Rhein-Pfalz Kreis Total lokal

Auf eine Zigarette mit Peter Hilpert: Er hat früher auf der Fähre gearbeitet und kann viele Geschichten erzählen.
Auf eine Zigarette mit Peter Hilpert: Er hat früher auf der Fähre gearbeitet und kann viele Geschichten erzählen.

«Altrip.»Warum gibt es in Waldsee die schöneren Grünflächen, mehr Blumen? Warum gilt in Altrip noch nicht überall Tempo 30? Was tut sich in Sachen Polder? Wie ist es um die Qualität der Seen in den Rheinauen bestellt? Wann werden endlich die Busverbindungen besser? Und welche Art von Supermarkt wird wohl demnächst in Neuhofen gebaut? Alles Fragen, die die Altriper umtreiben. Antworten erhoffen sie sich, in ihrer RHEINPFALZ zu finden. Das klappt schon ganz gut, sagt Jürgen Geitlinger. „Aber es kommt mir noch zu wenig Lokales vor“, sagt er. Gerhard Schumacher pflichtet ihm bei. Die Leute müssten über das, was vor ihrer Haustür passiert, stets informiert sein. Dann engagierten sie sich mehr für ihren Heimatort. Dann würden mehr Blumen in Altrip blühen. „Das, was in der Welt passiert, finde ich über Google. Das, was bei uns passiert, will ich in der Zeitung lesen. Auf Papier. Beim Frühstück“, sagt Jürgen Geitlinger. Dabei werde dann als erstes geschaut, was im Dorf so los ist. Und im Kreis. Der Blick fällt auch auf Ludwigshafen. Und natürlich auf den Baby Blues. Aber wo ist bloß der Witz? Eine Redaktion-vor-Ort-Besucherin vermisst schmerzlich das „Heit schunn gelacht?“. Was für ein Glück, dass es Rainer Hochlehnert gibt. Er ist überzeugter Altriper, ein guter Unterhalter und hat jede Menge Witze im Repertoire. Und so lachen die Menschen gestern vorm Nah und Gut mit der Frühlingssonne um die Wette. Überhaupt gibt es nette und auch sehr witzige Menschen in Altrip. Peter Hilpert etwa sitzt der Schalk im Nacken, wenn er über seine Zeit als Mitarbeiter auf der Fähre erzählt. Sein Lieblingsspruch beim Kassieren: „Wollen sie ganz rüber oder zwischendurch umsteigen?“ Und wenn sich einer über die Preise beschwerte, war Hilpert um keine Antwort verlegen. „Sind sie doch froh, dass die ganze Person 50 Cent kostet. Stellen sie sich mal vor, wir würden nach Kilo abrechnen ...“ Hilpert zieht an seiner Zigarette und grinst. Es mag die Plauderei vor dem RHEINPFALZ-Stand. Aber wo sind bloß die Bürgermeisterkandidaten? Wo sind sie geblieben? Das wundert dann doch den ein oder anderen Altriper. Denn schließlich sind es fünf Kandidaten aus ihrem Ort. Zwei bewerben sich für das Amt des Orts-, drei um das Amt des Verbandsbürgermeisters. Und dann kommen sie nicht zu solch einem Treffpunkt? Der Streit um das Ärztehaus ist nur am Rande Thema. „Aber darüber habt ihr in der RHEINPFALZ wenigstens ausführlich berichtet“, sagt ein Mann. Alban Lauer kann über die ganze Sache nur den Kopf schütteln. