Rhein-Pfalz Kreis Versteinerter Fischkot
In der neuen Sonderausstellung des Pfalzmuseums für Naturkunde in Bad Dürkheim geht es um die Ausscheidungen von Mensch und Tier. Etwa 50.000 Euro hat das Museum in die Schau investiert, die Macher hoffen auf 20.000 Besucher. Diese erwarten auf etwa 220 Quadratmetern Geschichten und mitunter skurrile Fakten rund um das Alltäglichste der Welt.
Nein, peinlich sind Frank Wieland, dem Direktor des Pfalzmuseums für Naturkunde, Titel und Thema seiner neuen Sonderausstellung nicht. Auch wenn „Alles Scheiße“ ebenso derb wie anrüchig klingt, beschreibt der Zoologe die Hintergründe der neuen Schau mit der für einen Naturwissenschaftler charakteristischen Unaufgeregtheit: „Wir wissen schon, dass es ein Tabuwort ist. Andererseits ist es auch ein Thema, das uns tagtäglich beschäftigt, auch wenn es vielen Leuten nicht bewusst ist.“ Auf die Idee für die Schau hat die Macher eine Besucherin des Geoskop-Umweltmuseums auf der Burg Lichtenberg bei Kusel gebracht, einer Außenstelle des Naturkundemuseums. Die Frau habe sich nämlich daran gestoßen, dass auf einer Steinplatte außer Haien und Fischen auch der versteinerte Kot der Tiere zu sehen war, erzählt Wieland. Dabei liefern die Ausscheidungen längst gestorbener Tiere den Paläontologen wichtige Hinweise auf deren Lebenswelt vor Millionen von Jahren. Das veranschaulichen Wieland und Museumspädagogin Birte Schönborn ausgerechnet am Beispiel von versteinertem Fischkot, der in der Grube Messel bei Darmstadt entdeckt wurde, und der in der Ausstellung zu sehen ist: In diesem fanden die Forscher die Mundwerkzeuge von Büschelmücken – bis dahin war noch gar nicht bekannt, dass die Insekten vor 47 Millionen Jahren überhaupt in dieser Region gelebt hatten. Es sind Geschichten wie diese, die die Macher dazu bewogen haben, dem Thema Kot eine ganze Ausstellung zu widmen. „Wir hätten auch locker eine Fläche von 1000 Quadratmeter mit dem Thema füllen können, leider haben wir aber nur 220 zur Verfügung“, erzählt Wieland. Etwa 50.000 Euro hat die Schau gekostet, schätzt Museumspädagogin Schönborn. Die entscheidende Phase der Vorbereitung habe etwa ein halbes Jahr gedauert. Empfangen werden die Besucher mit den Themenkomplexen Verdauung und Verdauungssysteme beim Menschen und bei verschiedenen Tierarten. „Viele Leute denken, dass Kot der Teil unserer Nahrung ist, den wir nicht verdauen. Aber das stimmt nicht“, sagt Schönborn. Er bestehe vielmehr zu 75 Prozent aus Wasser, der Rest entfalle zu gleichen Anteilen auf Ballaststoffe, Darmwandzellen und Mikroorganismen. Mithilfe unterschiedlich langer Seile können die Besucher der Ausstellung etwa die Darmlänge von Wolf und Schäferhund vergleichen. Ergebnis: Der Darm eines Wolfs ist länger als der seines domestizierten Verwandten. Forscher führen das auf unterschiedliche Ernährungsgewohnheiten der beiden zurück. Bei Katzen sei es allerdings genau umgekehrt, berichtet Schönborn: Der Verdauungstrakt der Hauskatze ist länger als der der Wildkatze. „Warum das so ist, ist noch nicht geklärt“, sagt Wieland. Überhaupt liegt das Spannende der Schau im Detail: Der Besucher kann beispielsweise einen Blick auf die Magensteine von Hühnern werfen, die die Tiere eigens aufpicken, um die Verdauung ihrer Nahrung zu fördern. In den beiden Themenblöcken zur Nutzung von Kot durch Pflanze, Tier und Mensch erfährt der Besucher den einen oder anderen skurrilen Fakt. Etwa, dass einer der teuersten Kaffees der Welt, der sogenannte Katzenkaffee, aus den Ausscheidungen indonesischer Schleichkatzen gemacht wird. Oder dass Störche im Sommer ihre Beine mithilfe ihres Kots nicht nur vor der Sonneneinstrahlung schützen, sondern diese auch kühlen. Auch in Medizin und Forschung spielt die Analyse der Exkremente eine wichtige Rolle. Etwa wenn es darum geht, Krankheiten zu diagnostizieren und zu behandeln, oder die Population scheuer Tierarten wie Wolf, Luchs oder Wildkatze zu erfassen. Termin Die Schau über Ausscheidungen ist bis 23. Juni 2019 zu den Öffnungszeiten des Pfalzmuseums für Naturkunde in Bad Dürkheim zu sehen.