Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Wald für den Hausgebrauch: Ein Pilz für alle Fälle

Köchelnder Birkenporling.
Köchelnder Birkenporling.

Es ist nicht das erste Mal, dass wir in dieser Serie ein Gebräu des Waldes trinken. Der Jahreszeit entsprechend wird es heiß. Ein bitterer Auszug des Birkenporlings kommt zuerst in die Tasse. Für die Gesundheit. Für den Genuss und zur Entspannung des Gaumens gibt es danach Hagebutten-Apfel-Tee.

Es ist gerade die rechte Zeit, den Birkenporling vom Stamm zu brechen. Erstens ist er gerade pflückreif, zweitens können wir den Medizinpilz gut gebrauchen, um gesund durch den Winter zu kommen. „Sogar Ötzi hatte ihn schon im Gepäck“, sagt Bildungsförster Volker Westermann. Und was vor 5000 Jahren für die Menschen gut war, ist es heute immer noch, findet er.

Beheimatet ist dieser Baumpilz auf der gesamten Nordhalbkugel der Erde, überall dort, wo es eben Birken gibt. Beim Wachsen beginnt dieser Pilz als winzige Schwellung an seinem Wirtsbaum. Irgendwann kommt der Fruchtkörper zum Vorschein, der farblich zwischen weiß und braun changiert. Sein bitterer Geschmack macht den Birkenporling nicht gerade zu einem Speisepilz. Mit diesen bitteren Stoffen schützt sich der Birkenporling vor Insekten und Bakterien. „Aber: Die Bitterstoffe haben zahlreiche gesunde Wirkungen“, erklärt Westermann.

Also, wie gesund ist der Tee?

Ötzi und seine Zeitgenossen haben den Birkenporling wohl genutzt, um sich zu entwurmen und die Parasiten loszuwerden. Heute sind es andere Eigenschaften, weswegen sich manch einer daraus einen Tee braut. Bei unserem Förster in der Küche blubbert es bereits im Kochtopf. „Ich habe den Pilz geerntet, klein geschnitten und getrocknet. Manche mahlen ihn noch, das ist aber nicht notwendig.“ Ein leichter Pilz-Wald-Geruch hängt in der Luft. Da die Pilzstückchen (etwa ein Esslöffel auf einen halben Liter Wasser) gut 20 Minuten köcheln sollen, wollen wir uns vom Bildungsförster motivieren lassen, gleich auch ein Tässchen zu trinken. Also, wie gesund ist denn der Tee? „Na, sowas von gesund, das glaubt ihr nicht. Passt auf!“

Der Auszug aus dem Birkenporling hilft Westermanns Recherchen zufolge bei Magen- und Darmproblemen, bei Atemwegserkrankungen und Lungenkrankheiten, er wirkt antibakteriell, antiviral und entzündungshemmend. Er stärkt das Immunsystem und gilt als vitalitätsfördernd. Er verbessert den Haarwuchs. Er lindert Sodbrennen. Und er hilft gegen Nervosität, denn er wirkt beruhigend und ausgleichend. „Das ist doch eine ganze Menge, nicht wahr?“ So beschrieben, scheint der Birkenporling ein wahrer Wunderpilz zu sein, ein Vitalpilz, wie Experten es immer wieder beschreiben.

„Jeder nor einen wönzigen Schlock“

Volker Westermann gießt den Sud durch ein Sieb, damit die kleinen Pilzstückchen aufgefangen werden und verteilt ihn auf Tassen. Erst mal vorsichtig schnuppern. Das gelbliche Gebräu riecht kaum mehr nach Pilz, fast neutral. Na dann, jetzt heißt es mutig sein und den ersten Schluck nehmen. „Jeder nor einen wönzigen Schlock“, dieser Satz von Professor Crey aus der Feuerzangenbowle schießt einem unwillkürlich durch den Kopf, als wir vorsichtig nippen. Puh, ist Birkenporling bitter. „Schmeckt nach Medizin, nicht wahr?“, stellt unser experimentierfreudiger Förster fest. Absolut! Aber wenn es hilft, immer rein damit. Wir leeren brav unsere Tassen und denken an die vielen Wunder, die die Porlings-Stoffe in uns bewirken. „Vitalität und ein gutes Immunsystem kann man gerade doch wirklich gut gebrauchen“, sagt Westermann.

Er hat noch einen Tee vorbereitet. Zum Ausgleich etwas Fruchtiges mit leichter Süße und trotzdem gesund. „Ich habe Hagebutten und Äpfel getrocknet. Die Hagebutten müssen dafür aber vorher entkernt werden.“ Die Früchte der Wild- oder Heckenrosen stecken voller Vitamin C – aber auch Vitamin A und B sind reichlich enthalten. Die kleinen Vitaminbomben leuchten im Herbst wie knallrote Farbtupfer zwischen den gelb werdenden Blättern der Wildrosen. Wie Erdbeeren gehören sie zu den Sammelnussfrüchten. Wenn es kalt wird, sind Hagebutten eine wichtige Nahrungsquelle für einheimische Vögel. Wer sie sammeln will, muss sich also ranhalten. „Ich habe noch ein paar schöne Früchte bei einem Spaziergang entdeckt“, erzählt der Förster. Aber er weiß eben auch immer genau, wo er nachschauen muss. „Richtig“, sagt Westermann und lacht.

Wem der Birkenporling zu krass ist ...

Wir spülen die Tassen gründlich aus, um die Bitterkeit des Birkenporlings zu vertreiben und lassen uns Tee Nummer zwei darin einschenken. Hmmm, der riecht schon gut und schmeckt auch lecker. „Das ist mehr etwas für den Genuss – Medizin light“, stellt der Waldexperte fest. „Wem der Birkenporling zu krass ist, trinkt eben einen Vitamin-C-Tee und nutzt den Pilz als Nadelkissen.“

Wie jetzt? Was ist denn das schon wieder für ein lustiger Einfall? Westermann zaubert einen Birkenporlingshut hervor, in dem bunte Nadeln stecken. „Das hält fast ewig“, meint er. „Wer sichergehen möchte, dass das Innenleben abstirbt, kann den Pilz auch mal einfrieren. Fans von Naturmaterialien können den Fruchtkörper zudem als Schutzhülle von Messerschneiden nutzen. Sie bleiben rostfrei und scharf. Ach, und Silber soll man damit zum Glänzen kriegen, das habe ich aber mangels desselben noch nicht ausprobiert. Früher hat man den Birkenporling auch zur Papierherstellung genutzt.“ Der Förster sieht uns beeindruckt. Ein Pilz für alle Fälle. Wald für den Hausgebrauch – par excellence.

Die Serie

In der Reihe Wald für den Hausgebrauch verraten wir, was man mit Wald alles anstellen kann, also außer ihn zu durchwandern. Was an sich schon schön ist. Doch lassen Sie sich überraschen, was in Blättern, Blüten und Beeren, Rinden und Pilzen für Möglichkeiten stecken.
Der Tee: gesund, aber bitter.
Der Tee: gesund, aber bitter.
Apfel-Hagebutten-Tee.
Apfel-Hagebutten-Tee.
Der Porling als Nadelkissen.
Der Porling als Nadelkissen.
Der Birkenporling an seinem Wirtsbaum. Ein Zeichen, dass die Birke krank ist.
Der Birkenporling an seinem Wirtsbaum. Ein Zeichen, dass die Birke krank ist.
Das Männlein im Walde ...
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