Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Umfrage: Sind Männer und Frauen wirklich gleichberechtigt?

Machtdenken bei Männern sei nicht mit Gesetzen oder Verboten zu regeln, meint Martin Armingeon im Gespräch mit RedakteurinStefan
Machtdenken bei Männern sei nicht mit Gesetzen oder Verboten zu regeln, meint Martin Armingeon im Gespräch mit RedakteurinStefanie Brunner.

Umfrage: Männer und Frauen sind gleichberechtigt. So steht es seit 1949 in Artikel 3 des Grundgesetzes. Sind wir 73 Jahre später am Ziel? Das hat die RHEINPFALZ Bürger aus dem Rhein-Pfalz-Kreis gefragt.

Auf belebten Parkplätzen vor Supermärkten in Lambsheim, Schifferstadt und Dudenhofen schauen einige Bürger interessiert auf das Schild, das sich die Redakteurin um den Hals gehängt hat. „Das betrifft doch nur die Frauen“, sagt Martin Armingeon, als er die Frage sieht. Er selbst sei als Mann noch nie benachteiligt worden. Der 66-Jährige findet, Machtdenken bei Männern sei Erziehungssache: „Das ist nicht mit Gesetzen oder Verboten zu regeln.“

Dass Väter auch mal länger in Elternzeit gehen, werde in seinem Umfeld aber zunehmend akzeptiert. „Da gibt es ein Umdenken.“ Er hofft, dass er seinen Töchtern genug Durchsetzungsvermögen mitgegeben hat, um in der Arbeitswelt zu bestehen. „Wir brauchen gleiches Geld für gleiche Arbeit und mehr Frauen in leitenden Positionen.“

„Frauen sagen: So geht’s nicht“

Monika Buscher weiß, dass Mädchen und Frauen oft gut qualifiziert sind, aber dennoch weniger Gehalt bekommen – das nennt man auch „Gender Pay Gap“. „Die Frauen müssen sich irgendwann entscheiden, wenn die Familienplanung ansteht“, sagt die 58-Jährige. Wer Karriere machen wolle, müsse seine Kinder früh in fremde Hände geben – sofern man überhaupt einen Kita-Platz bekomme. Ihren Job im gemeinsamen Betrieb mit ihrem Mann hat sie damals aufgegeben, bis ihr Nachwuchs in die Schule kam. „Dass man kürzer tritt als Mutter, war im Frauenbild drin“, erzählt sie. Danach kehrte sie in Teilzeit ins Arbeitsleben zurück. Als Chefin habe sie erlebt, dass etwa Bauarbeiter sie als Frau nicht ernst nahmen. „Die haben dann im Anschluss ans Gespräch mit mir noch mal bei meinem Mann nachgefragt“, berichtet Buscher. Im Haushalt müssten die Männer heute dafür mehr helfen: „Die Frauen sagen sonst: So geht’s nicht.“

„Wir leben gleichberechtigt“, sagt Kathrin M., dreifache Mutter, über ihre Familie. Die bisherige Elternzeit wurde aufgeteilt. „Bei seinem Arbeitgeber hatte das eine andere Wirkung als bei meinem“, umschreibt die 38-Jährige. Mit sechs Monaten sei ihr Mann ein „Alien“ gewesen. Aus ihrer Sicht müsste damit progressiver umgegangen werden. „Die meisten nehmen nur zwei Monate, um das Geld vom Staat zu bekommen.“ Die Gesellschaft sieht sie in Sachen Gleichberechtigung dennoch auf einem guten Weg. „Aber Diskriminierung ist immer noch in unseren Normen verankert, auch unterschwellig, zum Beispiel bei Gehaltsangeboten.“ Das könne man nicht nur über die Politik steuern, es brauche eine Veränderung in den Köpfen und die Ermutigung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt.

„Männer müssen sich emanzipieren“

„Frauen haben mehr Rechte, die Männer müssen sich heute emanzipieren“, meint dagegen Eugen Oberbeck. Er habe schon Anfeindungen erlebt, als er einer Frau höflich die Tür aufgehalten habe. „Man muss aufpassen, man kann es den Frauen nicht mehr recht machen.“ Dass es aber auch Verbesserungen gebe, habe er durch seine Enkel gemerkt. „Früher wurdest du als Mann schon ziemlich dumm angeschaut, wenn du einen Kinderwagen geschoben hast“, erinnert sich der 70-Jährige. Ihm sei das aber egal: Um seine Kinder – und heute seine Enkel – habe er sich trotzdem immer gemeinsam mit seiner Frau gekümmert.

Eine Konditorin, 59, erinnert sich an ihr Leben als Mutter in der DDR. „Es gab kostenlose Kinderkrippen. Ich bin sofort wieder arbeiten gegangen und wurde auch gleich bezahlt wie die Männer.“ Als sie in den Westen kam, sei es mit der Kinderbetreuung schwierig geworden. Flexibles Arbeiten sei in vielen Branchen nicht möglich. „Voll arbeiten ging nicht“, erklärt sie – auch finanziell, denn ihr Mann war der Hauptverdiener. Er kümmert sich auch heute noch zu Hause klassisch ums Handwerkliche – das sei in der DDR üblich gewesen. Bei den Jüngeren gehe es schon gleichberechtigter zu, so ihr Eindruck. Das sieht auch der 19-jährige Felix Erdelmeier so. Vor- und Nachteile für die Geschlechter glichen sich aus, sagt er.

