Was war, was kommt RHEINPFALZ Plus Artikel Trotz Corona möchte Mutterstadt weiter investieren

Mutterstadts Ortsmitte ist nach der Neugestaltung ein beliebter Anziehungspunkt – das gefällt nicht jedem Anwohner.
Mutterstadts Ortsmitte ist nach der Neugestaltung ein beliebter Anziehungspunkt – das gefällt nicht jedem Anwohner.

Auch Mutterstadts Wirtschaft litt und leidet unter Corona, das bedeute weniger Steuereinnahmen für die Kommune und Defizit in den Haushalten. Dennoch soll an den geplanten Investitionen festgehalten werden – und dafür gebe es mehrere Gründe, erläutert Bürgermeister Hans-Dieter Schneider (SPD).

Ein bisschen verwöhnt waren die Mutterstadter schon in den vergangenen Jahren. Regelmäßig wiesen die Haushaltsplanungen zwar Minusbeträge aus, aber am Jahresende stand dann unterm Strich doch meist ein Plus, zuletzt 2019 mit 1,16 Millionen Euro. Wäre das für 2020 auch gelungen, hätte das wohl an ein Wunder gegrenzt. 2,87 Millionen Euro Defizit wies die Gemeindebilanz nach Gegenüberstellung der Einnahmen und Aufwendungen am Ende aus. 2021 plant die Kommune mit einem Defizit von 1,6 Millionen Euro im Ergebnishaushalt.

Corona beutelte Mutterstadts Wirtschaft: „Wir hatten eine Million Euro weniger Gewerbesteuereinnahmen und 550.000 Euro weniger Einnahmen beim Anteil an den Gemeindesteuern“, sagt Bürgermeister Schneider. Das Minus im Haushalt 2020 war somit besiegelt.

Doch es war nicht alles schlecht im ersten Corona-Jahr: Die Gemeinde hat vor allem in die junge Generation und Infrastruktur investiert. Und, um es vorwegzunehmen, sie wird es auch in diesem Jahr weiter tun. Einen Sanierungsstau soll vermieden werden, erläutert Schneider. Darum habe man an alle Bauvorhaben festgehalten – trotz Corona. Über die Notwendigkeit sind sich alle Ratsfraktionen weitestgehend einig, in der vergangenen Woche wurde der Haushaltsplan 2021 einstimmig beschlossen. Und es habe weitere gute Gründe gegeben: Mit der auf 16 Prozent herabgesetzten Mehrwertsteuer bis Ende 2020 konnte doch einiges gespart werden. „Und: Wer weiß, ob in Zukunft die Fördertöpfe noch so gefüllt bleiben“, gibt der Ortschef zu bedenken.

Neue Kita- und Schulplätze

Für viele sichtbar war die Sanierung des über 100 Jahre alten Gebäudes der Pestalozzi-Grundschule, denn es war eingerüstet. 420.000 Euro wurden schon „verbaut“. Für dieses Jahr sind 2,66 Millionen Euro für die Renovierung von Schulgebäude und Turnhalle sowie den Aufbau des Kindercampus samt neuer Kita eingeplant. Das alte Schulgebäude wird am Ende bis auf die Grundmauern renoviert sein und unter anderem mit neuen Fußböden, Decken, Heizkörpern und einer neuen IT-Ausrüstung ausgestattet sein.

Mit der Fertigstellung des neuen Bauhofs im Gewerbegebiet 2020 kann nun das alte Gebäude abgerissen werden, das ans Gelände der Pestalozzi-Grundschule angrenzt. Dann ist der Weg frei für das neue Kita- und Hortgebäude. Zwar ist das ein Ersatzbau für die Kita an der evangelischen Kirche, aber dennoch werden 60 Kita-Plätze neu entstehen, insgesamt sind es sieben Gruppen mit 140 Plätzen. Weiterer Synergie-Effekt ist die geplante Mensa, in der für Kita und Schule gekocht werden soll. Die Grundschule wird ihre Betreuung bis in den Nachmittag hinein ausweiten. Das wird mit der Erweiterung um vier Klassen- und vier Betreuungsräume möglich, sodass 80 Kinder mehr aufgenommen werden können. Derzeit besuchen rund 220 Kinder die Schule. Für den Ausbau hat die Gemeinde Grundstücke erworben. Über die Veränderungen sollen auch die Anwohner in diesem Jahr bei einem Info-Abend informiert werden.

