Rhein-Pfalz Kreis
Volles Haus beim Mutterstadter Neujahrsempfang
Volles Haus beim Mutterstadter Neujahrsempfang im Palatinum mit Fasnachtsvorboten und Kabarett. Bürgermeister Hans-Dieter Schneider spricht über Kapriolen, die es überall gibt – nur nicht in seiner Gemeinde. Klar ist: Auch 2020 gibt es viel zu tun. Und der Verwaltungschef hat bald eine neue Rolle.
Es sollte ein gutes Jahr werden, wenn gleich zwei Schornsteinfeger dafür geradestehen. Zuständig beim Mutterstadter Neujahrsempfang waren dafür die Schornsteinfegermeister Michael Fußer und Michael Rutz, die zusammen mit Bürgermeister Hans-Dieter Schneider (SPD), seiner Frau Karin, Inge Wieser von der Gemeindeverwaltung und Marlise Renner vom Palatinum die Gäste begrüßten und jedem persönlich ihre Wünsche für das neue Jahr aussprachen. „Wir steuern auf ein bewegtes Jahr zu“, sagte Schneider dann zu den 800 Menschen im Publikum. Die passenden flotten Rhythmen dazu lieferte die Blaskapelle Mutterstadt mit „Party Rock Anthem“. Viel Schwung war auch in den Beinen der Tänzerinnen der Jugend- und Juniorengarden des MCV Die Geeßtreiwer, als sie über die Bühne wirbelten. Die jüngsten Hopser zwischen drei und sieben Jahren begeisterten durch eine spontane Choreografie.
„Das war ganz stark im Improvisieren“, kommentierte Schneider die Showeinlage der Kleinsten und ließ auch noch die Sternsinger mit ihrer Friedensbotschaft „Frieden im Libanon und weltweit“ zu Wort kommen, bevor er zum zweiten Mal mit seiner Neujahrsrede ansetzte und damit selbst Improvisationstalent bewies. Lächelnd gab er zu, nicht aufs Programm geschaut zu haben. 2019 sei voller Kapriolen in allen Lebensbereichen gewesen, sagte er und nannte als Beispiele die Wetterextreme, den weltweiten Terror, den Brexit, die Handelskriege, das Hochstraßendesaster in Ludwigshafen und die politischen Überraschungen.
Reges Treiben in der Gemeinde
In Mutterstadt dagegen habe es kaum Kapriolen gegeben, dafür aber reges Treiben. So sei die Gewerbegebietserweiterung abgeschlossen und alle Flächen verkauft worden. Der Fahrstuhl im Haus der Vereine sei fertig gestellt, genauso der Ausbau des Rathausvorplatzes pünktlich zur Kerwe. Der Südspangenausbau sei weiter fortgesetzt und der Wettbewerb für den Anbau der Pestalozzischule und den Kita-Neubau ausgeschrieben worden. Das Historische Rathaus erstrahle im neuen Glanz und die Arbeiten für den neuen Bauhof im Gewerbegebiet haben begonnen. Außerdem sei Mutterstadt Fair-Trade-Gemeinde geworden.
Im Fokus für 2020 stehe nun die Sanierung der Neuen Pforte, der Umzug des Bauhofes im vierten Quartal, die Schulsanierung, die Anschaffung zweier neuer Fahrzeuge für die Freiwillige Feuerwehr sowie die Planung eines neuen Baugebietes im Südwesten. Insgesamt sei ein Investitionsvolumen von über zwölf Millionen Euro vorgesehen. „Sie sehen also, es gibt auch im neuen Jahr viel zu tun“, schloss er seine Ansprache, in der er auch die sportlichen und kulturellen Höhepunkte nicht unerwähnt ließ.
Schlüssel und Säckel ist Schneider los
Dann jedoch wurde die Herrschaft über die 13.758 Einwohner zählende Gemeinde mitsamt Schlüssel und Geldsäckel an die Geeßtreiwer übergeben, die in diesem Jahr mit ihrem 44. Geburtstag ein närrisches Jubiläum feiern. Im Gegenzug erhielt Schneider die Amtskette und noch zwei Aufgaben für die Kampagne. Zur Geeßesitzung am 8. Februar muss er eine Büttenrede als Losverkäufer halten und die entsprechenden Lose auch verkaufen. Den Neujahresvorsatz von MCV-Präsident Norbert Herold, mehr Sport „gucke“ statt treiben zu wollen, konnte Schneider nur belächeln. „Andere, in Bewegung bringen und dann selbst auf der Couch Sport gucken“, kritisierte er die unfaire Behandlung humorvoll.
Humorvolle Einlage von Kabarettist Markus Weber
„Lachen ist die beste Medizin“ lautete auch das oberste Prinzip beim Gast-Auftritt des Kabarettisten Markus Weber. „Ich bin net vun do“, outete sich der Weinheimer Apotheker und bezeichnete sich als „Pälzer Ossi“. Es folgte ein flammendes Plädoyer, warum die (Kur-)Pfalz vereint und nicht durch den Rhein getrennt sein sollte, sei der Fluss doch schließlich das, „was uns hiwwe und driwwe verbindet“. Es ginge gar nicht an, dass im Odenwald nur zwischen Weiß- und Rotwein unterschieden würde – und zum Glück passten in ein Schoppenglas zwei ganze Viertel. Folgerichtig sei das „www“ in der Pfalz ein Synonym für Weck, Worscht und Woi. Das Publikum lernte, dass es den Pfälzer „Dativus possessivus“ schon bei den Römern gab, dass Kartoffelsupp’ und Quetschekuchen die hiesige Erklärung der Hegelschen Dialektik sind und Dampfnudeln dreimal kreischen müssen, bis sie gut sind. Und sie lernten, was ein „Ims“ ist: Ein Essensrest nämlich, der zu viel ist zum Wegschmeißen – aber zu wenig, um davon satt zu werden.