Frankenthaler Umland RHEINPFALZ Plus Artikel Was Landwirte heute noch von alten Bauernregeln halten

Gibt es in den kommenden Wochen überwiegend Sonnenschein? Oder wird es eher kühl und regnerisch? Das entscheidet sich dem Volksg
Gibt es in den kommenden Wochen überwiegend Sonnenschein? Oder wird es eher kühl und regnerisch? Das entscheidet sich dem Volksglauben nach am Siebenschläfertag.

Nach dem sogenannten Bauernkalender ist der Siebenschläfertag am Samstag ebenso wie der Johannistag am vergangenen Mittwoch ein wichtiges Datum für die Feldarbeit und lässt Prognosen für das Wetter der kommenden Wochen zu. Aberglaube oder althergebrachtes Wissen? Wir haben uns bei den Profis umgehört.

„Wir achten schon auf Bauernweisheiten. Eine Grundlage für unsere Arbeit ist aber das Handy – mit speziellen Wetterportalen“, sagt Rainer Knies aus Bobenheim-Roxheim. Der Landwirt, der auf 110 Hektar Zwiebeln, Soja und Kräuter anbaut, freut sich über die Prognose für Samstag mit Gewitter und Sturm. Das deute auf längerfristig wechselhaftes Wetter hin. Nicht umsonst heißt es: „Das Wetter am Siebenschläfertag sieben Wochen bleiben mag.“

Einmal pro Woche Regen, ansonsten Sonnenschein, das wäre jetzt am besten für die Pflanzen von Knies. Derzeit steckt der 59-Jährige mitten in der Ernte der Winterzwiebeln. Bis zum 1. Juli sollen die aus der Erde sein. Diesen Stichtag hat er als persönliche Bauernregel aufgestellt, aus eigener Erfahrung: „In den letzten Jahren war im Juli immer wechselhaftes Wetter, da konnten wir schlecht ernten.“

Johannistag ist Stichtag für Kräuterernte

Für Reinhard Schubach aus Beindersheim war der Johannistag am Mittwoch der Stichtag für die Ernte seiner Kräuter – so, wie es der Bauernkalender rät. Rund 50 Sorten gedeihen in seinem Garten, „die haben jetzt die meisten Wirkstoffe“. Aus den gelben Blüten des Johanniskrauts haben er und seine Frau Christina das Johanniskrautöl hergestellt, das Verbrennungen lindern und die Wundheilung fördern soll. Dass die Johannisbeere an ihrem Namenstag reif war, kann Schubach nicht bestätigen, „die Beeren haben die vergangenen Wetterkapriolen nicht so gern gehabt und brauchen noch etwas Zeit“.

Bauernregeln verwendet der 56 Jahre alte Agrarwirt, der auf 60 Hektar Getreide, Kartoffeln und Kürbisse anbaut, das ganze Jahr über, „das macht man sich gar nicht so bewusst“. Bei ihm stecken diese Erfahrungen sozusagen in den Genen: Schubach hat seine Ahnen bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgt: Alle Schubachs waren seitdem Beindersheimer Bauern, sagt er.

Respekt vor den Eisheiligen

Sein vor Kurzem verstorbener Vater Karl hat ihm zahlreiche Regeln mündlich überliefert. Etwa die Erfahrung, dass es an den Eisheiligen Mitte Mai noch kühler wird, wenn Vollmond ist. „Zu 80 bis 90 Prozent stimmt das auch.“ Für Schubach kann dies schlaflose Nächte bedeuten, denn ab Null Grad gefriert das Kartoffelkraut. „Dann sind wir nachts draußen und beregnen die Felder mit Wasser, das acht Grad Celsius warm ist.“ Die Wärmeenergie gehe auf das Kraut über, und das Wasser bilde eine isolierende Hülle.

Den Siebenschläfertag beachtet Schubach jedes Jahr. Er wünscht sich Regen, der zwar nicht bis August dauern sollte, „aber 14 Tage lang sollte es schon regnen, um die bisherige Trockenheit zu kompensieren“. Wenn es nicht regnet und die Temperaturen hochgehen, muss er alle vier Tage die Hähne aufdrehen und die Kartoffelfelder mit 250.000 Litern pro Hektar bewässern.

Aussaatkalender für Trinkel wichtiger

Für den passionierten Hobbygärtner Hans Trinkel aus Gerolsheim sind Bauernregeln nichtssagend. „Man muss selber die Natur beobachten und deuten“, meint er. In seinem 2000 Quadratmeter großen Garten verlässt sich der Landmaschinenmechaniker- und Schmiedemeister im Ruhestand ganz auf den Aussaatkalender von Maria Thun. Aus den Schriften der vor acht Jahren verstorbenen deutschen Landwirtin und Autorin hat der 71-Jährige gelernt, „dass in der Gartenarbeit der Mond entscheidend ist“.

Bei absteigendem Mond ist Trinkel am Pflanzen. Ansonsten verlässt er sich auf seine krabbelnden Nützlinge: „Das sind meine Heinzelmännchen, die Tag und Nacht schaffen.“ Den Marienkäfer liebt er deshalb, weil er im Garten die Blattläuse in Schach hält, ganz ohne Pestizide. Pünktlich zum Johannistag hat er die ersten nachts leuchtenden Johanniskäfer gesichtet und sich gefreut, weil deren Larven gern Nackt- und Gehäuseschnecken fressen. Und seitdem ist auch die Königskerze erblüht, die im Volksmund Sankt-Johannis-Kerze genannt wird und bei Erkältungen helfen soll.

Gartenbaufachmann ist skeptisch

Bei Bauernregeln wie der vom Siebenschläfer ist Norbert Laun skeptisch. „Das Wetter von sieben Wochen an einem Tag festzumachen, wäre sehr mutig“, meint der Leiter der Abteilung Gartenbau im Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz. Und bei Meteorologen sei „alles, was über fünf Tage hinausgeht, Kaffeesatzleserei“. In einem Punkt stimmen Volksmund und Wissenschaft laut Laun jedoch ziemlich überein: „Erfahrene Meteorologen sagen, dass instabile Wetterlagen Ende Juni längere Zeit erhalten bleiben.“

Zur Sache: Was sind Lostage?

Im Bauernjahr gibt es Lostage. Mit Glückslosen hat das nichts zu tun. Es bedeutet Geschick oder Schicksal. Diese Tage bestimmten im Volksglauben das kommende Wetter und bedeuteten dem Bauern, was er wann zu tun hatte. Die Namen der Lostage kommen aus dem Heiligenkalender. Der Johannistag zum Beispiel bezieht sich auf den Apostel Johannes. An diesem Tag wird in manchen Gegenden das Johannisfeuer angezündet und die Spargel- und Rhabarberernte geht zu Ende.

Der Siebenschläfertag hat nichts mit dem süßen Nagetier zu tun, sondern mit einer Heiligenlegende, laut der sieben verfolgte Christen eingemauert wurden, einschliefen und nach fast 200 Jahren lebendig aufwachten. „Werden die sieben Schläfer nass, regnet’s noch lange Fass um Fass“, heißt es in einem von vielen Sprüchlein über diesen Tag.

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