Fußgönheim
Viele Formen und Farben beim österlichen Kunsthandwerkermarkt
Die ersten Besucher warten bereits, als der Fußgönheimer Ostermarkt am Samstag seine Tore öffnet. Unter ihnen sind Stammkunden und echte Kenner, die sich die besten Stücke sichern wollten. „Am Anfang ist noch alles da“, erklärt Andreas Sprinzl, Vorsitzender des Heimat- und Kulturkreises Fußgönheim. Zum 45. österlichen Kunsthandwerkermarkt in der historischen Schlossscheune endlich alles wieder wie früher – ohne Corona-Einschränkungen.
„Das Leben ist wieder da“, freut sich Sprinzl über die gut gefüllten Räume. Und auch die Lücken, die noch im vergangenen Jahr zwischen den Ständen frei gelassen worden waren, sind geschlossen. Umso größer ist die Auswahl an Osterdekorationen, Genähtem, Floristik und vor allem kunstvoll gefertigten Eiern.
Für Sammler ist der Fußgönheimer Markt ein wahres El Dorado. Denn die Vielfalt an kunsthandwerklichen Techniken, die hier präsentiert werden, ist jedes Jahr aufs Neue beeindruckend. Zumal die Zusammenstellung der Aussteller immer wieder eine andere ist. Ingeborg Gärtner-Grein etwa war schon seit gut acht Jahren nicht mehr in Fußgönheim dabei und ist so für viele Besucher ein neues Gesicht. Die Künstlerin aus Bürstadt (Kreis Bergstraße) nutzt den Markt in erster Linie, um ihre Werke zu zeigen. Nur ein Teil ihrer Exponate ist mit einem Preisschild versehen. „Es ist fast alles etwas, wo mein Herz dran hängt“, erklärt sie.
Ihre Eierpüppchen zum Beispiel seien unbezahlbar, weil so viel Arbeit und Liebe darin steckten. Dass die Püppchen tatsächlich ein Ei als Basis für den Kopf haben, ist ihnen auf den ersten Blick nicht anzusehen. Mit Modelliermasse hat die Bürstadterin den Figuren filigrane Gesichter gefertigt. Damit die Kunden dennoch eins dieser Unikate mitnehmen können, hat Ingeborg Gärtner-Grein auch auf Eier gemalte Köpfe und Tierchen dabei sowie Straußeneier, die sie als Leinwand für ihre Miniaturgemälde benutzt hat.
Malerei auf dem Ei präsentieren viele der rund 30 Aussteller am ersten Ostermarkt-Wochenende. Doch die Bandbreite der Motive sowie der verwendeten Farben und Techniken garantiert dafür, dass sich die Besucher nicht sattsehen können. Mal sind es faszinierende Landschaften, mal blicken ihnen Vögel oder Häschen entgegen. Es gibt abstrakt bemalte Stücke ebenso wie Eier mit Sprüchen oder Liedern samt Noten.
Sogar Spruchbandeier, die nur noch wenige Menschen anfertigen, sind in der Schlossscheune zu finden. Erika Kanzler aus Neustadt beherrscht diese Technik und gibt ihr Wissen bereitwillig preis. „Durch den Schlitz“, antwortet sie auf die Frage, wie das Band in das seitlich eingeschnittene Ei kommt, und zeigt gleich, wie es ihr gelingt, den Papierstreifen einzufädeln und dann aufzurollen.
Dass in Fußgönheim Kunsthandwerk gezeigt und keine Massenware verkauft wird, ist ein Markenzeichen des Markts. Und so staunen die Besucher oft, mit welchem Geschick winzigste Verzierungen auf so ein zerbrechliches Material wie eine Eierschale aufgebracht wurden. Manche Exemplare sind mit kleinen Lochmustern versehen, andere haben eine Stoffhülle mit Stickereien. Und bunte Muster aus unzähligen Perlchen machen aus vormals unscheinbaren Eiern wahre Hingucker.
Aber auch andere Materialien gehören zum Angebot. Antje und Peter Böhm-Casper sind eigens aus Thüringen angereist, um ihre farbenfrohe Glaskunst zu präsentieren. Für sie war Fußgönheim der letzte Markt vor Corona, und nun ist es auch der erste danach. „Es war sehr emotional für uns, die Aussteller wiederzutreffen und das Marktfeeling wieder zu genießen“, berichtet Antje Böhm-Casper. „Wir sind gerne hier“, sagt sie über die Veranstaltung des Heimat- und Kulturkreises. „Es ist ein angenehmes Publikum. Und unsere Sachen werden anerkannt.“
Das bestätigt auch Elke Mayer, die regelmäßig in Fußgönheim dabei ist. „Ich fühle mich hier wahnsinnig wohl“, sagt die Mannheimerin. Ihre bemalten Holzfiguren sind bei Stammkunden so beliebt, dass sie schon vorab Bestellungen erhält. „Ich habe auch immer etwas für den kleinen Geldbeutel dabei“, meint sie.
Bei aller Freude macht sich auch ein wenig Wehmut breit. Denn nach 24 Jahren kündigt Organisatorin Marie-Luise Bingemann ihren Rückzug an. Die Entscheidung sei beim Weihnachtsmarkt ganz spontan gefallen, verrät sie. Und sie bereue den Schritt nicht, auch wenn die Aussteller zu einer Art Zweitfamilie geworden und viele Freundschaften entstanden seien. „Frischer Wind tut ganz gut“, ist sie überzeugt. Und ein neues Team um Uwe Seifert steht auch bereits in den Startlöchern.
Termin
Der österliche Kunsthandwerkermarkt des Heimat- und Kulturkreises in der Schlossscheune Fußgönheim, Hauptstraße 64a, sowie die Museen öffnen mit überwiegend neuen Ausstellern noch einmal am 4. März, 10 bis 18 Uhr, sowie am 5. März, 11 bis 18 Uhr. Erwachsene zahlen 2,50 Euro Eintritt.