Rhein-Pfalz Kreis Vom Kinderbuch bis zum „Spiegel“
Unter Langeweile sollte in Großkarlbach jetzt niemand mehr leiden müssen. Denn seit Samstag gibt es im alten Wiegehäuschen am ehemaligen Bahnhof Bücher zum Ausleihen und Tauschen. Eine Bank vor dem Bücherheisel macht das Ganze auch noch zu einem Treffpunkt zum Plaudern.
Entstanden war die Idee für ein Büchertauschhäuschen innerhalb der Großkarlbacher SPD, weil bei deren Fragebogenaktion im vergangenen Herbst sich viele Bürger dafür ausgesprochen hatten. Finanziell möglich wurde die Renovierung des denkmalgeschützten Häuschens durch Spenden der Familie Litzius und unentgeltliche Arbeit der Firmen Marnet und Eberding. Am Samstag nutzten gut 30 Gäste bei Getränken und Häppchen die Gelegenheit, sich die neue Einrichtung anzuschauen. Der Aufforderung des aus fünf Großkarlbacherinnen bestehenden Bücherteams waren zahlreiche Einwohner gefolgt und hatten ihre Bücherregale durchforstet. „Wir haben so viel Zuspruch bekommen, dass wir den Bestand immer wieder austauschen können“, berichtete am Samstag Nastassja Oberfrank. In seinem Dankeswort an den Gemeinderat, der den SPD-Vorschlag einstimmig unterstützt hatte, erklärte Hans Peter Eckelmann das Konzept und die Idee hinter dem Bücherhäuschen: Nicht mehr benötigte Bücher können dort abgegeben werden, und jeder kann sich unentgeltlich an der Lektüre bedienen und bringt sie einfach wieder zurück. „Hier sind die Kinder vermutlich aus dem Gröbsten raus“, meinte eine Besucherin beim Anblick von Bestellern wie „Jedes Kind kann schlafen lernen“, während sie den Inhalt der vier Regalwände sichtete. Ebenfalls zu schade zum Wegschmeißen fand jemand seine alten Ausgaben des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“. Neben Romanen und Sachbüchern für Erwachsene findet sich im Bücherheisel auch Lesestoff, der sich an den Nachwuchs richtet: Unter einer kleinen Sitzbank warten rund 20 sehr gut erhaltene Kinderbücher auf Abnehmer. Am Eröffnungstag am Samstag hatten die Jungen das Vergnügen, das ihnen Gunda Braun spannende Detektivgeschichten vorlas. Weil das Häuschen am Alten Bahnhof keinen Strom hat, hängt das Schild „Geöffnet“ nur bis zur Dämmerung. Großkarlbachs Erste Beigeordnete Jutta Frischknecht (SPD) hofft auf viel Bewegung im Bücherbestand und auf möglichst viele große und kleine Leseratten, die dem Ganzen Leben einhauchen.