinde in diesem Jahr beschäftigen, sind 2020 vorbereitet worden. Dazu zählt auch der Flächennutzungsplan. „Ich rechne damit, dass er Ende 2021 fertig sein wird“, sagt Fassott. Im Rathaus gab es vergangenes Jahr eine größere Umstrukturierung: Der Fachbereich drei wurde in zwei Bereiche aufgeteilt. Die Themen „Soziales, Jugend und Asyl“ wurden ausgegliedert und stehen nun unter der Leitung von Joachim Loch. Ein Ziel ist es nach wie vor, von der zentralen Unterbringung von Flüchtlingen wegzukommen.
„Ernst der Lage nicht erkannt“
Und natürlich hat auch die Corona-Pandemie die Verbandsgemeinde Rheinauen sehr beschäftigt, gibt Fassott zu und berichtet leicht genervt von Menschen, die den Ernst der Lage offenbar immer noch nicht erkannt haben. Gerade im Bereich Ordnungsamt und Vollzug seien die Mitarbeiter der Verwaltung sehr stark gefordert gewesen. Allerdings ist der Bürgermeister schon ein bisschen stolz, dass es dank guter Vorkehrungen und Aufklärung in Sammelunterkünften zwar Einzelfälle gegeben habe, es aber nie zu einem Massenausbruch gekommen sei.