Rhein-Pfalz Kreis Unruhige Zeiten in den Rathäusern
Was ist nur in der Verwaltung der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim los? Bei einer Ausschusssitzung sitzen deren Mitarbeiter im Ratssaal auf den Zuschauerplätzen, obwohl das Thema, das sie interessiert, unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt wird. Eine Personalangelegenheit. Dann erreicht die RHEINPFALZ ein anonymer Brief, in dem von „großer Unruhe“ beim Personal die Rede ist. Und das Telefon klingelt. Noch jemand will etwas erzählen. Die Redaktion hört sich nach allen Seiten um, fragt bei Lokalpolitikern und Verwaltungsmitarbeitern nach. Und siehe da: Der Ärger hat teils mit der noch nicht verdauten Fusion zu tun. Wenn zwei Menschen heiraten, müssen sie sich entscheiden, wie das gemeinsame Leben gestaltet wird. Fährt man im Urlaub auf den Campingplatz an der Adria, wie es der Bräutigam gewohnt ist, oder ins Wellness-Hotel in den Alpen, wie es die Braut liebt? Ähnlich ist es offenbar, wenn sich zwei Kommunalverwaltungen vereinigen. Immer noch heißt es: „Das ist zu lambsheimerisch.“ Oder: „Das ist zu heßheimerisch.“ Beim Herumhorchen stellt sich heraus: Vertreter der Ortsgemeinden haben sich über Vorlagen für ihre Rats- und Ausschusssitzungen geärgert. In der früheren Verbandsgemeinde Heßheim wurden die Unterlagen vom Büroleiter selbst koordiniert. Auf alte Lambsheimer Art dagegen wurden die Vorlagen vom Sitzungsdienst erstellt. Und so habe der Lambsheimer Lars Pletscher, der ab Anfang 2016 das Büro der neuen VG leitete, diese Aufgabe teils delegiert. Ortsbürgermeister störten sich deshalb dem Vernehmen nach über jeden Fehler, der in den vom Sitzungsdienst erstellen Vorlagen auftauchte. Auch schien ihnen Lars Pletscher zu häufig abwesend zu sein – weil er sich für seine neue Aufgabe als Büroleiter weiterbildete, auch mit dem Ziel, in den höheren Dienst aufzusteigen. Dafür muss er nach rheinland-pfälzischem Recht mehrere Wochen die Hochschule in Mayen besuchen. Entsprechend seiner Aufgabe bezahlen wollten ihn die politischen Gremien allerdings (noch) nicht. Er hatte eine A-14-Stelle bekommen, wurde aber nach A 12 bezahlt. Der Antrag auf A-13-Bezahlung wurde nach RHEINPFALZ-Informationen von der Mehrheit im Haupt- und Personalausschuss abgelehnt und auf Anfang 2018 vertagt. In Bad Dürkheim, wo Lars Pletscher zum 1. Mai hinwechselte, stellt er sich mit einer A-13-Position vom Gehalt her also nicht schlechter. Und berufliche Entwicklungsmöglichkeiten bietet die Stadt am Haardtrand auch. Sein plötzlicher Weggang zeigt, dass es in der Ehe zwischen der VG Heßheim und der ehemals verbandsfreien Gemeinde Lambsheim nach drei Jahren immer noch holpert. Für Unruhe sorgte eine weitere Personalie, bei der ein Mitarbeiter seine Stellung, seinen Rang in der Verwaltung, verlieren sollte. Im Mai, als die Lokalpolitiker darüber entscheiden sollten, waren seine Kollegen im Ratssaal anwesend, um ihre Solidarität zu bekunden. Aus Angst vor arbeitsrechtlichen Konsequenzen besann sich die Ausschussmehrheit dem Vernehmen doch noch und beließ jenen Mitarbeiter auf seinem Posten. Zur Freude der FWG-Fraktion, die diesmal nicht von der großen Koalition überstimmt wurde. Die Wellen, die der Fall in der Verwaltung geschlagen hat, scheinen sich allmählich zu glätten. Doch es wird weiter gestichelt und gemunkelt. Parteipolitische Interessen sollen bei den genannten Personalien eine Rolle gespielt haben. Kommunalpolitiker haben nun mal gerne ihnen wohlgesinnte Leute an wichtigen Stellen in der Verwaltung sitzen. Und manche scheinen das sogar aktiv beeinflussen zu wollen, zum Beispiel was die Schlüsselposition des Büroleiters betrifft. Der hat sich – so sollte man meinen – als Ansprechpartner aller Ortsbürgermeister gleich welcher Couleur neutral zu verhalten. Er soll aber auch engster Vertrauter des Bürgermeisters sein. Braucht er dafür dasselbe Parteibuch? Michael Reith arbeitete einst als Büroleiter mit sozialdemokratischem Hintergrund dem FWG-Bürgermeister Klaus Schütz zu, was ohne Parteigedöns zu funktionieren schien. Jetzt ist Reith Bürgermeister, und Lars Pletscher betont, dass er parteilos ist und bleiben will. Es wird aber erzählt, dass einige Sozialdemokraten mehr Einfluss in der Verwaltung anstreben. Ein Verdacht, den SPD-Vertreter entschieden zurückweisen. Bei der Suche nach einem Nachfolger für Lars Pletscher wäre beinahe jemand mit sozialdemokratischem Hintergrund zum Zug gekommen. Aus den 19 Bewerbungen hat die Findungskommission aus Bürgermeister, Beigeordneten, Personalrat und Fraktionsvorsitzenden ihre Favoriten gewählt, darunter SPD-nahe Kandidaten. Das sei dem christdemokratischen Koalitionspartner allerdings nicht recht gewesen, heißt es. Die CDU habe signalisiert, dass sie im Verbandsgemeinderat die Unterstützung für diese Kandidaten versagen werde. Zwei Bewerber zogen sich daraufhin zurück. Ein solches Hin und Her um einen Posten soll durch die Vorarbeit der parteiübergreifenden Findungskommission eigentlich vermieden werden. Man hat sich inzwischen auf einen Kandidaten einigen können, der Hauptausschuss steht geschlossen hinter ihm. Am heutigen Mittwoch wird der VG-Rat über die Besetzung des Büroleiterpostens entscheiden. Ob der Favorit einer politischen Richtung zuzuordnen ist? Als „neutral“ und „von außen“, also aus einer anderen Verbandsgemeinde-Verwaltung kommend, wird er beschrieben. Vielleicht ist das eine gute Wahl: ein Dritter, der zwischen den nicht seit drei Jahren Vermählten vermitteln kann. Hoffentlich bringt er ein Talent als Paartherapeut mit.