Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Ulrike Machill und Volker Bengl berühren mit ihrem „Konzert für Engel“ in Mutterstadt

Mal als Duett, mal solo begeistern Volker Bengl und Ulrike Machill ihr Publikum in der protestantischen Kirche in Mutterstadt.
Mal als Duett, mal solo begeistern Volker Bengl und Ulrike Machill ihr Publikum in der protestantischen Kirche in Mutterstadt. Foto: KUNZ

Musik kann ausdrücken, was man nicht in Worte fassen kann. Zwischen liebevoller Erinnerung und Schmerz haben sich Ulrike Machill und Volker Bengl bei ihrem fünften „Konzert für Engel“ bewegt. 22 Wunschlieder von Oper bis Pop trugen die Geschwister in der protestantischen Kirche Mutterstadt vor. Und ein Stück überraschte besonders.

In den nächsten Tagen wäre er 100 Jahre alt geworden, der Vater, der mit 23 Jahren gefallen ist. Das „Wolgalied“ erklingt zu seinem Gedenken. Von der „Wache für sein Vaterland“, die Volker Bengl besingt, ist dieser junge Mann nie nach Hause gekommen. Das Lied ist Trost hier unten für die Hinterbliebenen und wohl auch ein Gruß gen Himmel.

Zum fünften Mal haben Sopranistin Ulrike Machill und ihr Bruder, Tenor Volker Bengl, zum „Konzert für Engel“ an Allerheiligen in die protestantische Kirche in Mutterstadt eingeladen. Begleitet werden sie von Pianist Stefan Franz. „Die Lieben leben mit dem Konzert in unserer Erinnerung weiter“, sagt Machill. Dieses Gedenken mit persönlichen Interpretationen der Titel sei ihr „eine Herzensangelegenheit“.

Für die Engel stehen Kerzen am Altar

Es sind Titel über die Vergänglichkeit des Lebens, die Liebe, den Tod und die Trauer, die die beiden wahrlich gekonnt präsentieren. Titel, die von guten Zeiten erzählen, Titel, die Hoffnung geben sollen in der Zeit nach dem Abschied. „Weil es gibt was nach dem Leb’m, du wirst scho sehn“ heißt es etwa in Andreas Gabaliers „Amoi seg ma uns wieder“. Und Ulrike Machill ist sichtlich bewegt, als ihre letzten Töne verklingen.

Für viele Engel singen sie an diesem Abend – teils namentlich genannt, teils anonym. Kleine Kerzen brennen am Altar als Erinnerung an die Männer und Frauen. Deutlich wird nicht nur beim „Wolgalied“, dass Tod und Trauer kein Alter kennen. Eine Großmutter wünscht sich für ihre Enkelin „The Rose“ von Bette Midler. Eine Frau verabschiedet ihre Freundin mit „Time to say goodbye“ – fulminant von Bengl und Machill im Duett vorgetragen.

„Über den Wolken“ als Experiment

Das Publikum in der vollbesetzten Kirche ist mucksmäuschenstill. Genießt, schweigt andächtig – und applaudiert nach jedem Lied begeistert. Pfarrer Heiko Schippers einführende Worte bleiben im Ohr: „Musik spricht andere Bereiche unseres Selbsts an.“ Die einen lauschen bei Titeln wie „Sierra Madre Del Sur“, „Näher mein Gott zu dir“ oder „You raise me up“ gedankenversunken, andere lassen ungeniert den Tränen freien Lauf.

Doch in einem Moment, bei Titel Nummer 13, heben wohl alle ihre Köpfe. Stefan Franz legt die Hände in den Schoss. Volker Bengl greift zur Gitarre. Ein, so sagt er mit einem etwas schelmischen Grinsen, „Experiment mit ungewissem Ausgang“: Reinhard Meys „Über den Wolken“. Ein bisschen Lagerfeuerromantik im Gotteshaus. Und auf Startbahn 03 funktioniert alles bestens. Bengl zupft, singt und zeigt, dass mehr in ihm steckt als nur der klassische Opernsänger.

Erinnerung an einen schönen Tag mit nach Hause nehmen

Was bleiben soll nach diesem Abend? „Die Erinnerung an einen schönen Tag“, wie Machill sie in Lena Valaitis deutscher Version von „Amazing Grace“ besingt. Aber auch, dass alles gut ist, wie es im letzten offiziellen Wunschstück „All is well“ heißt, das die Geschwister zum ersten Mal zusammen vor Publikum singen. Die Gäste sollen „positive Gedanken“ mit nach Hause nehmen – getragen von den letzten Klängen des Konzerts: dem gemeinsam gesungenen „Kein schöner Land in dieser Zeit“. Mit Zeilen wie „Da haben wir so manche Stund’ gesessen wohl in froher Rund’“ ist es eben auch eine Art der Erinnerung, in der ein Mensch weiterlebt.

Mehr zum Thema
x