Rhein-Pfalz Kreis Von „voll muttiviert“ bis voll frustriert

Anderthalb Stunden vor Merkels Eintreffen – kurz vor 17 Uhr – ist der Platz vor dem Ludwigshafener Pfalzbau bereits halb gefüllt. Das Parteivolk in CDU-Shirts und Strohhüten wuselt in dem für gut 500 geladene Gäste abgesperrten Bereich direkt vor der Bühne aufgeregt um die Bierbänke herum. Die Polizei zeigt sichtbare Präsenz. Auch auf dem Dach des fünfstöckigen Gebäudes gegenüber sind zwei Sicherheitsleute postiert, die das Geschehen im Auge behalten. Werbeeinspieler der Union und Musik der Band „Victory 17“ flimmern im Wechsel über eine Großleinwand. Auf einem Podium interpretiert die Formation live Hits von Helene Fischer, Udo Jürgens oder den Rolling Stones – und versucht so, die Leute angesichts der schwülwarmen Temperaturen bei Laune zu halten. Ein Stimmungstest – „jetzt alle mal mitklatschen“ – geht allerdings ziemlich in die Hose. Die Junge Union „bewaffnet“ die CDU-Familie mit schwarz-rot-gelben Kartons, auf denen „voll muttiviert“ steht oder ein Herz mit der Merkel-Raute kombiniert ist. CDU-Oberbürgermeisterkandidat Peter Uebel ist auch schon da und ein bisschen nervös. Das Warm up vor Merkels Auftritt ist sein Part. Der Mediziner spricht von einer Stadt, die viele Aufgaben zu bewältigen hat und daher kluge Entscheidungen benötigt. Später wird die Kanzlerin sich direkt an den 53-Jährigen wenden: „Seien Sie ein guter Vater der Stadt.“ Komplimente verteilt sie an ihre Duz-Freundin, die scheidende Bundestagsabgeordnete Maria Böhmer aus Frankenthal, die erfolgreich für die Finanzierung des Hochstraßenabrisses gekämpft habe. Und an die ebenfalls ihr Amt abgebende Noch-Mutter der Stadt, Parteikollegin Eva Lohse. „Sie wissen gar nicht, was für eine tolle Oberbürgermeisterin Sie haben“, sagt die 63-Jährige an die Adresse aller Ludwigshafener gerichtet – flankiert von der Landesvorsitzenden Julia Klöckner und Bundestagsdirektkandidat Torbjörn Kartes. Für den 38-Jährigen ist es die erste Begegnung mit Merkel. „Absolut spannend“ sei diese Erfahrung gewesen, sagt er hinterher. Und über die Ausstrahlung der Parteichefin: „Unheimlich souverän.“ Auch mit Blick auf eine Gruppe, die die Veranstaltung mit Zwischenrufen und Trillerpfeifen stört. „Merkel wählen = Leichen zählen“ steht auf einigen Plakaten. „Merkel muss weg“ oder „Merkel DDR 2.0 – Nein Danke“ auf anderen. „Damit müssen wir umgehen“ – so habe die Kanzlerin den Protest ihm gegenüber trocken kommentiert, erzählt Kartes durchaus beeindruckt. Den Wunsch, „dass sie mal aus sich rausgeht und sich die Frechheiten des SPD-Kanzlerkandidaten nicht gefallen lässt“, erfüllt Merkel den aus Oggersheim ins Zentrum angereisten CDU-Mitgliedern Klaus und Christa Scheller nicht. Das ältere Ehepaar erlebt einen Politprofi, der sein Programm relativ nüchtern und sachlich abspult. Die Regierungschefin lobt den Einsatz der Millionen Ehrenamtlichen, nennt Europa „unsere Friedensversicherung“, verspricht Steuersenkungen und kritisiert die Mauscheleien in der Automobilindustrie. Einen heiter-emotionalen Moment, der für viel Gelächter sorgt, gibt es dann aber doch noch. Als Merkel die Vielfalt, Tradition und Geschichte der Regionen und die dort heimischen Menschen als „Stärke Deutschlands“ bezeichnet. „Wie die Pfälzer und … (kurze Denkpause) … alle anderen in Rheinland-Pfalz.“