Rhein-Pfalz Kreis Verblasste Schilder, Einbahnstraßen und hohe Bordsteine

Mutterstadt. Die „Redaktion vor Ort“ in Mutterstadt hat Christoph Görtz genutzt, um ein für ihn wichtiges Thema anzusprechen. Der begeisterte Radfahrer aus Mutterstadt ist unzufrieden, was den Zustand und die Beschilderung der Radwege in und um seinen Wohnort angeht. Die Gemeinde ist sich der Probleme bewusst und will sie angehen.
Mit seinem Tourenfahrrad ist Christoph Görtz, 65 Jahre alt und pensioniert, viel in Mutterstadt und Umgebung unterwegs. Doch zufrieden ist er nicht. „Bei meinen Touren fallen mir immer mangelhaft ausgeschilderte Radwege und für Fahrradfahrer gefährliche Stellen auf“, erzählt er. Auch der Ratgeber mit dem Titel „Mit dem Fahrrad durch Mutterstadt“ von 2009, den man auf der Homepage der Lokalen Agenda 21 herunterladen kann, zeige viele Probleme, aber wenig Lösungen auf. Ziel der Lokalen Agenda 21 sind Konzepte für mehr Nachhaltigkeit. Ein großes Problem sei, dass es keine Durchfahrt durch Mutterstadt gebe, die für Fahrradfahrer ausgeschildert ist, sagt Görtz. Im Ratgeber etwa sei vermerkt, dass die Neustadter Straße ab der Bushaltestelle ortseinwärts blau markiert als „nicht zum Fahrradfahren geeignete Straße“ ausgewiesen ist. „Das kann ich bestätigen“, sagt Görtz, „auf der Straße gibt es stets viel Verkehr. Wie man mit dem Fahrrad durch den Ort kommt, ist vor allem für Leute, die nicht aus Mutterstadt sind, unverständlich.“ Ortsauswärts sei in Grün Fahrradweg eingezeichnet. Dieser Radweg sei 2015 allerdings verkürzt worden. Am ersten Haus am Ortsrand stehe jetzt ein Schild „Radweg Ende“. Gemeinden wie etwa Meckenheim hätten grüne Pfeile anbringen lassen, die Fahrradfahrer durch den Ort lotsen würden. Ärgerlich sei auch, wenn Nebenstraßen als Einbahnstraße deklariert seien, ohne sie für Radfahrer gegen die Einbahnstraßenrichtung offen zu lassen, so der Senior. Als Beispiele nannte Görtz die Friedhofstraße und die relativ breite Friedrich-Ebert-Straße, an die kein Schild „Fahrradfahrer frei“ angebracht sei. Kurioserweise sei die in der Nähe verlaufende sehr schmale Robert-Blum-Straße für Radfahrer gegen die dortige Einbahnrichtung frei. Befremdlich wäre auch die Kennzeichnung „gesperrt für Fahrzeuge aller Art“ in der breiten Durchfahrt von der Gartenstraße zur Robert-Koch-Straße in Mutterstadt. Wünschenswert seien Wege für Radfahrer und Fußgänger. Auch was die Verbindungen zwischen Mutterstadt und Nachbargemeinden angeht, ist Görtz unzufrieden. Zwar sei es erfreulich, dass es einen neuen, beleuchteten Radweg gebe, der Mutterstadt und Limburgerhof verbinde. Dieser sei aber nicht durch ein Hinweisschild wie zum Beispiel „Limburgerhof-Bahnhof“ ausgewiesen. Er treffe immer wieder auf Radfahrer von auswärts, die beispielsweise nicht wüssten, wie sie von Mutterstadt an den Bahnhof in Limburgerhof kämen. Auch fehlten aktuelle, UV-beständige Hinweisschilder unter anderem in Richtung Schifferstadt und Speyer, Oggersheim oder Worms. Es gebe seines Wissens nach nur ein verblasstes Schild in Richtung Ludwigshafen. Auch die Beschilderung nach Fußgönheim sei unzureichend. Auf Radweg-Karten und in der Ausarbeitung der Lokalen Agenda sei ein Radweg nach Fußgönheim eingezeichnet. In der Gemeinde selbst und in den Feldern stünden zwar entsprechende Schilder, diese seien aber zum Teil verdreht und verblasst. Der neue Ersatzweg von Mutterstadt, die verlängerte Fußgönheimer Straße, sei nur für landwirtschaftlichen Verkehr freigegeben. „Mutterstadt ist meinem Eindruck nach zudem die einzige Gemeinde im Umland, in der die landwirtschaftlichen Wirtschaftswege nicht für Radfahrer frei sind“, sagt Görtz. Ärgerlich sei auch, dass die Kennzeichnung der Unterführung der L524 von „Rad- und Fußweg“ in „Fußweg“ umgeändert worden sei. Dennoch werde die Unterführung von vielen Radfahrern benutzt. Zudem sei der Rad- und Fußweg der L530 über die B9 nach Maudach schmal und holprig. Die hohen Bordsteinkanten seien ein Problem. „Und wann wird der Radweg nach Maudach saniert?“, fragt Görtz. Dann spricht er „seiner“ Gemeinde doch ein Lob aus: Vorbildlich sei der Radweg von Mutterstadt nach Schifferstadt auf der Brücke L524 über die Umgehungsstraße L532 dank Leitplanken zwischen Radweg und Fahrbahn. In Mutterstadt ist man sich der Problematik bewusst. „Überörtliche Radwege müssten auf Vordermann gebracht werden“, gibt Werner Klein zu, Leiter der Bauverwaltung. Die in „grauer Zeit“ angebrachten Schilder seien inzwischen verblasst. Auch müsse man sich Gedanken machen, wie Radfahrer durch Mutterstadt gelotst werden. „Wir werden das in den nächsten zwei bis drei Jahren angehen“, verspricht er. Man werde sich dann mit dem Ordnungsamt, Gremien und der Lokalen Agenda 21 zusammensetzen. Zurzeit sei die Gemeinde allerdings noch mit anderen Themen beschäftigt. Immerhin: Die Schilder, die die Friedrich-Ebert-Straße auch als Durchgang für Fahrradfahrer ausweisen würden, seien schon bestellt.