Dannstadt-Schauernheim RHEINPFALZ Plus Artikel Turmbläser: Ein ungewöhnlicher Auftrittsort

Christian Magin zeigt, wie wenig Platz der Glockenraum im Turm der katholischen Kirche St. Michael im Ortsteil Dannstadt dem Dut
Christian Magin zeigt, wie wenig Platz der Glockenraum im Turm der katholischen Kirche St. Michael im Ortsteil Dannstadt dem Dutzend Musiker für das Turmblasen bietet. Die Glocken und ihre Tonlagen kennt er bestens.

In diesen Auftrittsraum kommt man nicht so einfach. Trotzdem sorgen die Turmbläser in Dannstadt seit 25 Jahren in der Adventszeit für die passende Stimmung. Wie es ist, vom Kirchturm der katholischen Kirche St. Michael zu spielen, berichtet Organisator Christian Magin. Zum Jubiläum hat sich Truppe übrigens einige Extras ersonnen.

Eine Anstellleiter und zwei festinstallierte Stahlleitern gilt es alle Jahre wieder zu überwinden, um im engen Kirchturm in den noch engeren Glockenraum ganz oben zu gelangen. Dort müssen die Musiker um Christian Magin herum teils auf das Gebälk klettern, das die Glocken trägt, oder unter diesen hindurch zu ihrer Position krabbeln. Das erfordert eine gewisse Fitness und Beweglichkeit, zumal sie alle mit ihren Instrumenten unterwegs sind. Als sie vor einem Vierteljahrhundert zum ersten Mal die Gottesdienstbesucher am ersten Advent mit weihnachtlichen Melodien beschenkten, war alles etwas einfacher: Denn der Glockenraum war leer, die schweren Instrumente bei der fachmännischen Sanierung.

Ursprünglich glaubte niemand, dass diesem ersten Auftritt am ersten Advent 1997 weitere folgen würden. Denn sobald die Glocken hängen, biete der Raum den Musikern nicht mehr genügend Platz. Doch Magin schaute sich alles selbst noch einmal an und kam zu dem Schluss: Ja, es ist in der Tat sehr eng, aber es geht. Das Jubiläum der Turmbläser in Dannstadt bestätigt diese Einschätzung des damals 19-Jährigen. Dass er das 24 weitere Jahre tun würde, daran habe er damals nicht gedacht.

Samt Instrument die vielen Leitern hinauf

Ob er sich jetzt vorstellen kann, die Turmbläser weitere 25 Jahre zur Weihnachtszeit zusammenzutrommeln? „Nein, das kann ich nicht“, gibt Magin zu. Denn es werde immer schwieriger, genügend Mitstreiter zu finden. Einige wohnten mittlerweile nicht mehr in der Region, andere wollten vor allem Heiligabend mit ihren Familien verbringen und nicht auf dem Kirchturm. Nicht zu vergessen: „Wir werden ja auch nicht jünger, und ob ich es mit 69 noch samt Instrument die Leitern hoch schaffe, weiß ich nicht“, hebt er einen nicht ganz unwichtigen Aspekt hervor.

Von der ursprünglichen Truppe seien noch vier Leute dabei – ihn selbst mit eingerechnet. Über die Jahre hätten insgesamt 36 Musiker beim Turmblasen mitgemacht, manche nur einmal, manche mehrere Male, einige mit Pausen. „In den 25 Jahren hatten wir zwölf Trompeter, drei Waldhornspieler, fünf Posaunisten, vier Teilnehmer mit Tenor- oder Baritonhorn, eine Tuba und elf verschiedene Glöckner am Start“, berichtet der Organisator. Der letzte Punkt bringt ihn auf eine Besonderheit der Dannstadter Turmbläser zu sprechen. „Dass wir nicht nur vom Turm spielen, sondern zusammen mit den Glocken, ist meines Wissens nach äußerst selten“, sagt er.

Beim Glühwein vor dem Brunnen

Für das 25-Jährige haben sich die acht Blechbläser und vier Glöckner, die dieses Mal antreten, einige Neuheiten einfallen lassen. So werden sie nach dem eigentlichen Turmblasen am ersten Advent, 27. November, von 10 bis 10.30 Uhr, das letzte Lied im Gottesdienst in der Kirche mitspielen. „Die Glöckner, die auch Querflöten spielen, können, wenn sie mögen, mitmachen“, kündigt Magin an. Nach der Messe gibt es, sofern gutes Wetter herrscht, einen Glühweinausschank am Brunnen vor der Kirche. „Da wollen wir dann auch noch mal zwei oder drei Lieder spielen“, sagt er.

An Heiligabend ist der Auftritt der Turmbläser vor der Christmette von 16.30 bis 17 Uhr geplant, auch hier soll es hinterher einen kleinen Glühweinausschank geben, wenn das Wetter es zulässt. Darüber hinaus wird das Ensemble am ersten Weihnachtsfeiertag in der katholischen Kirche in Schauernheim beim Gottesdienst ab 18 Uhr drei Lieder vortragen. Anschließend möchten die Klangkünstler um Magin auch dort den Zuhörern neben einem Glühwein noch einige Lieder gönnen.

In 25 Jahren Turmblasen haben seine Mitstreiter und er selbstredend schon einiges erlebt. Als besonders angenehm in Erinnerung geblieben ist Magin ein Jahr, in dem sich leichter Pulverschnee auf die Glocken gelegt hatte . „Das sah wirklich schön aus“, schwärmt er. Auch beträchtliche Temperaturunterschiede hat die Truppe mitgemacht, von bitterkalt bis zu fast schon zu warmen 17 Grad Celsius. Vergangenes Jahr sind die Musiker aufgrund der Pandemie auf das Dach des benachbarten Pfarrhauses ausgewichen, da sie im engen Turm den nötigen Mindestabstand zueinander nicht hätten einhalten können. Nach all den Jahren hegt der Organisator immer noch einen Wunsch: Einmal genügend Mitstreiter zu finden, damit er selbst von unten zuhören kann, wie die Dannstadter Turmbläser klingen.

Was macht Christian Magin den Rest des Jahres, wenn er nicht gerade das Turmblasen vorbereitet? „Ich arbeite beim Landesrechnungshof, wo ich Unternehmen prüfe, die dem Land gehören“, verrät der 44-Jährige. In seiner Freizeit wirkt er in zwei Bigbands mit, wo er ebenfalls Bassposaune spielt. „Außerdem singe ich im Chor ,Lichtblicke’ der katholischen Kirche in Dannstadt“, erzählt er.

x