Rhein-Pfalz Kreis Von der Pfalz auf die Rennstrecke

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Wenn im nächsten Jahr die 500 PS starken Boliden der Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) über Rennstrecken brettern, verlassen sich Fahrer und Teams auf Felgen aus Fußgönheim. Das Unternehmen ATS hat den Zuschlag für 2017 und 2018 bekommen. Ausschlaggebend war die Rennsporterfahrung der Firma, ist Motorsport-Abteilungsleiter Marco Trautmann überzeugt.

Die Anforderungen sind äußerst hoch – und widersprüchlich: Zum einen sollen die Räder so leicht wie möglich sein, zum andern müssen sie extreme Belastungen wegstecken. „Die Curbs in den Kurven sind wie Randsteine, und da wird eben auch drübergefahren“, erklärt Trautmann. Er leitet die Abteilung Motorsport- und Schmiederäder, die im Industriegebiet Fußgönheim ansässig ist. Im Motorsport werden ausschließlich aus Aluminium-Legierungen geschmiedete Räder verwendet. Alu-Felgen für den üblichen Gebrauch im Straßenverkehr werden gegossen. Beide Varianten gibt es bei ATS. Hier werden Felgen für Tuner und Markenausstatter hergestellt – und eben die Schmiederäder für den Rennsport. „Der Schmiedevorgang verdichtet und härtet das Material“, erklärt Trautmann. So gewinne man bei gleichem Gewicht eine höhere Belastbarkeit, die den extremen Ansprüchen des Rennsports standhalte. In Fußgönheim kommen die geschmiedeten Rohlinge an, aus denen dann die endgültige Felgenform gefräst und gedreht wird. Die Grundformen der Felgen werden in einem Werk der Unternehmensmutter Uniwheels in Polen gegossen und geschmiedet. In der Produktionshalle in Fußgönheim stehen fünf Fräs- und drei Drehmaschinen. Nebenan ist die Entwicklungsabteilung. „Wir entwerfen alle Modelle selbst, führen die Berechnungen und Belastungssimulationen aus und schreiben die Programme für die Bearbeitung durch unsere computergesteuerten Fräs- und Drehmaschinen“, berichtet Trautmann. Den letzten Schliff bekommen die Räder dann von Hand. Danach wird jedes einzelne Rad auf Material und Bearbeitung geprüft, jeder Schritt mit einem Zahlencode dokumentiert. „Wir können sagen, wer wann welches Rad bearbeitet hat“, erläutert Trautmann. Das sei im Motorsport Pflicht. Wie eine Felge aussieht, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Neben den Anforderungen hinsichtlich der Belastbarkeit sind das beispielsweise Vorgaben zum Gewicht der Felgen. Zu guter Letzt müssen sich die Teams der beteiligten Automobilmarken auf ein Design einigen. Und das sei gar nicht so einfach, sagt Trautmann. Drei Marken nehmen an der DTM teil: Audi, BMW und Mercedes-Benz. „Alle drei haben eigene Designs und Merkmale für ihre Fahrzeuge und wollen keine Felge, die ihrer Designlinie widerspricht“, erklärt Trautmann. Unterm Strich sei es für die Teams aber preiswerter, wenn sich alle auf eine Felge einigten, als wenn jeder Rennstall alleine einkaufe. Dass der DTM-Vertrag bei ATS als eine Art Ritterschlag empfunden wird, merkt man den Vertretern der Firma an. Die Verbindung zum Rennsport habe im Unternehmen Tradition, betont Trautmann. In den 70er- und frühen 80er-Jahren habe ATS sogar ein eigenes Formel-Eins-Team betrieben. Weil ATS den ganzen Produktionsprozess einer Felge in der Hand hat, können die Fußgönheimer auch auf Sonderwünsche eingehen. So baue die Firma auch Prototypen für Tuner oder Markenhersteller, die ein Design in der Praxis erproben wollen. Selbst Kunststoffmodelle habe man schon gefertigt, wenn Entwickler und Entscheider eine Form nicht nur am Computer sehen, sondern zum Anfassen haben wollen. ATS sehe sich als „Edelmanufaktur“, sagt Trautmann. „Hier wird noch viel in die Hand genommen. Dafür brauchen wir sehr qualifizierte Mitarbeiter.“ Derzeit seien 20 Mitarbeiter in zwei Schichten tätig, künftig sollen es 30 und womöglich noch mehr werden. „Wir werden weitere Fachleute in der Zerspanungstechnik brauchen“, sagt Trautmann. Was haben nun die anderen Felgen-Käufer und Endverbraucher vom DTM-Engagement bei ATS? „Wir machen Erfahrungen, wie sich Material und Design unter härtesten Belastungen verhalten“, erklärt Trautmann. So könne man zum Beispiel lernen, wie man Gewicht einspare und dadurch Verbrauch und Emissionen senke.

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