Rhein-Pfalz Kreis Vom schönen „Arschrösel“

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Hochdorf-Assenheim. Die Elsbeere ist die schöne Schwester des Speierlings. Sie ist gesundheitsfördernd und geschichtsträchtig. In Zeiten des Klimawandels ist sie außerdem ein Baum mit Zukunft – ganz im Gegensatz zur nah verwandten Vogelbeere. Den meisten Menschen hierzulande ist die Pflanze allerdings völlig unbekannt, denn sie ist nicht so leicht zu finden. Aber aufgepasst: In Hochdorf-Assenheim gibt es ein paar seltene Exemplare.

In dem beschaulichen Rhein-Pfalz-Kreis-Dorf steht die an sich schon seltene Waldbaumart in Form der noch selteneren Feld-Elsbeeren. Die Bäume stehen auf dem Gelände des TV Hochdorf und haben sich prächtig entwickelt. Elsbeeren zu pflanzen hatte der Arbeitskreis „Historische Obstsorten der Pfalz“ dem Sportverein einst empfohlen. Auch Katharina von Bora, Martin Luthers Frau, war ein Fan der Elsbeere. Und so tauchte die Pflanze erstmals in der Literatur auf – festgehalten in einem Brief Luthers an seinen Freund Johannes Agricola. Dem schrieb er am 20. September 1526, er möge doch bitte Früchte des Baums aus Eisleben (Sachsen-Anhalt) für seine Frau mitbringen, weil sie „wider den weichen Leib“ helfen. Bereits die Römer kannten die Heilwirkung der gerbstoffhaltigen Früchte, die sich durch einen hohen Vitamin-C-Gehalt auszeichnen und gegen Durchfall und Leibschmerzen helfen, wie Plinius der Ältere von getrockneten unreifen Elsbeeren berichtete. Sorbus torminalis heißt der Baum im Lateinischen, „tormina“ bedeutet Bachschmerzen. In Deutschland wird er auch „Ruhrbirne“, auf Pfälzisch „Bauchweh-Eberesche“ genannt. Im 16. Jahrhundert verzeichnen die pfälzischen Ärzte und Botaniker Hieronymus Bock und Jakob Theodor Tabernaemontanus sie in ihren Kräuterbüchern als „Aressel“, „Adlassbeer“, „Eschrösel“, „Wild-Sperwerbaum“ und – ein wenig despektierlich – als „Arschrösel“. Im deutschsprachigen Raum sind zudem „Darmbirne“, „Sauerbiri“, „Frauenbeeri“ und „Schöne Else“ geläufig. Katharina von Bora mochte die Elsbeere aber nicht nur wegen ihrer gesundheitsfördernden Wirkung. Zusammen mit anderen, säurearmen Früchten lässt sich dieses erst nach Frosteinwirkung genießbare Wildobst zu Gelees, Säften, Kompott und Marmeladen verarbeiten. Säuerlich-aromatisch, an Apfelmus erinnernd, schmecken die ledrigen Früchte pur genossen. Sie können auch zu Käse, Müsli, Nudeln oder Schokolade gereicht werden. In geringen Mengen fördert Elsbeermost die Klärung von Obstweinen. Unter „Eau d’Alizer“ wird in Frankreich ein Elsbeerenschnaps angeboten. In Österreich ist „Adlitzbeerwasser“ einer der kostbarsten Edelbrände, der auf den Liter hochgerechnet mit Preisen von 200 bis 300 Euro gehandelt wird. Der als „König der Obstbrände“ gerühmte Schnaps zeichnet sich durch einen einzigartigen Geschmack nach Mandeln und Marzipan aus. Doch nicht nur die Früchte sind begehrt, das Holz der Elsbeere ist es auch: Unter dem Namen „Schweizer Birnbaum“ wird das wertvolle harte, anfangs weißgelbe, später attraktiv dunkelrötlich nachfärbende Holz im Möbel- und Orgelbau zu Spitzenpreisen gehandelt. Es steht auch bei Bildhauern und Drechslern hoch im Kurs. Schmuck kommt zudem das feuerrot gefärbte Herbstlaub daher, das seinesgleichen in der heimischen Flora sucht. Bei den ahornartigen Blättern gleicht keines dem anderen in Form, Größe und Aussehen. Das Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen, das zum rheinland-pfälzischen Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten gehört, betrachtet die Elsbeere als Baum mit Zukunft. Sie gilt als sehr gut geeignet für trockene bis sehr trockene Standorte, denn sie besitzt eine relativ hohe Trockenheitsstresstoleranz. Die Art wird als besonders dürreresistent eingestuft und kann im Sommer Durststrecken von über zwei Monaten überdauern. Dabei hilft der Elsbeere auch die Flaumbehaarung an der Unterseite des Laubs, die allzu hohe Wasserverluste durch Verdunsten verhindert. Ganz anders geht es der verwandten Vogelbeere, der es in der Rheinebene inzwischen zu heiß und zu trocken wird und die im menschlichen Siedlungsraum zusehends an Boden verliert. Die Elsbeere führt derzeit ein Nischendasein, ihr Anbau wird vielfach für Liebhaberei gehalten. Die Einschätzung geht Forstexperten zufolge aber am tatsächlichen Potenzial dieser Baumart vorbei. Anstatt für warm-trockene Standorte nach fremdländischen Exoten zu suchen, sollte man ihrer Meinung nach den Blick zunächst auf die Elsbeere oder andere „heimische Exoten“ richten. Wo uns der Klimawandel künftig Jahresdurchschnittstemperaturen über 11 Grad bescheren soll, sind Baumarten wie die Elsbeere unerlässlich für ein sicheres Portfolio. Bei einer deutschlandweiten, von der Bundesanstalt für Landwirtschaft initiierten Aktion wurden von 2010 bis 2013 gut 80.000 Bäume gezählt, die fast alle im Wald stehen. Nur ein Dutzend frei im Feld stehender Feld-Elsbeeren wurden registriert. Mit den freistehenden Bäumen in Hochdorf-Assenheim sind da jetzt wohl ein paar weitere dazugekommen.

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