Rhein-Pfalz Kreis Vor allem Lieferwagen im Visier
Dannstadt-Schauernheim. Früher Nachmittag an der Ortseinfahrt Dannstadt, Schauernheimer Straße: Eine Polizistin hebt die Kelle und winkt einen Kastenwagen, der in den Ort fahren möchte, an den Straßenrand. Ein paar Schritte weiter steht ein Polizist mit Maschinenpistole in der Hand und beobachtet das Geschehen aufmerksam. Er sichert die Lage. Am Straßenrand stehen Streifenwagen mit Blaulicht. Andere Polizisten kontrollieren bereits mehrere Fahrzeuge. Ganz ähnlich sieht die Situation am Ortseingang Limburgerhof in der Speyerer Straße aus: Auch hier werden Fahrzeuge angehalten. Es ist ein Sonderkontrolltag der Polizeiinspektion (PI) Schifferstadt. Zeitgleich gibt es Verkehrskontrollen in Dannstadt und Limburgerhof, und später – in der Dämmerung – in Schifferstadt und Mutterstadt. Zusätzlich sind drei Streifenwagen und eine Zivilstreife in den Orten unterwegs. Das Ziel: Einbrecher aufspüren. 26 Polizeibeamte sind an diesem Tag nur für die Kontrollen im Einsatz. Dazu haben die Schifferstadter Polizisten Verstärkung von ihren Kollegen der Polizeiinspektionen Ludwigshafen, Frankenthal und Speyer bekommen. „Wir wollen sehen, wer unterwegs ist, wer in den Ort hineinfährt“, sagt Kai Giertzsch, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Schifferstadt. Es werden vor allem, aber natürlich nicht ausschließlich, Kasten- und Lieferwagen kontrolliert. Viele von ihnen haben auswärtige Kennzeichen. Die Beamten erklären den Fahrern, dass eine Verkehrskontrolle durchgeführt wird und dass es um die Aufklärung von Wohnungseinbrüchen geht. Sie lassen sich die Papiere zeigen, das Warndreieck, den Verbandskasten, schauen sich das Auto genau an. Die Personalien und das Kennzeichen geben sie zur Überprüfung per Funk an Kollegen in der PI Schifferstadt durch. Immer wieder lassen sie auch die Türen zum Laderaum öffnen. Sie haben einen Blick dafür, wann etwas nicht stimmt. „Wir schauen auch, ob zum Beispiel Schlösser manipuliert sind oder die Fahrzeuginsassen auffälligen Schmuck oder besonders teure Handys haben, die einfach nicht zu diesem Fahrzeug zu passen scheinen“, erklärt Giertzsch. Drei Teams kontrollieren gleichzeitig. Im Hintergrund erklingt Stimmengewirr aus den Funkgeräten, die die Polizisten an der Schulter befestigt haben. Personendaten und Kennzeichen werden durchgegeben, Antworten kommen zurück. Jeder Beamte hört mit. Im Moment werden zwei junge Männer in einem Pick-up kontrolliert. Auf die Frage, was sie von der Aktion halten, sagt der eine: „Das wollen Sie nicht wissen, da müsste die Polizei weghören, das wäre nicht jugendfrei.“ Das ist jedoch die Ausnahme. Die meisten Kontrollierten reagieren sehr verständnisvoll – so wie der Mann, der gerade mit dem Lieferwagen zu seinem Arbeitgeber und dann weiter aufs Feld fahren wollte. „Jetzt komme ich halt zu spät“, sagt er. „Aber ich finde das gut, dass kontrolliert wird. Jeden Tag steht irgendwas von einem Einbruch in der Zeitung. Ich will, dass sie die alle erwischen.“ Er macht die Tür des Lieferwagens auf, zeigt, dass nur Holzpaletten im Laderaum sind, zeigt die Fahrzeugpapiere, Warndreieck, Verbandskasten. Nur den Führerschein hat er nicht dabei. Deshalb wird er mündlich verwarnt und muss den Führerschein innerhalb einer Woche bei der Polizei vorzeigen. Er nimmt es gelassen. Kai Giertzsch zieht am Ende des Kontrolltags Bilanz: Insgesamt wurden 129 Fahrzeuge und 177 Personen kontrolliert. „Einen großen Treffer konnten wir nicht erzielen, eine aktuelle Tat oder Tataufklärung hatten wir nicht.“ Eine Person sei weiter überprüft worden. Ein Fahrer musste zur Blutprobe, weil er offensichtlich unter dem Einfluss eines Betäubungsmittels stand. Bei einem anderen stellte eine Streife mehrere Tüten Marihuana sicher. Außerdem seien ein paar Verkehrsverstöße beanstandet worden. „Das nennen wir Beifang“, erklärt Giertzsch. Auch wenn das nicht das eigentliche Ziel der Kontrolle gewesen sei, dürften die Polizeibeamten so etwas nicht unbeachtet lassen. „Was würde mein Gewissen sagen, wenn wir ,eben mal nur Einbrecher suchen‘, aber einen Menschen, der unter Alkohol- oder Drogeneinfluss fährt, ignorieren und der zwei Straßen weiter dann jemanden schwer verletzt oder sogar tötet? Dann könnte kein Polizist mehr ruhig schlafen. Und strafbar hätte er sich obendrein gemacht“, sagt Giertzsch.