Bobenheim-Roxheim
TV-„Problemkind“ Robin: Das ist aus ihm geworden
Statt chillen und Party machen hieß es für Robin Honacker vor fast genau zehn Jahren: Erziehungscamp im Ausland. Mit seinem Auftritt in der Kabel-1-Fernsehsendung „Die strengsten Eltern der Welt“ wurde der damals 17-Jährige über Nacht bekannt. Millionen Menschen verfolgten den Bobenheim-Roxheimer und die anderen aufmüpfigen, pubertierenden und rebellierenden Jugendlichen dabei, wie sie sich um 5 Uhr morgens aus der Koje quälten und die Ärmel hochkrempeln mussten.
Heute, im Alter von 27 Jahren, ist Honacker längst kein Problemkind mehr. Beim Globus-Markt in Bobenheim-Roxheim ist er der Mann für alle Fälle. Mitarbeiter und Kunden schätzen sein freundliches Wesen, seine Hilfsbereitschaft und Sachkompetenz. Immer mal wieder schaut er rein in die Sendung von damals, die noch heute auf der Videoplattform YouTube zu sehen ist, und spricht von einer „wunderschönen Erfahrung“. Die hohen Einschaltquoten sorgten damals für eine mehrfache Ausstrahlung des Beitrags. Das hatte auch negative Seiten, glaubt Honacker und erinnert sich: „Meine Mutter hat, wohl auch wegen des Fernsehbeitrags, keine Wohnung bekommen.“
Aufenthalt bei einem Wurstfabrikanten
Zehn Tage verbrachte Honacker damals in der Familie des US-amerikanischen Wurstfabrikanten Uli Lengenberg, einem deutschen Auswanderer, der es mit Fleiß und Disziplin zu Wohlstand und Ansehen gebracht hatte – Tugenden, die Honacker völlig fremd und ziemlich schnuppe waren. Missmutig und widerwillig beugte sich Honacker seinem Schicksal. Die Sitten und Gepflogenheiten in der Gastgeberfamilie waren streng, der Alltag strukturiert und arbeitsintensiv. Alkohol und Zigaretten waren verboten. Für den 17-Jährigen war das ein hartes Los.
„Ich habe gelernt, dass das Leben auch mit strengen Regeln schön sein kann, und fand es echt super in Seattle“, sagt Honacker heute. Die 700.000-Einwohner-Stadt im Nordwesten der Vereinigten Staaten werde er zeitlebens in Erinnerung behalten. Vor allem von Jean, der Frau von Lengenberg, spricht er noch heute mit Hochachtung. „Sie war Lehrerin für schwer erziehbare Kinder, eine gute Pädagogin und eine klasse Frau.“
Praktikum an der Käsetheke
Bei seinen Gastgebern absolvierte Robin Honacker ein geballtes Programm: Arbeitseinsatz in der Wurstfabrik, Obdachlosen Lebensmittel vorbeibringen und die Teilnahme am Deutschkurs in der Highschool ließen keine Langeweile aufkommen. Die Zeit bei den angeblich „strengsten Eltern der Welt“ hinterließ Spuren.
Zurück in Bobenheim-Roxheim wandelte sich das Leben des jungen Mannes. Nach der Schulzeit an der Realschule plus in Bobenheim-Roxheim und der Integrierten Gesamtschule in Oggersheim absolvierte Honacker eine kaufmännische Ausbildung bei Globus „Ich hatte an den Wochenenden bereits als Aushilfe in der Bäckerei gearbeitet und später ein Praktikum an der Käsetheke gemacht. Ganz gleich, was ich bisher im Globus gemacht habe, ich habe mich hier immer sehr wohlgefühlt.“
Immer eine zündende Idee
Marktleiter Carsten Karger hat ihm die Bereiche Werbung und Öffentlichkeitsarbeit anvertraut. Honacker wurde so zu einem wichtigen Ansprechpartner und Brückenbauer. Er knüpft und pflegt die Kontakte zu Medien, Verbänden und Vereinen. Der kreative junge Mann ist kontaktfreudig, neugierig und offen. Sein besonderes Faible ist Grafik-Design. In Sachen Werbung und Marketing hat er immer wieder zündende Ideen. Der klassische Karrieretyp ist Honacker nach eigener Aussage aber nicht.
Die Kollegen schätzen seine unkompliziert-sympathische Mentalität und seinen erdigen Humor, mit dem er bereits als 17-Jähriger das Fernsehpublikum begeisterte. Und noch immer blitzt dem jungen Bobenheim-Roxheimer der Schalk aus den blauen Augen. Honacker aber auch ein pflichtbewusster und sozial eingestellter Typ. Er wurde kürzlich in den Betriebsrat gewählt. Während der Pandemie legt sich Honacker für den Markt ins Zeug – er half in der Warenverräumung und saß stundenlang an der Kasse.
Wandern und radeln gegen die Krise
Corona habe auch sein Leben stark verändert. „Die Erfahrungen mit unseren Kunden waren überwiegend positiv, wir haben viel Dankbarkeit und Wertschätzung erfahren“, sagt er. Dabei sei ihm bewusst geworden, welche Bedeutung dem Globus-Markt als Nahversorger zukommt. „Die meisten Leuten verhalten sich ja nach wie vor sehr diszipliniert, aber ich habe auch den Eindruck, dass sich sehr viele Menschen wieder nach Normalität sehnen.“ Er selbst habe den Wert der Zeit neu entdeckt. Nach den oft harten Arbeitseinsätzen habe er mit seinem E-Bike die Region erkundet und Wanderungen durch die Weinlandschaft gemacht.
Honacker hat auf seinem Weg viele Hürden gemeistert und über den Beruf zu sich gefunden, sagt er. Im September beginnt er eine Ausbildung zum Teamleiter. Das Fernseh-Problemkind von einst ist abgehakt.