WALDSEE RHEINPFALZ Plus Artikel Umwelttag: Greifzange als Geburtstagswunsch

Sammeln Müll rund um die Sporthalle: Marcus Kuntz (links) mit Ben und Lucas (mit gelben Westen) sowie Daniell Weber mit Nils (Mi
Sammeln Müll rund um die Sporthalle: Marcus Kuntz (links) mit Ben und Lucas (mit gelben Westen) sowie Daniell Weber mit Nils (Mitte).

Umweltbildung fängt in der Praxis an, in Waldstücken und an Wegrändern. Marcus Kuntz hat bei seinen Zwillingen ganze Arbeit geleistet. Die drei machen nicht zum ersten Mal beim Umwelttag der Gemeinde Waldsee mit. Der Angelsportverein macht zeitgleich um die Gewässer sauber – und findet Dinge, deren Geruch man lieber nicht in der Nase haben möchte.

Marcus Kuntz ist überzeugt, dass das Vermitteln eines angemessenen Umgangs mit der Umgebung schon zu Hause anfängt: beim Aufräumen. „Wir haben unseren Kindern schon früh beigebracht, dass man einen Platz so sauber verlässt, wie man ihn vorfindet“, sagt der Waldseer. Steter Tropfen hat den Stein bereits gehöhlt. So sehr sogar, dass Ben und Lucas einen besonderen Gegenstand auf die Liste ihrer Geburtstagswünsche gesetzt hatten. „Sie wollten einen Greifer“, verrät Kuntz lächelnd und fügt an: „Zu Hause räumen sie jetzt immer damit auf.“

Am Umwelttag sind die Greifgeräte, mit denen achtlos entsorgter Unrat von der Natur in blaue Säcke gehoben werden soll, begehrte Werkzeuge. Aufgrund der begrenzten Anzahl der Zangen, die die Gemeinde zur Verfügung stellen konnte, müssen die Zwillinge im Wechsel arbeiten. Papa Marcus achtet darauf, dass jeder gleich lange ran darf – Gerechtigkeit muss schließlich sein.

Kein Verständnis

Wie Kuntz kann auch Daniell Weber nicht verstehen, weshalb immer wieder Müll wild in der Natur entsorgt wird. „Wir haben ein gut ausgeklügeltes Entsorgungssystem, das dafür sorgt, dass im 14-Tage-Rhythmus Abfall abgefahren wird. Außerdem nimmt der Bauhof alles an“, stellt er dar, weshalb er kein Verständnis für das verantwortungslosen Verhalten mancher Zeitgenossen hat. Weber, der auch für die SPD im Waldseer Ortsgemeinderat sitzt, hat sich daher mit Sohn Nils (6) beim Umwelttag der Ortsgemeinde eingeklinkt.

Um die 30 Personen haben sich zum Umwelttag angemeldet, informiert der Erste Beigeordnete Steffen Sternberger-Hahn (SPD) auf Nachfrage. Sechs Bereiche in und um Waldsee sind ausgewiesen worden. Wegen Corona wurde darauf geachtet, dass es keine Gruppenbildung gibt und dass keine Fahrgemeinschaften notwendig sind. Ausgangspunkt ist die Sommerfesthalle. Ausgewählt wurden die Sammelgebiete – ganz klar – nach dem Grad der Vermüllung. „Über unseren Mängelmelder gehen immer mehr Meldungen ein“, berichtet Sternberger-Hahn.

25 Säcke Müll

Die zunehmende Vermüllung kennen auch die Mitglieder des Angelsportvereins Waldsee. Sie laufen parallel die Gebiete um ihre Gewässer – Schlicht, Marxweiher und Schulgut – ab und sammeln ein, was andere liegen gelassen haben. „Plastik finden wir viel und das, was die Leute dabei haben, wenn sie schwimmen gehen, und was sie anschließend nicht mehr brauchen“, fasst der stellvertretende Vorsitzende Armin Hög zusammen. Kaputte Campingstühle, alte Luftmatratzen und Schwimmnudeln gehörten zum liegengelassenen Equipment. 29 Erwachsene und fünf Jugendliche sind gut vier Stunden in dem 17 Hektar großen Gebiet unterwegs. Entgegen Erfahrungen in anderen Gemeinden sind entsorgte Alltagsmasken die Ausnahme bei den Funden. „Das gab’s fast gar nicht“, berichtet Hög.

Auch Autoteile gebe es kaum mehr im Gebüsch. Dafür eine Menge Windeln am Marxweiher. Am Ende sind rund 25 Abfallsäcke gefüllt. Mit einem Ergebnis analog zum vergangenen Jahr rechnet zu dem Zeitpunkt Sternberger-Hahn: „Da hatten wir 25 Kubikmeter.“ Statt eines gemeinsamen Essens zum Abschluss gibt’s die Corona-Version des Dankes: Dosenwurst und Süßigkeiten.

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