1200 neue Bürger

Ausbau der Schulbetreuungszeiten, mehr Kita-Plätze und die Gemeinde denkt auch schon an eine weitere Kita – all das ist auch notwendig, denn im Südwesten der Gemeinde ist ein weiteres, etwa 20 Hektar großes Baugebiet geplant. „Wir rechnen nach Bebauung mit rund 1200 neuen Bürgern“, sagt Schneider. Doch wahrscheinlich werden dort erst in zwei, drei Jahren die Bagger rollen. Gern hätte die Gemeinde schon im vergangenen Jahr mehr Grundstücke dafür erworben, das war nicht möglich. Für dieses Jahr sind dafür eine Million Euro eingeplant.

Genau dieser Betrag ist im vergangenen Jahr durch den Verkauf der Grundstücke im erweiterten Gewerbegebiet eingenommen worden. Das neue Raiffeisen-Waren-Zentrum hat dort bereits seine Pforten geöffnet, Frigo-Trans mit Sitz in Fußgönheim wird es wohl in diesem Jahr. Ein weiteres Grundstück ist ebenfalls für einen regionales Unternehmen vorgesehen, das expandieren möchte.

Unter Corona litt nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Vereine kämpften, weiß Schneider. Helfen konnte die Gemeinde zum Beispiel, in dem Proben von Gesang- und Musikvereinen in der Walderholung ermöglicht wurden. An der Stelle wird auch in das Dach der Waldfesthalle investiert, insgesamt 200.000 Euro. Auch der Betrieb der TSG war und ist massiv eingeschränkt, ebenso der des Palatinums. „Anstatt 80.000 Euro Einnahmen hatten wir nur 20.000 Euro“, so der Bürgermeister. Dadurch leidet auch die dortige Gaststätte. Die Gemeinde helfe, wo es möglich sei, denn „wir wollen den sehr zuverlässigen Pächter halten“, sagt Schneider. Helfen könnte in Zukunft die geplante neue Terrassen-Überdachung für eine besser Außengastronomie und die neue Küchentechnik. Zusammen mit dem Brandschutzmaßnahmen werden 150.000 Euro investiert. Im vergangenen Jahr bekam das Palatinum unter anderem eine neue Außenbeschattung und Klimaanlage.

Hohe Vandalismusschäden

Markanter Punkt in der Ortsmitte ist die Neue Pforte, doch neu ist der Gebäudekomplex, in dem die Bibliothek und der Jugendtreff sind, schon längst nicht mehr. Fenster, Eingang, Windfang und Rampe wurden bereits erneuert. Das Dach, der Innenbereich der Bücherei und der Jugendtreff werden 2021 zusammen für rund 650.000 Euro saniert. Beide Institutionen werden sich dann auch konzeptionell verändern.

Lärm und Verkehr sind immer wieder ein Thema in Mutterstadt. Im Sommer 2020 waren einige Anwohner genervt von den vielen Leuten, die die Außengastronomie in der neuen Ortsmitte ausgiebig genutzt hatten. Doch es war wohl eine subjektive Einschätzung: „Viele Bürger empfanden das nicht so“, sagt Schneider. Dennoch waren – wahrscheinlich aufgrund mangelnder Alternativen wegen der Corona-Bestimmungen – mehr Jugendliche lautstark unterwegs. Die Gemeinde hat reagiert und eine Kooperation mit dem Ordnungsamt Limburgerhof in die Wege geleitet, sodass man mehr Präsenz zeigen könne. Unter anderem auch an der Walderholung, denn dort kostete die Gemeinde der Vandalismus im vergangenen Jahr 21.000 Euro.

Das seien aber für den Bürgermeister nur Ausreißer. Was ihn wirklich trauriger stimmt, ist der fehlende Kontakt zu den Bürgern seit Corona. Die Verwaltung blieb zwar unter Auflagen immer geöffnet, doch der Austausch finde ja auf Festen, Kulturveranstaltungen oder Empfängen statt. „Und das fehlt mir sehr“, sagt er und hofft, „dass unser Gemeindeleben bald wieder Fahrt aufnehmen kann.“

Die Serie

Was wurde 2020 alles erledigt, was steht 2021 an? Wir haben mit den Bürgermeistern im Rhein-Pfalz-Kreis gesprochen, ziehen mit ihnen Bilanz und blicken voraus
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