Gartenolympiade
Ulkiges Gemüse und üppige Blütenträume
Ursula Dislich aus Dudenhofen ist eine Kakteenliebhaberin und besitzt sieben Stück dieser Pflanzen, die bei ihr auf der Terrasse an einem geschützten sonnigen Platz stehen. Früher habe sie die Kakteen jedes Spätjahr in den Keller gestellt, in den vergangenen warmen Wintern habe sie sie dagegen draußen überwintert. Das ist im vergangenen Winter allerdings schief gegangen, wie die 83-Jährige erzählt. Ein großes Kakteengewächs mit dem Namen Parodia magnifica, das sehr alt war und sie von ihrer Mutter übernommen hatte, ist beim strengen und langanhaltenden Frost eingegangen. Dislich hat allerdings einen kleinen Ableger gerettet, der nun in voller Blüte steht und den sie in der Kategorie „Exotisch“ bei der RHEINPFALZ-Gartenolympiade einreicht. Damit ihre Kakteen jedes Jahr so schön blühen, verwendet sie regelmäßig Kakteendünger und gießt die Pflanzen nur sporadisch, verrät Dislich, die sich dann an deren Blüten erfreut.
Bei Rebecca Sieron und ihrer Familie war die Freude groß, als sie zuletzt aus dem zehntägigen Urlaub zurückkam. In ihrem Garten wachsen zwei Pflanzen, die bisher schon mehr als 30 Zucchini hervorgebracht haben. „Wir verschenken einen Teil an die Nachbarn und bekommen immer positives Feedback“, freut sich die 40-Jährige aus Dudenhofen. Nun war eine Zucchini während des Urlaubs der Familie besonders kräftig gediehen. Sie ist 2,3 Kilogramm schwer und etwa 48 Zentimeter lang. Das Gemüse bekomme keine besondere Pflege. Sie habe nur Stroh darunter gelegt, damit es aufgrund der feuchten Witterung nicht faule, sagt Sieron. Ihr gefällt an ihrem Garten, zuzuschauen, wie alles wächst. Und das Obst und Gemüse – darunter Tomaten, Paprika, Gurken, Äpfel und Johannisbeeren – schmecke besser, auch wenn es vielleicht manchmal nicht optimal aussehe. „Die Natur bildet nun eben mal verschiedene Formen und Größen aus“, sagt die Dudenhofenerin, die es als Mutter wichtig empfindet, dass ihre neunjährige Tochter Sophia weiß, woher Obst und Gemüse kommen und wie es wächst.
Armin Bast hat jeden Tag vor seiner Zucchini gestanden und ihr ein Lied vorgesungen, damit sie so lang wird, scherzt der Otterstadter und lacht. Singen musste er nicht, sondern das Gemüse nur gut düngen und „wachsen lassen“. Die Zucchini misst stolze 1,35 Meter und ist damit fast so groß wie Basts Enkeltochter Melanie. Die 14-Jährige ist 1,58 Meter groß. Die Zucchinisorte habe er aus Italien, „Wir sind durch Meran geschlendert, haben die Samen gesehen und gedacht, die nehmen wir mal mit. Egal, ob es was wird“, sagt Bast. Der Versuch war erfolgreich – er hat noch weitere Zucchini in seinem Garten hängen, die bereits auch schon lang gewachsen sind. Nach der Ernte werden sie gewürzt, frittiert und gegessen. „Sie schmecken sehr gut“, bilanziert der Otterstadter.
„Dieses Jahr ist Sonnenblumen-Wetter“, sagt Waltraud Oehring aus Harthausen und meint damit die Feuchtigkeit und fehlende Hitze, die die Pflanzen prächtig gedeihen lassen. Das Prachtexemplar in ihrem Garten misst mehr als drei Meter und ist im Frühjahr von selbst aufgegangen, erzählt die Harthausenerin, deren Mann Gerhard Hoffmann einer der Juroren bei der Gartenolympiade ist. Am Hauptstamm der Pflanze entwickelten sich viele Seitentriebe mit weiteren kleinen Blüten, die in Vasen die Wohnung des Ehepaars zieren. Für Sonnenblumen-Liebhaber hat sie folgenden Tipp parat: „Die Pflanze am besten dort stehen lassen, wo sie aufgegangen ist und immer die Schnecken fernhalten.“
Ebenso in die Kategorie „Superlativ“ passt die Sonnenblume von Rita und Theo Kinscherff aus Hanhofen. 17 Blüten wuchsen zwischenzeitlich an der Pflanze, was den 88-Jährigen angenehm überrascht hat. „Ich war bemüht, sie immer zu gießen“, verrät der Hanhofener sein Geheimrezept. Damit die Sonnenblume nicht umfällt, hat er sie mithilfe eines Holzpfahls gestützt. Die Gartenarbeit erledigen er und seine 83-jährige Frau gemeinsam und wenn sie fertig sind, entspannen sie mit Blick auf die vielen Blüten.
Die Freude war auch in Waldsee groß, als Schülerinnen und Schüler der Hermann-Gmeiner-Grundschule zuletzt Kartoffeln im Schulgarten ernteten und sie eine besonders große mit noppenartigen Auswüchsen entdeckten. Sie sieht aus wie ein Fisch, wurde deshalb „Kartoffelfisch“ getauft und passt perfekt in die Gartenolympiaden-Kategorie „Kurios“. Lehrerin Veronika Ziegler erklärt, dass sich die Kinder der ersten und zweiten Klasse seit Jahren an der Aktion „Kids an die Knolle“ beteiligen. Dabei erhalten sie Saatkartoffeln von der Vereinigung „Pfälzer Grumbeere“ in Kooperation mit dem Deutschen Kartoffel-Handelsverband. Sie lernen das Gemüse kennen und dürfen es stecken, pflegen und ernten. Veronika Ziegler liegt es am Herzen, dass die Kinder wissen, woher die Lebensmittel kommen, wie viel Arbeit investiert werden muss und wie viel Zeit vergeht, bis sie geerntet werden können. Die Schülerinnen und Schüler bekommen dabei auch ökologisches Verständnis vermittelt. „Bei Regenwürmern heißt es meistens ,iiihhh’, aber nachdem wir den Kindern erklärt haben, dass die Tiere quasi Mitarbeiter sind und helfen, die Erde locker zu machen, riefen sie: ,Ich habe auch einen Mitarbeiter gefunden’, als sie wieder einen Regenwurm entdeckten“, erzählt Ziegler und lacht. Die Lehrerin ist dankbar für das Engagement der Eltern, die im Schulgarten mithelfen. „Ohne sie könnten wir das allein gar nicht stemmen“, betont Ziegler. Die Kartoffeln haben die Grundschüler gemeinsam mit den Lehrern zu Quellkartoffeln und Suppe verarbeitet. „Sie waren von guter Qualität und trotz des vielen Regens nicht matschig“, freut sich Veronika Ziegler.
Gartenolympiade
Egal ob lange Bohnen oder riesige Kürbisse – bei der Gartenolympiade ist alles möglich. Wer mitmachen will, meldet sich unter redspe@rheinpfalz.de oder 06232 130742 und gibt seinen Namen, den Wohnort und eine Telefonnummer an. Die Sieger bekommen ein RHEINPFALZ-Überraschungspaket. Für die Erstplatzierten jeder Kategorie – „Superlativ“, „Exotisch“ und „Kurios“ – gibt’s noch einen Gartencenter-Gutschein.