Rhein-Pfalz Kreis Wandelndes Gesetzbuch

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Dannstadt-Schauernheim. Er hat drei hauptamtliche Bürgermeister und viele Ortsbürgermeister erlebt: Nach fast 42 Jahren im Dienst der Verbandsgemeinde verabschiedet sich Büroleiter Günter Fußer zum Jahresende aus dem Dannstadt-Schauernheimer Rathaus in den wohlverdienten Ruhestand – pünktlich zu seinem 64. Geburtstag am 1. Januar. „Irgendwann ist es gut und Zeit für jemand neues“, sagt er.

Worauf er sich im Ruhestand freut? Vor allem darauf, die Tretmühle des beruflichen Alltags mit all ihren äußeren Zwängen hinter sich zu lassen. Konkrete Ziele habe er sich nicht vorgenommen. „Aber es gibt viele Ecken Deutschlands, die meine Frau und ich noch nicht gesehen haben und die wir jetzt der Reihe nach abklappern möchten“, verrät er. Denn gereist ist Günter Fußer in seiner Freizeit und in den Ferien schon immer gerne. Solange seine beiden inzwischen erwachsenen Töchter noch zu Hause lebten, ging es meistens mit dem Wohnwagen auf Tour. „Letztes Jahr waren wir aber auch auf der Hurtigroute unterwegs, der Postschifflinie in Norwegen. Das war toll“, schwärmt er auch von Reisen ins Ausland. Weitere Wunschziele: Sizilien und Portugal. Und: Wenn er nicht mehr jeden Tag im Büro erscheinen muss, lasse sich mit seiner Wandergruppe leichter Termine finden – endlich auch mal unter der Woche. „Denn ich bin mittlerweile der letzte, der noch arbeitet“, erzählt Fußer. Ansonsten werde er wohl das ein oder andere Projekt an seinem Haus in Angriff nehmen. Dass er sich zudem für den CDU-Gemeindeverband engagierte, habe nie zu Problemen geführt. „Das habe ich immer sauber getrennt“, sagt er. Ob er sich weiter politisch einsetzen wird, lässt er offen. „Falls ich mich dafür entscheiden sollte, wird das aber auf keinen Fall weiter auf Verbandsgemeindeebene sein, sondern höchstens in der Ortsgemeinde“, meint Fußer. Vielleicht werde er auch sein ehemaliges Hobby Modelleisenbahnbau wieder aufnehmen. Mit Fußers Pensionierung endet im Dannstadter Rathaus eine Ära. Von den annähernd 42 Jahren war er immerhin 29 als Büroleiter tätig. Es kommt nicht von ungefähr, dass sein Nachfolger Markus Lehmann, den er derzeit einarbeitet, ihn anerkennend als „wandelndes Gesetzbuch“ bezeichnet: Im Verwaltungsrecht hat Fußer niemand etwas vorgemacht. Gab es in Ratssitzungen Klärungsbedarf, konnte er die entsprechenden Paragrafen meist aus dem Gedächtnis zitieren, ihre Bedeutung verständlich erläutern und so sämtliche Unklarheiten auf der Stelle beseitigen. Selbstverständlich hat sich in all der Zeit auch manches Lustige zugetragen, an das er sich bis heute mit einem Lächeln im Gesicht erinnert. Bei seinem Kollegen im Büro nebenan, der seinerzeit das Standesamt betreute, habe sich eines Tages die Tür geöffnet und eine Frau sei hereingeschossen, um sich zu beschweren: „Mein Mann steht schon seit vier Wochen bei Ihnen im Schrank.“ Gemeint war, klärt Fußer auf, die Urne mit der Asche des Dahingeschiedenen, deren Beisetzung sich immer wieder verzögert hatte. Auch das Versenden der Vorbescheide für die Kläranlage habe einst für einen amüsanten Zwischenfall gesorgt: „Da kam eine Frau mit ihrem Mann, der ebenfalls Günter hieß, zu mir ins Büro und forderte: Hol ihn raus, Günter.“ Fußers Antwort: „Das mach’ ich jetzt nicht.“ Er lacht. „Sie meinte, er soll den Bescheid aus ihrer Tasche holen.“ Angefangen hat der Verwaltungsexperte bei der Gemeindeverwaltung als junger Mann am 1. August 1975 als Anwärter. Damit arbeitet er dort fast schon so lange, wie es die Verbandsgemeinde gibt (seit April 1972). Ehe er am 1. Juli 1987 Büroleiter wurde, wurden Fußer alle möglichen Aufgaben anvertraut. So war er unter anderem Sachbearbeiter Personalwesen, Straßenverkehrswesen und Wahlen, zwischenzeitlich auch für den Eigenbetrieb Abwasser zuständig sowie mit Organisation, Dienstbetrieb und Sitzungsdienst betraut. Zudem leitete er vorübergehend die Abteilung Ordnungs-, Schul- und Sozialverwaltung und wurde sogar zum Standesbeamten ernannt. „Das war aber nicht unbedingt mein Traum. Ich habe nur zwölf Paare getraut. Immerhin weiß ich von sechs, dass die Ehe noch immer Bestand hat“, sagt er. Prägend war die Veränderung der Arbeitswelt durch den technischen Fortschritt. „Anfangs brauchten wir für eine Kopie Positiv- und Negativpapier. Eine Kopie dauerte eine Minute. Das Papier war teuer und wurde von der Sekretärin des Bürgermeisters gehütet wie ein Augapfel“, erinnert er sich. 1985 sei es ihm gelungen, den damaligen Bürgermeister Hans-Werner Ziegler zum Kauf des ersten PC im Rathaus zu überreden. „Der war elend teuer, hatte keine Festplatte und zwei Diskettenlaufwerke: eine Diskette enthielt das Programm, auf der anderen konnte gespeichert werden“, erinnert er sich. Die größte Herausforderung seiner Laufbahn sei denn auch die Umstellung sämtlicher Arbeitsplätze auf ein PC-Netzwerk gewesen. „Das erledigte ich mit zwei Kollegen, und keiner von uns war ein EDV-Experte“, erzählt er. In anderer Weise habe er auch die Erweiterung des Rathauses und das Einrichten des Bürgerbüros als herausfordernd empfunden. „Das war zunächst umstritten und für Beamte wirklich schwierig. Aber bei den Leuten kam sehr gut an, dass sie nicht mehr kreuz und quer durchs Rathaus geschickt wurden“, erklärt er.

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