Rhein-Pfalz Kreis Ups, vertan oder: Karli ist ein Mädchen

Placeholder-Image

Ludwigshafen/Windhoek. Es wird Frühling in Namibia. Und es ziehen wieder mehr Reiselustige durchs Land. Wer Rooiklip kennt, legt dort auf jeden Fall einen Stopp ein. Hannelore Neuffer sitzt also mit Gästen draußen beim Frühstück, als das Telefon klingelt. Die drahtlose Verbindung wackelt. „In einer halben Stunde bin ich wieder da“, ist von der Farmchefin durchs Rauschen zu vernehmen. Und dass sie ins Haus eilen will.

So, jetzt bin ich am Schnurtelefon. Bist du noch da? Ah ja. Ich höre dich gut. Ich habe meine Gäste schon vorgewarnt, dass gleich das Telefon klingeln wird und ich zum Interview muss. Draußen in der Lapa ... Habe ich eigentlich jemals erklärt, was eine Lapa ist? Es ist in Afrika eine Art Versammlungshaus, ein meist offener reetgedeckter Bereich, von dem man aus über die Landschaft schaut. ... da also sitzen gerade vier Leute aus Lübeck. Eltern mit ihren Töchtern. Eines der Mädchen, Henrike, hat bei uns vor zwei Jahren Praktikum gemacht. Sie hatte den Wunsch, ihrer Familie Rooiklip zu zeigen. Und jetzt haben wir fast den Vater soweit, dass er bleiben und uns helfen will – beim Mauern, Schrauben und Gehegebauen. Mal gucken, ob er gleich ins Auto steigt. Die vier wollen eigentlich abreisen ... (Lore lacht) Was gibt es noch zu erzählen? Der August ist ein Monat, in dem wir merken, dass wieder mehr Urlauber unterwegs sind. Es geht auf den Frühling zu. Der August entspricht dem März in Europa. Dieses Jahr ist es allerdings schon ungewöhnlich heiß. Wir haben tagsüber beinahe 30 Grad. Und in Deutschland zeigt sich der August herbstlich, habe ich gehört. Es ist, als hätten sich die Jahreszeiten um den ganzen Erdball herum nach vorne verschoben. Irgendwie verbindet das ja auch. Ein kleiner Trost für die Trennungen. Abschiede haben wir hier ja immer wieder. Gerade haben wir Michelle, unsere Praktikantin aus Mutterstadt, in den Flieger gesetzt. Großer Abschiedsschmerz am Flughafen. Nachdem wir alle Problemphasen des Eingewöhnens gut durchstanden hatten, sind wir ein gutes Team geworden. Ich denke, das ist auch in meinen Erzählungen deutlich geworden. Auch unsere vier neuen Hütehunde, von denen ich letztes Mal berichtet hatte, mussten sich erst daran gewöhnen, dass Michelle nicht mehr da ist und sie morgens abholt. Das sind vielleicht ein paar Feger. Wir lassen sie nachts noch bei uns im Farmhaus. Frans befürchtet nämlich, die vier Kerle denken draußen im Kraal noch zu viel an Unfug. Wir waren diesen Monat nicht nur in Windhoek – Michelle wegbringen und einkaufen –, sondern auch in Swakopmund. Das war überhaupt kein schöner Ausflug. Eigentlich wollten wir nur meinen neuen Pass abholen. Aber auf dem Weg dorthin habe ich furchtbare Schmerzen bekommen. Mir ging es hundeelend. Frans hat mich dann ins Welwitschia Hospital nach Walvis Bay gefahren. Diagnose: Nierenkolik. Ich musste den ganzen Tag da bleiben, habe Spritzen bekommen. Ich denke mal, die Schuckelei während der Fahrt – wir fahren ja hier meistens über Sand- und Wellblechpisten – hat das Dilemma ausgelöst. Die Nieren sind einfach nicht mehr in Ordnung, seit wir den Unfall am Gamsberg-Pass hatten. Genauso wie ich immer noch Probleme mit dem Wirbel habe, der gebrochen war. Aber ich beiße die Zähne zusammen, es geht immer weiter. Abends haben wir deshalb trotz des blöden Zwischenfalls noch einen Fliesenleger abgeholt. Das war so ausgemacht. Er hat inzwischen unseren Pool neu gefliest. Frans muss jetzt nur noch den Abschluss mit Natursteinen machen. Dann kann wieder Wasser rein. Und wir haben endlich wieder ein Schwimmbad mit kühlem Wasser, wie es sich gehört. Vielleicht klappt es noch bis zum Heroes-Day, den viele Namibier für einen Ausflug übers verlängerte Wochenende nutzen. Da sind wir „fully booked“, sprich: ausgebucht. Mit einheimischen Gästen. Der Heldengedenktag geht übrigens auf das Jahr 1966 zurück. Am 26. August begann damals der bewaffnete Kampf der Swapo, heute die regierende Partei hier, gegen die Mandatsmacht Südafrikas. Die Swapo und deren bewaffneter Flügel reagierten damit auf die Bombardierung eines Lagers im Ovambo-Land, nördlich der Etosha-Pfanne. Es war der Beginn der Befreiungskämpfe. So, jetzt möchte ich zum Schluss aber auch etwas Lustiges und Freudiges berichten – und vielleicht die wahre Sensation dieses Monats: Karli ist gar kein männlicher Affe, sondern ein Weibchen. Michelle hatte noch die Frage aufgeworfen. Sie hatte als angehende Tiermedizin-Studentin Karli mal genauer untersucht und festgestellt, dass ein gewisses Zipfelchen fehlt. Ich dachte erst, das wird schon seine Richtigkeit haben, Karli ist noch klein, das Zipfelchen wird folglich noch wachsen. Aber dann hat Frans unser Äffchen noch mal genau unter die Lupe genommen und inzwischen bestehen keine Zweifel mehr: Karli ist eine Karoline. Spezies: Grüne Meerkatze. Wir werden uns daran gewöhnen ...

x