Dannstadt-Schauernheim RHEINPFALZ Plus Artikel Was ein Dorf bewegt: Ungarische Freundschaften und ein Blick in Zukunft

Das Pappelwäldchen in Blickrichtung Norden: Was wurde darüber schon im Dorf diskutiert.
Das Pappelwäldchen in Blickrichtung Norden: Was wurde darüber schon im Dorf diskutiert.

Ortsbürgermeisterin Manuela Winkelmann (CDU) machte auf den Spuren Dannstadter Auswanderer eine Reise nach Nemesnádudvar. Zuhause ist auch viel passiert.

Unschön, aber nach Meinung des Ortsgemeinderats auch unvermeidlich, war die drastische Erhöhung der Grundsteuerhebesätze, die im Dezember vergangenen Jahres beschlossen wurde. Bei Agrargrundstücken wurde der Hebesatz von 345 auf 780 angehoben, bei bebauten Grundstücken von 465 auf 535. Andernfalls hätte die Ortsgemeinde nach der Grundsteuerreform ein gewaltiges Minus gemacht – und dabei war der Haushalt schon 2024 defizitär. Da stand die Gemeinde mit 2,5 Millionen Euro in den Miesen, trotz der neuen Hebesätze rechnet die Finanzabteilung der Verbandsgemeinde in diesem Jahr immer noch mit einem Minus von zwei Millionen Euro.

Ein besonderes Projekt für die Gemeinde ist die Ortsumgehung mit dem umstrittenen Pappelwäldchen. Die erhoffte Straße soll die Erschließung des Gewerbegebiets Dannstadt Ost II voran bringen und den Verkehr aus dem Ort holen. Doch aus Naturschutzgründen wurde das Projekt zunächst von den Genehmigungsbehörden auf Eis gelegt. Artenschutzgutachten laufen. Dabei wurde auch festgestellt, dass es auf Dannstadt-Schauernheimer Gemarkung besonders viele Rebhühner gibt. Das ist die gute Nachricht in dieser Sache.

Spielmöglichkeiten für Kinder

Schon vor 15 Jahren wurden auf dem Spielplatz Mühlplätzel die Spielgeräte abmontiert, weil sie laut TÜV nicht mehr sicher waren. Im Haushalt fand sich all die Jahre kein Etat für neue Geräte. So machte sich Ortsbürgermeisterin Manuela Winkelmann auf die Suche nach Spendern – und wurde fündig. Der Platz wird instandgesetzt. Im vergangenen Jahr wurde schon der Spielplatz Gutenbergstraße erneuert. Jetzt gibt es dort Spielmöglichkeiten, die auch Kinder mit Beeinträchtigungen nutzen können. Dazu gehört ein Trampolin, das mit Rollstühlen befahrbar ist und eine besonders sichere Schaukel. Daneben sind Klettergeräte aus Holz mit Pfälzer Gemüse geschmückt und einige Säulen in der Form von Karotten, Lauch und Möhren gestaltet und bemalt.

Auch noch für die Kinder kommen ein erweitertes Spielgelände und Spielgeräte zur Kita Sonnenschein. Die Kita Kleine Wolke wird erweitert, nach langem Überlegen mit Containern. Die Kita Haardtstraße soll kleiner als zunächst geplant in diesem Jahr neu gebaut werden. Die erhoffte Frisch-Küche wird es nicht geben.

In diesem Jahr geht es an den lange zurückgestellten Ausbau von Fahrbahn und Beleuchtung in Goethe-, Antz- und Mozartstraße. Der barrierefreie Umbau der Bushaltestelle Schauernheim bleibt noch zu erledigen, der Fußgängerweg sei genehmigt, aber der Baubeginn noch offen, sagt Winkelmann.

Ob und wann der erhoffte Supermarkt in Schauernheim kommt, sei wieder unklar, berichtet Winkelmann. Nach der Insolvenz der Grundstückseigentümerin sei die Zukunft des Projekts nicht klar. Ursprünglich sei geplant gewesen, dass dort ein neuer Penny-Markt im Frühjahr 2025 öffnet. Doch die Grundstückseigentümerin, die Firma Schoofs Immobilien Frankfurt GmbH, befindet sich derzeit im Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Das Unternehmen selbst, das auch den Bau des Supermarkts ausführen möchte, ist guter Dinge in der Sache, wie es der RHEINPFALZ gegenüber im Oktober äußerte. Und auch die Rewe-Group hält an dem Projekt weiter fest.

Engagiert: Gutselstand-Verein

Die notwendige Unterbringung von Flüchtlingen wurde mit Containern am Harderhof zwischen Gewerbegebiet und Kirchenstraße geschaffen. Die nötige Fläche sei bis 2027 gemietet. Dort haben bis zu 20 weitere Personen Platz. Die Unterkünfte sind eher nicht für Einzelpersonen, sondern Familien gedacht.

Nachdem der Karnevalsverein Daschauer sich vor vier Jahren aufgelöst hatte, wurde der Gutselstand-Verein ins Leben gerufen. Ziel war es, vor allem auch junge Leute für die Organisation der Kerwe und weiterer Feste in der Ortsgemeinde zu begeistern. Und das laufe bestens, freut sich Winkelmann. Zusammen mit den Vorständen Christian Schwind und Felix Raßmußen habe sich ein engagiertes Team entwickelt. Die Ortsbürgermeister gehören nach der Satzung immer zum Vorstand und so ist auch Winkelmann eingebunden. Mit dem Verein werde es auch 2025 wieder eine Open-Air-Fasnacht geben, berichtet sie.

Eine Reise nach Ungarn

Eine besondere Reise führte die Bürgermeisterin nach Ungarn. Dort wurde der Ort, der heute Nemesnádudvar heißt, von deutschen Auswanderern vor 300 Jahren neu besiedelt. Damals hieß der Ort Nadwa – und damals war auch eine Familie Etsberger aus Dannstadt, die im Osten ihr Glück suchten, unter den Auswanderern. Deren Nachfahren haben Kontakt in die alte Heimat aufgenommen und die Bürgermeisterin eingeladen. Das sei ein spannender Besuch mit vielen neuen Begegnungen und einer überwältigenden Gastfreundschaft der ungarischen Gastgeber gewesen. Und das Dorf liege in einer Weingegend, was natürlich den Pfälzern gut gefällt.

Ob aus dem privaten Besuch noch weitere deutsch-ungarische Kontakte erwachsen, ist derzeit noch offen. Die bestehende Partnerschaft mit Bétheny im Département Marne im Nordwesten Frankreichs habe in der Corona-Zeit etwas an Schwung verloren, aber vor zwei Jahren sei sie wieder lebhafter geworden, berichtet Winkelmann. Nach einem Besuch der Franzosen 2023 fuhren die Deutschen im vergangenen Jahr im September zu ihren Nachbarn. Der Dannstadt-Schauernheimer Freizeitclub habe die Strecke sogar mit dem Rad gemacht. Der Besuch dort sei ein großes Fest gewesen und habe allen großen Spaß gemacht.

Die Serie

Was wurde 2024 alles erledigt, was steht 2025 an? Wir haben mit den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern im Rhein-Pfalz-Kreis gesprochen, ziehen mit ihnen Bilanz und blicken voraus.

Manuela Winkelmann
Manuela Winkelmann
x