Rhein-Pfalz-Kreis
Turmbläser und Musikzüge stimmen auf Heiligabend ein
Leiser, aber laut genug
„Alle Jahre wieder“: Dem Titel dieses Weihnachtslieds folgen die Turmbläser in Dannstadt-Schauernheim um Organisator Christian Magin nun schon seit 25 Jahren. So sind sie, dieses Mal zu zehnt, an Heiligabend erneut in den Glockenraum des Turms der katholischen Kirche St. Michael im Ortsteil Dannstadt geklettert und haben in ihrem Jubiläumsjahr vor der Messe von hoch droben mit weihnachtlichen Melodien die Gottesdienstbesucher in die passende Stimmung versetzt. „Es hat alles gut funktioniert“, berichtet Magin. Die sechs Blechbläser – vier Trompeten, eine Posaune, ein Euphonium – und vier Glöckner seien zwar etwas leiser als sonst gewesen, aber dennoch gut zu hören gewesen. Ganz neu: Am ersten Weihnachtsfeiertag haben sieben Blechbläser in leicht veränderter Besetzung – drei Trompeten, ein Kornett, eine Posaune, ein Waldhorn und eine Tuba – beim 18-Uhr-Gottesdienst in der katholischen Kirche St. Cäcilia im Ortsteil Schauernheim drei Lieder zusammen mit der Orgel gespielt. Nach der Messe bei einem Glühweinumtrunk haben sie außerdem noch zwölf Weihnachtslieder zum Besten gegeben. Das sei gut angekommen. „Ich könnte mir vorstellen, dass wir das nächstes Jahr noch mal machen, falls wir gefragt werden“, sagt Magin. Er lade alle Blechbläser, die mitwirken möchten, ein. Interessenten können sich beim katholischen Pfarrbüro melden, Telefon 06231 5742.
„Stille Nacht“ als Höhepunkt
Auch in Maxdorf waren die Turmbläser zu hören. Das Kirchenschiff der Johanneskirche in der Maxdorfer Siedlung war in Rot und Gold illuminiert, der Turm hell angestrahlt. „Ehre sei Gott in der Höhe“ ist auf der Weihnachtsfahne zu lesen, die auch dieses Jahr zum Turmblasen unterhalb des Turmfensters befestigt wurde. Das war weit geöffnet, so konnten die Zuhörer, die schon vor 21 Uhr kamen, die schwingenden Glocken des Festgeläuts sehen. Als diese verstummten, gaben die Bläser ihr gut 30-minütiges Festkonzert. Los ging es mit Titeln wie „Hark the Herald Angels Sing“ und „Vom Himmel hoch, da komm ich her“. „Während wir in der Adventszeit eher populäre und auch internationale Weihnachtstitel spielen, setzen wir beim Turmblasen an Heiligabend überwiegend auf die klassischen Weihnachtslieder, Choräle und Volkslieder“, erläutert Frank Hüttner. Er leitet seit 2014 den Posaunenchor. Ebenso sei es Tradition, dass das Turmblasen mit den Klassikern „Oh Du Fröhliche“ und „Stille Nacht, Heilige Nacht“ endet. Zu Letzterem erlosch die Beleuchtung, so dass zu den Klängen aus der Höhe nur noch die innen beleuchtete Glockenstube die Nacht erhellte. Etwa 500 Zuhörer, so schätzt Hüttner, lauschten den Turmbläsern, sangen mit und applaudierten begeistert.
Mit Glühwein an Gebäck
Seit über dreißig Jahren ist es in Iggelheim Tradition, dass der Musikverein am Heiligen Abend oder auch schon am Heiligen Nachmittag Weihnachtslieder im Ort erklingen lässt. So auch in diesem Jahr: An mehreren Stationen im Ort, so etwa vor den Fenstern des Seniorenzentrums oder unter den Bäumen der Waldsiedlung, trafen sich die Musizierenden und auch viele Zuhörer und stimmten sich auf die Weihnachtsfeiertage ein. Dazu passend gab es an den Stationen Glühwein und Gebäck – „mehr zur Stärkung als zum Aufwärmen“, wie Vereinsvorsitzende Fredrick Barth berichtet. Denn, dass bei „Leise rieselt der Schnee“ die Schneeflocken fallen, blieb auch dieses Jahr nur ein unerfüllter Weihnachtswunsch. Einen Vorteil habe das allerdings gehabt: „Die Instrumente waren warm und man konnte auf Handschuhe beim Spielen verzichten.“
Tradition soll bleiben
Die Assenheimer wurden wieder von der Blaskapelle, die durch den Ort zog, mit Weihnachtsliedern auf den Heiligen Abend eingestimmt. Diese Tradition reicht bis auf das Gründungsjahr der Blaskapelle 1934 zurück. Start war in diesem Jahr um 17 Uhr vor der protestantischen Kirche, dort konnten die Besucher nach dem Gottesdienst vor den Kirchentüren den festlichen Bläserklängen lauschen. Dann zogen die Musizierenden weiter zu drei weiteren Stationen in Assenheim. Jeweils etwa 15 Minuten lang spielten die elf Musiker der Blaskapelle traditionelle weihnachtliche Melodien. „Im vergangenen Jahr haben wir wegen Corona die festen Haltepunkte eingeführt“, erklärt Blaskapellen-Vorsitzender Mathias Drayß, das habe sich bewährt. Mit seinem Bruder Steffen ist er seit über 30 Jahren mit dabei, und mit Steffen Drayß’ Kindern ist für Nachwuchs gesorgt. „Ich freue mich, dass wir unseren Umzug auch nach Corona wieder hinbekommen“, sagt er. Und Matthias Drayß sagt überzeugt: „Die Tradition darf nicht sterben“, denn der musikalische Zug durchs Dorf komme gut an, wie schon die große Zahl der Zuhörer vor der Assenheimer Kirche bewies.
Einstimmen auf Heiligabend
In Hochdorf haben am Heiligen Abend um 21.45 Uhr die Glocken der Pfarrkirche St. Peter schon eine halbe Stunde vor Beginn der Christmette zum Turmblasen geläutet. Seit fast 40 Jahren ist es Tradition, dass die Blechbläser des Katholischen Musikvereins die Besucher von der Turmstube aus mit ihrem weihnachtlichen Spiel begrüßen. In diesem Jahr machten sich acht Musiker auf den beschwerlichen, steilen Weg in die Turmstube, und nach dem zehnten Glockenschlag erklangen die traditionellen Weihnachtsliedern wie „Alle Jahre wieder“, „Herbei, oh Ihr Gläubigen“ oder „Tochter Zion“. „Einige der Musiker sind seit Jahrzehnten bei diesem besonderen Auftritt dabei“, sagt Claudia Kernberger, die sich seit vielen Jahren um die Zusammenstellung der Musiker kümmert.
Unten auf der Straße fanden sich nicht nur die zur Kirche eilenden Gottesdienstbesucher ein, viele Zuhörer seien extra an die Kirche gekommen, um sich mit den Bläserklängen auf die Heilige Nacht einstimmen zu lassen. Dabei wünschten sie Freunden, Bekannten und Nachbarn „Frohe Weihnachten“. Nach dem Turmspiel eilten die Musiker in die Kirche, als Teil der Kapelle des Musikvereins musizierten sie auch während der Christmette.