Rhein-Pfalz Kreis Viel Vertrauen für Veth

Stefan Veth hat gut lachen, er hat sein Ziel erreicht: Er wollte die 70-Prozent-Marke knacken und hat’s geschafft.
Stefan Veth hat gut lachen, er hat sein Ziel erreicht: Er wollte die 70-Prozent-Marke knacken und hat’s geschafft.

«Dannstadt-Schauernheim.» So aufregend wie vor siebeneinhalb Jahren ist es nicht. Das liegt in der Natur der Sache: Ein einziger Bürgermeisterkandidat reißt jetzt nicht allzu viele Leute vom Sofa. Im Rathaus der Verbandsgemeinde geht es ruhig zu. „Die meisten werden zu Hause vor den Fernsehern sitzen. Sie wollen die Kommentare zur Bundestagswahl hören. Wie es hier ausgeht, ist ja fast klar“, sagt Stefan Veth. Es ist kurz nach 19 Uhr und der Bürgermeister, der Bürgermeister bleiben will, wirkt recht entspannt. Gar nicht aufgereget? Kopfschütteln. Ein winziges bisschen wenigstens? „Ich kann ja mal den Puls messen“, meint Veth und lacht. Zeige- und Mittelfinger ans Handgelenk. Ruhe bitte. Der Rathauschef zählt. „Vier mal 22 macht 88 – gut, ein bisschen höher ist er schon.“ Über die Leinwand laufen zu diesem Zeitpunkt Ergebnisse zur Bundestagswahl ein – die ersten Wahlbezirke in der Verbandsgemeinde sind ausgezählt. In Schauernheim Süd kommt die AfD auf 17,5 Prozent. Kopfschütteln in der kleinen Gruppe, die da ist, um mit Veth auf das Ergebnis der Bürgermeisterwahl zu warten. Zehn Minuten später kündigt Büroleiter Markus Lehmann dann das erste Ergebnis in dieser Sache an – Hochdorf 1 hat ausgezählt: 78,8 Prozent sagen Ja zu Veth, 21,2 Nein. „Na, das fängt doch gut an.“ Stefan Veth freut sich. So kann es bleiben, findet der 52-Jährige. Ein zweiter und ein dritter Bezirk folgen. Die Ja-Stimmen bleiben bei rund 70 Prozent. Dann stockt es in Sachen Bürgermeisterwahl. Die Bundestagswahl muss eben zuerst ausgezählt werden. Also abwarten und Tee trinken. Oder eine Zigarette rauchen. Veth geht vors Rathaus. Im März 2010 sah es im Foyer desselben ganz anders aus. Es war voller Menschen. Drei Kandidaten haben um das Amt gekämpft. „Das war natürlich spannender. Und ich war viel aufgeregter“, erzählt Veth, der damals gegen Gert Buchheit (SPD) und Marc Hauck (FDP) kämpfte. Keiner der drei schaffte es in der ersten Runde. Für Veth und Buchheit ging es in die Stichwahl. Veth holte 53,7 Prozent und gewann. „Heute will ich über 70 Prozent Zustimmung.“ Die Zigarette ist ausgeraucht. Um 19.40 Uhr wird Veth zum ersten Mal gratuliert. Vorläufig. So wie das Ergebnis eben ist. Aber die Frau will heim. Die kleine Gruppe um den Kandidaten wird noch kleiner. Aber die Ortsbürgermeister Karl Arnold (parteilos) und Gabriele Böhle (CDU) halten die Stellung. Und Veths Ehefrau Anke und Tochter Victoria. Und dann kommt tatsächlich noch so etwas wie Betriebsamkeit auf: Die ersten „Kuriere“ bringen die Wahlunterlagen aus den Wahllokalen. Nacheinander schließen sie sich mit Markus Lehmann ein: Der prüft, ob alles da und ordnungsgemäß verpackt ist. Dann gibt es von ihm eine Unterschrift. „Wo hängt’s?“, ruft er gegen 20 Uhr, als er den Wahlunterlagen-Sicherheitstrakt verlässt und einen Blick auf die Leinwand wirft. So richtig voran geht es gerade nicht. Es wird schon gefrotzelt, dass Ludwigshafen seine OB-Wahl schneller auszählt ... Es hängt am Ende an den Dannstadt-Schauernheimer Briefwahlbezirken A und B. Zeit noch ein wenig zu plaudern. Etwa mit Uwe Schölles. Der SPD-Fraktionsvorsitzende im Verbandsgemeinderat gehört zu der Gruppe Ehrenamtlicher, die heute fleißig Stimmzettel ausgewertet hat. Eine Bürgermeisterwahl ohne SPD-Mann ist nicht so der Knaller, oder? „Och, nicht so richtig“, sagt Schölles, lacht aber. Ernst fügt er hinzu: „Allen Unkenrufen zum Trotz hätten wir einen Kandidaten gehabt, wäre die Wahl später gewesen.“ Ein Mann von außerhalb hätte für die Sozialdemokraten antreten sollen. „Aber der hat uns gleich abgesagt, als er hörte, dass die Wahl vorverlegt wird. Weil die Zeit ihm nicht reiche, um sich bekannt zu machen.“ Normalerweise werden hauptamtliche Bürgermeister in Rheinland-Pfalz alle acht Jahre gewählt. Die Dannstadt-Schauernheimer mussten dieses Mal ein halbes Jahr früher an die Urne. Die Aufsichtsbehörden wollten es so, um Synergieeffekte mit der Bundestagswahl zu schaffen. Und in einem Punkt hat das sicher geklappt. Als um 20.45 Uhr das Ergebnis für die Bürgermeisterwahl feststeht, zeigt sich nicht nur, dass Veth es geschafft hat, sondern auch, dass die Wahlbeteiligung mit 75,8 Prozent ordentlich ist – für eine Bürgermeisterwahl mit einem Kandidaten. „70,9 Prozent ist für mich ein tolles Ergebnis. Es zeigt mir, dass fast drei Viertel der Wähler hinter mir stehen.“ Veth strahlt. Und bevor es zum Feiern in die Gaststätte „Zur Pfalz“ geht, werden schnell noch Handy-Fotos geschossen – den beachtlichen Ja-Balken auf der Leinwand im Hintergrund.

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