Böhl-Iggelheim
Verein feiert neun Jahrzehnte Kaninchenzucht
Als der Kaninchenzuchtverein Böhl 1935 gegründet wurde, lag der Schwerpunkt der Kleintierzucht noch klar auf dem Nutzwert der Tiere. Gezüchtet wurden Rassen, die Fleisch brachten und deren Felle man gut verwerten konnte. Unterlagen aus den Anfangsjahren gibt es nicht mehr, doch in einer älteren Vereinschronik heißt es, dass der Verein zwischen 1935 und 1945 teilweise rund 60 Mitglieder hatte.
Der Zweite Weltkrieg und die Nachkriegsjahre brachten das Vereinsleben vorerst zum Erliegen. Erst im Jahr 1960 wurden die Kaninchenzüchter in Böhl wieder aktiv. 1962 meldeten sie sich beim Kreis- und Landesverband an und nannten sich von da an „Kaninchenzucht-Verein P94 Böhl 1935“. „Das P steht für Pfalz“, erklärt der heutige Vorsitzende Stefan Stahl. Die Nummer verrät, dass Böhl der 94. Verein war, der sich beim Landesverband angemeldet hat.
„Früher hatte so ziemlich jedes Dorf einen Kaninchenzuchtverein“, erinnert Stahl. Doch viele Vereine haben sich inzwischen aufgelöst. In Böhl sind derweil bei insgesamt 36 Mitgliedern nach wie vor acht aktive Züchter vertreten. Darunter auch der 17-jährige Noah Pitsch, der durch seinen Vater Stefan Stahl schon früh mit diesem Hobby in Kontakt kam und sich seine Begeisterung bis heute bewahrt hat.
Vereinsheim in Eigenregie gebaut
Der älteste aktive Züchter ist Richard Knopf, der 1971 in den Verein eintrat und heute die Ämter des Zuchtwarts und Tätowiermeisters ausübt. „Mein erstes Kaninchen hatte ich 1949“, erinnert sich der 80-Jährige. Dies sei allerdings kein Rassekaninchen, sondern zum Essen gedacht gewesen, sagt Knopf. Eine Verbindung zu den Tieren hatte er aber offenbar schon damals, denn ein altes Foto aus jener Zeit zeigt ihn, wie er das Kaninchen liebevoll im Arm hält.
In den 1970er-Jahren habe der Verein knapp ein Dutzend aktive Züchter gehabt, berichtet Stefan Stahl. Hinzu kamen vier bis fünf Jugendliche, die sich ebenfalls engagierten. Genug helfende Hände also, als 1976 in Eigenregie das Vereinsheim am Pfaffenpfad gebaut wurde. „Das Gelände haben wir gepachtet“, sagt Richard Knopf. Seither finden alle Ausstellungen im und um das Vereinsheim statt.
Ausgestellt werden ausschließlich die Tiere aktiver Züchter aus Böhl und anderen Vereinen. „Es gibt drei Haltungsformen“, erklärt Stefan Stahl. Die erste sei die gewerbliche Haltung. Zwar nicht in Böhl, doch andernorts gebe es noch Züchter, die ihre Kaninchen als Nutztiere hielten und schlachteten, sagt Stahl. Und Richard Knopf ergänzt: „Sie werden der Küche zugeführt, heißt das dann.“ Die aktiven Züchter in Böhl seien jedoch alle Rassekaninchenzüchter, die sich an züchterische Richtlinien und Vorgaben zum Tierschutz hielten, führt Stahl weiter aus. Die dritte Gruppe bilden die Hobbytierhalter. Auch von ihnen sind einige Mitglied im Böhler Verein, sie stellen ihre Tiere jedoch nicht aus.
Marinka Zehfuß etwa trat vor rund zwei Jahren bei. Sie hat vier Zwergwidder und zwei Löwenköpfchen, die bei ihr in einer großen Voliere leben. „Ich habe mein Leben lang schon Kaninchen“, sagt sie. Züchterische Ambitionen hat sie nicht. „Ich bin schlecht beim Abgeben“, nennt sie den Grund dafür. Sie baue eine Bindung zu den Tieren auf. Auch den Züchtern gehe es manchmal so, gibt Stefan Stahl zu. „Wir haben auch besondere Lieblinge“, sagt er. „Mein Ältestes ist knapp zehn Jahre alt.“ Richard Knopf bestätigt, dass man zu manchen Tieren eine Bindung aufbaue, wenn es gelinge, sie zahm zu bekommen. Und auf die Frage, was ihn an seinem Hobby fasziniert, antwortet der 80-Jährige, ohne zu überlegen: „Es ist die Liebe zum Tier.“
Kein günstiges Hobby mehr
Und dafür investieren die Züchter nicht nur eine Menge Zeit, sondern auch viel Geld. Denn so günstig wie früher ist die Kaninchenzucht längst nicht mehr. Futter ist teurer geworden. „Und die Tierarztkosten sind inzwischen immens hoch“, sagt Zuchtwart Knopf. Hinzu kommen die Kosten für Stallungen und Streu. Für Stahl ist dies mit ein Grund, warum immer weniger Kinder und Jugendliche dieses Hobby wählen. „Für ein Kind ist das ohne die Eltern heute praktisch unmöglich“, sagt der 57-Jährige, der betont, dass der Verein sich über neue Mitglieder freuen würde.
Gerade junge Tierfans spricht Kanin Hop an – eine Art Agility-Sport für Kaninchen, bei dem diese über Hindernisse springen. Wie das geht, wird bei der Ausstellung des Kaninchenzuchtvereins P94 am Wochenende zu sehen sein. Wenn das Wetter es zulässt, zeigen die Mitglieder der Kanin-Hop-Gruppe Lachen-Speyerdorf am Sonntag, was ihre Tiere können.
Die Böhler Züchter präsentieren am Samstag rund 40 Rassekaninchen. Zur Tischbewertung kommen außerdem rund 80 Kaninchen aus dem Kreisverband. Prämiert werden am Nachmittag unter anderem der beste Rammler und die beste Häsin. Letztere darf sich über einen Beinamen freuen. Sie wird „Miss Böhl“.
Noch Fragen?
Kaninchenausstellung mit Jungtierschau des Kaninchenzuchtvereins P94 Böhl, Am Pfaffenpfad in Böhl, am Samstag, 23. August, 9.30 bis 18 Uhr. Am Sonntag, 24. August, ab 10 Uhr Frühschoppen und anschließend Kanin-Hop-Vorstellung. Die Veranstaltung endet um 18 Uhr.
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