BOBENHEIM-ROXHEIM RHEINPFALZ Plus Artikel Umweltbeauftragte setzt Anreiz für schotterfreie Gärten

Dieser Vorgarten soll aufblühen. dafür haben im März Adele, Noemi und Tanya Bianchino sowie Manfred Schärf und die Umweltbeauftr
Dieser Vorgarten soll aufblühen. dafür haben im März Adele, Noemi und Tanya Bianchino sowie Manfred Schärf und die Umweltbeauftragte Nicole Born hand angelegt.

Vorgärten, in denen keine Pflanzen wachsen, sondern Steine und Kies liegen, sind out, weil ökologisch wertlos. Trotzdem sieht man sie noch oft. Das soll sich ändern. Zwei Bobenheim-Roxheimerinnen haben das Angebot der Umweltbeauftragten Nicole Born angenommen und sich bei der Gartenumgestaltung helfen lassen.

Nicole Born setzt auf Sensibilisierung, Vorbilder und Förderung, wenn es darum geht, sogenannte Schottergärten abzuschaffen. Auf solchen Flächen finden weder Insekten noch Vögel noch andere Tiere wie etwa der Igel Nahrung und Lebensraum. Die Steine heizen sich außerdem im Sommer stark auf und wirken sich schlecht auf das Kleinklima aus. Es fehlen Pflanzen, die Feinstaub und Stickoxide abbauen, stattdessen verdichtet sich die Gartenerde. Kostbares Regenwasser kann schlecht versickern und fließt in die Kanalisation ab. Wo viele Schottergärten sind, erhöht sich der Schall in den Straßen.

Dagegen will Nicole Born etwas tun. Sie ist überzeugt, dass der Anteil der Steinwüsten in Wohngebieten deutlich höher ist als jene 15 Prozent, die man 2017 bundesweit für versiegelte Vorgärten ermittelt hat. „Ich bin durch den Ort geradelt und habe mir die Vorgärten angeschaut“, berichtet die ehrenamtliche Umweltbeauftragte der Gemeinde Bobenheim-Roxheim. Sie spricht von einer „ansteckenden Krankheit“: Wenn einer in der Nachbarschaft anfange mit so einem Garten, folgten andere nach.

Zwei Frauen machen mit

Unter dem Stichwort Biodiversität hat Born die Aktion „Umgestaltung eines Schottergartens“ initiiert und einen Aufruf im Amtsblatt veröffentlicht. Als erste Freiwillige meldeten sich Tanya Bianchino und Angelika Walter. Die beiden erhielten je einen Pflanzengutschein über 150 Euro, finanziert aus Borns Aufwandsentschädigung.

Das Beispiel Bianchino zeigt, dass mit etwas Rat und Hilfe – in diesem Fall von Ulrike Romero, Inhaberin des Blumenhauses Schärf – so ein Schottervorgarten recht einfach ökologisch aufgewertet werden kann. „Ich war damit sowieso nie so ganz glücklich, aber als wir vor vier Jahren das Haus gekauft haben, stand zunächst einmal die Renovierung im Mittelpunkt“, erzählt Bianchino.

Mittlerweile ist der Schotter weg. Es wurde Erde besorgt, und von dem Gutschein wurden Bodendecker und Blühstauden angeschafft und gepflanzt. Für die beiden Kinder, sechs und drei Jahre alt, sei das ein echtes Ereignis gewesen, berichtet Tanya Bianchino. „Wir möchten, dass unsere Kinder mit der Natur aufwachsen. Ich finde diese Aktion wirklich gut, hoffentlich gibt es Nachahmer.“

Nicht alle Steine mussten weg

Floristmeisterin Romero hat die Zusammenarbeit mit Nicole Born, Angelika Walter und Tanya Bianchino, die von ihr einen Pflanzplan bekommen haben, Freude bereitet. Im Garten der Bianchinos wachsen und blühen nun Waldmeister, Bärlauch, Oregano, Salbei, Walderdbeeren, Artischocken und Schokominze. Die Steine wurden nicht ganz und gar verbannt, sondern zur Anlage eines kleinen Wegs im Vorgarten verwendet.

Romero erkennt zwar schon einen Bewusstseinswandel in der Bevölkerung, aber es sei immer noch Aufklärungsarbeit notwendig. In vielen Köpfen habe sich die Meinung festgesetzt, dass Schottergärten pflegeleicht seien, was aber nicht zutreffe. Sie weist darauf hin, dass ein bepflanzter Vorgarten das Haus optisch aufwerten kann. „Dazu braucht es nur ein wenig Fantasie“, sagt Romero. Auch auf kleinen Flächen lasse sich einiges verwirklichen.

Es braucht etwas Geduld

Im Vorgarten von Angelika Walter wurde beispielsweise ein Apfelbaum gepflanzt. Romero: „Das ist eine sogenannte Apfelsäule, die keine Krone bildet und damit gut auf kleiner Fläche zurechtkommt.“ Allerdings brauche man etwas Geduld. „Natürlich darf man nicht erwarten, dass ein im März neugestalteter Garten bereits im ersten Sommer in voller Blüte steht. Die Pflanzen brauchen einige Jahre, um sich zu entwickeln.“

Nicole Born freut sich ebenfalls über die Aktion, bei der sie auch jede Menge Informationsmaterial der Nabu-Gartenakademie Rheinland-Pfalz und des Imkereiverbands verteilt hat. Das Ziel: Mehr ökologisch wertvolle und bienenfreundliche Gärten und mehr Wildblumen auf Balkonen.

So sah der Vorgarten vorher aus. Gefallen hat das den Hausbewohnern nicht, aber es gab so viel anderes zu tun.
So sah der Vorgarten vorher aus. Gefallen hat das den Hausbewohnern nicht, aber es gab so viel anderes zu tun.
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