Maxdorf RHEINPFALZ Plus Artikel Was war, was kommt: Visionen und Realität in Maxdorf

Das Maxdorfer Rathaus soll saniert werden. Oder erweitert. Aber nicht abgerissen.
Das Maxdorfer Rathaus soll saniert werden. Oder erweitert. Aber nicht abgerissen.

Birkenheide, Maxdorf, Fußgönheim. Keine drei Inseln, sondern eine Verbandsgemeinde. Dieses Bewusstsein will der Bürgermeister schaffen. Und er hat einen Wunsch: Ein modernes Rathaus, für die Verwaltung, aber vor allem für die Bürger. Doch der Weg dorthin ist ziemlich weit – und die Zeit begrenzt.

In den Gedanken ist es eine einfache Sache. Das Rathaus der Verbandsgemeinde Maxdorf ist zu klein geworden, die Aufteilung ist nicht optimal, auf dem neuesten Stand der Technik ist es auch nicht mehr. Passenderweise steht das Nachbargebäude zum Verkauf. Dort könnten wir doch erweitern, denkt sich der Bürgermeister, holt sich das Okay des Verbandsgemeinderats. Das Haus ist gekauft – und steht nun seit zwei Jahren leer. „Die Gelegenheit muss man beim Schopfe packen“, sagt Paul Poje (CDU) trotzdem, „wir haben kein Geld verbrannt.“ Dennoch reift auch beim Bürgermeister die Erkenntnis: „Manchmal kommt man ziemlich schnell in der Realität an.“

Und diese Realität hat einen ziemlich sperrigen Begriff: Raumbedarfsplan. Denn wer zur Finanzierung Dritte mit ins Boot holt und auf Zuschüsse angewiesen ist, muss eben nach deren Regeln spielen. „Das akzeptiere ich“, sagt Poje, „dass die ADD hinzugezogen werden muss, war mir klar.“ Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion macht klare Vorgaben, wie groß eine Verwaltung sein darf, was wie und wo gebaut werden kann. Deshalb ist eine Planerin gerade zugange, um den Bestand des Rathauses in Maxdorf zu erfassen und mit dem abzugleichen, was getan werden soll. Dann zeigt sich, ob es ein Anbau, ein Neubau oder „nur“ eine umfangreiche Sanierung wird. „Es ist ein zäher Stiefel“, sagt Poje, der die ersten Ergebnisse der Bestandsaufnahme im Frühjahr erwartet. Das Thema Rathaus hat den Bürgermeister, die Verwaltung und die politischen Gremien 2021 beschäftigt und wird es auch 2022 tun – und es wird noch länger Thema bleiben.

Maxdorf als Zentrum?

„Ohne einen Anbau sehe ich es nicht umsetzbar“, sagt Poje. Er wünscht sich ein modernes Rathaus mit einem echten Bürgerservice, mit Schaltern, an denen sich Mitarbeiter um die Anliegen der Menschen kümmern. Der Bürgermeister schaut durchaus ein wenig neidisch zu den Nachbarn nach Dannstadt-Schauernheim – so in etwa wie dort stellt er sich das Ganze vor. Auch ein Standesamt fehlt ihm in Maxdorf, also eines, das seinem Namen gerecht wird. Wo Brautpaare auch außerhalb der Öffnungszeiten der Verwaltung getraut werden können und nicht durch das halbe Rathaus spazieren müssen. „Das ist für mich kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit“, sagt Poje, „und davon sind wir weit entfernt.“ Doch ohne Erweiterung fehlt dafür der Platz.

Ebenfalls kein Platz ist derzeit für einen Ratssaal. „Auch das nehme ich für eine moderne Verwaltung in Anspruch“, sagt Poje und meint einen Tagungsort für die Gremien mit entsprechender technischer Infrastruktur. Aktuell hat der Verbandsgemeinderat wechselnde Sitzungsorte, der Bauhof muss Stühle und Tische, Lautsprecher und Mikros ständig auf- und abbauen. Die Situation im großen Sitzungszimmer im Rathaus bezeichnet Poje als „grenzwertig“. Während der Corona-Pandemie hat sich die Mehrzweckhalle in Fußgönheim als permanenter Sitzungsort etabliert. Aber mit der Rückkehr des Vereinslebens sind Sporthallen unter der Woche fast immer belegt. Also Maxdorf als politisches Zentrum? „Wenn man diese Entfernung für eine Sitzung nicht bewältigen kann, verstehe ich nicht, wo die Reise hingehen soll“, sagt Poje.

Während der Bürgermeister bei Institutionen durchaus Vorteile in zentralen Einheiten sieht, will er in den Köpfen der Menschen ein anderes Denken entwickeln. „Ich kann es nicht mehr hören, wenn man Birkenheide, Fußgönheim und Maxdorf immer nur als eigene Insel sieht“, sagt Poje, „wir sind eine Verbandsgemeinde. Alles, was ich als Bürgermeister mache, kommt den drei Orten zugute.“ 2022 wird die Verwaltungseinheit 50 Jahre alt, gefeiert werden soll an einem Wochenende an drei Stellen in der Verbandsgemeinde. Sofern es die Pandemie-Lage eben zulässt.

Tatsächlich hat Corona für Poje das gemeinsame Bewusstsein unter den Orten gestärkt. Die Teststation von Freiwilliger Feuerwehr, Deutschem Roten Kreuz und Verwaltung in der Waldsporthalle habe alle Beteiligten zusammengeschweißt. „Eine Erfahrung, die ich wirklich nicht missen möchte“, sagt Poje. Über vier Monate hinweg kamen die Aktiven an zwei Abenden in der Woche zusammen. „Für mich war es eine Verpflichtung, so oft wie möglich selbst dabei zu sein und meinen Leuten den Rücken zu stärken“, sagt Poje. 4000 Menschen wurden in dieser Zeit getestet. Inzwischen hat ein Unternehmen diese Aufgabe übernommen, ehrenamtlicher Dienst an jedem Abend wäre schlicht zu viel geworden.

Abschied angekündigt

Und doch hat dieser Einsatz Poje gezeigt, dass die Zusammenarbeit funktioniert. Bei einem weiteren Projekt spielt ihm dieses Wissen in die Karten. Er möchte die drei Freiwilligen Feuerwehren zusammenführen. „Die Vision darf ich haben“, sagt Poje. Für Januar war bereits ein erstes Gespräch mit der ADD anberaumt, denn die Behörde muss natürlich mitspielen. „Wir brauchen etwa 10.000 Quadratmeter Fläche“, sagt Poje, für das gemeinsame Feuerwehrgerätehaus hat er Fußgönheim im Blick. Er ist zuversichtlich, dass es zügig grünes Licht für das Vorhaben gibt. „Ich mache mir aber keine Illusionen, fünf Jahre sind da nichts“, sagt der Bürgermeister. Nicht unbedingt nötige Investitionen in die bestehenden Gerätehäuser sollen vermieden werden.

Für die Feuerwehr der Verbandsgemeinde möchte Poje den Weg ebnen. Das moderne Rathaus will er derweil in seiner Amtszeit komplett umsetzen. Rund drei Jahre hat der 2017 gewählte Bürgermeister noch Zeit. Denn weitere acht Jahre wird es nicht geben, kündigte Poje jüngst an. Diese Entscheidung war für Poje eine einfache Sache – nicht nur in Gedanken.

Die Serie

Was wurde 2021 alles erledigt, was steht 2022 an? Wir haben mit den Bürgermeistern im Rhein-Pfalz-Kreis gesprochen, ziehen mit ihnen Bilanz und blicken voraus.

Paul Poje
Paul Poje
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