„Haben Stereotype noch im Kopf“

Ursula Blaaub zählt sich zu einer Generation, die noch andere Bezahlung bei gleicher Arbeit kennt. „Das Bild war: Die Frau bleibt daheim, der Mann arbeitet“, erzählt die 66-Jährige. Man sollte die Frauen bestärken, findet sie, damit sie sich Männerberufe zutrauen. In der Schule hätte Blaaub beispielsweise lieber Werken als Handarbeiten gelernt – doch die Fächer seien strikt nach Geschlecht aufgeteilt worden. „Diese Stereotype haben wir noch im Kopf“, ist sie sicher. Noch heute sei es für Frauen schwerer, in leitende Positionen zu kommen. Die früher übliche Bezeichnung als Fräulein für unverheiratete Frauen fand Blaaub im Übrigen schon damals diskriminierend.

In der Schule hat eine 15-Jährige beobachtet, dass bei den Mädchen schon mal ein Auge zugedrückt werde, wenn sie gegen Regeln verstoßen. „Manche sagen auch, Mädchen sind besser in diesem Fach und Jungs in jenem“, sagt die Schülerin. Sie selbst hat den Eindruck, dass Männer mehr körperliche Arbeiten machen, während sie Frauen vorwiegend im Büro oder bei der Arbeit mit Kindern assoziiert. „Man sieht das im Alltag so“, erklärt sie ihre Schlussfolgerung.

Bärbel Konradt sieht die Gesellschaft vor allem wegen der Gehaltsunterschiede noch nicht am Ziel. Frauen sollten für sich einstehen, findet die 68-Jährige, und den Mut haben, ihren Chef deswegen anzusprechen. Vor 40 Jahren, als sie Mutter wurde, habe sie bis zum Kindergartenalter ihres Kinds auf ihre Karriere verzichtet und danach in Teilzeit gearbeitet. Irgendwann schulte sie um – „damit hatte ich dann bessere Arbeitszeiten.“ Zu Hause könne sie auf die Unterstützung ihres Mannes zählen. „Auch beim Kochen“, wie Konradt betont, „und wenn’s nur Schnippeln ist.“ Dass alle im Haushalt mit anpacken, habe sie auch ihrem Sohn beigebracht.

„Muss Männern nichts beweisen“

Lisa Weller hatte eigentlich einen Ausbildungsplatz als Zweiradmechanikerin in der Tasche. Schon im Vorfeld habe sie jedoch mitbekommen, dass zukünftige Kollegen im Betrieb Witze über sie als Frau in einem handwerklich-technischen Beruf rissen. „Ich habe die Stelle dann nicht angetreten“, erzählt die heutige Krankenschwester. „Ich muss den Männern nichts beweisen.“ Gerade ist die 30-Jährige in Elternzeit. „Das bedeutet nicht ,Füße hoch’,“ wie sie betont. Für Mamas gebe es keinen Feierabend. Das könne auch belastend sein und werde oft nicht gewürdigt. Zu Hause hätten die Frauen wiederum häufig den Hut auf, meint Weller, lacht und sagt mit einem Achselzucken: „Die veraltete Rollenverteilung besteht in den Köpfen, das ist vielleicht noch aus der Zeit der Jäger und Sammler.“ In ihrer Familie werde die Hausarbeit aber aufgeteilt, und beim nächsten Kind bleibe ihr Mann zu Hause.

Termine

Der Rhein-Pfalz-Kreis organisiert Veranstaltungen von und für Frauen rund um den Internationalen Frauentag am Dienstag, 8. März, und dem Equal-Pay-Day tags zuvor. Dazu zählen:

das Frauen-Kino im Rex-Kino-Center Schifferstadt, Zeppelinstraße 6, am Mittwoch, 2. März, 20 Uhr, mit dem Film „Die Unbeugsamen“, Eintritt 9 Euro inklusive einem Glas Sekt und einer Überraschung, Kartenreservierung unter Telefon 06235 9299840;

der „Treffpunkt am gedeckten Tisch“ mit „Red Snacks“ am Freitag, 4. März, 9.30 bis 12 Uhr, auf dem Wochenmarkt in Mutterstadt, Ludwigshafener Straße, zum Thema Lohnlücke zwischen Frauen und Männern (derzeit rund 18 Prozent);

das Finanzseminar mit dem Titel „finanzSTARKE Frauen: Was Frauen über Finanzen wissen wollen“ als kostenfreier Online-Workshop am Dienstag, 8. März, 18.30 bis 21 Uhr, Anmeldung per E-Mail an die Adresse gleichstellungsstelle@vg-rheinauen.de;

der Film „We want Sex – Made in Dagenham“ im Capitol Lichtspiel Theater Limburgerhof, Speyerer Straße 107 a, am Dienstag, 8. März, 19.30 Uhr, der Eintritt beträgt 10 Euro inklusive einem Glas Sekt, von den Einnahmen geht eine Spende an die ESEL-Initiative. Kartenreservierung unter www.capitol-limburgerhof.com;

ein Vortrag mit Meike Spitzner (Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH) zum Thema „Ökologischer Wandel geschlechterverantwortlich“ am Mittwoch, 9. März, 18 Uhr, im Heinrich Pesch Haus Ludwigshafen, Katholische Akademie Rhein-Neckar, Frankenthaler Straße 229, die Veranstaltung findet hybrid oder online statt, der Eintritt ist frei, Anmeldung bis 3. März unter Telefon 0621 5999-162 oder per E-Mail an anmeldung@hph.kirche.org.

Umfassende und weitere Informationen erhalten Interessierte auf den Internetseiten der Gemeinden oder unter www.rhein-pfalz-kreis.de, Telefon 0621 5909-3450 sowie unter www.gleichstellungsbeauftragte-rlp.de.

x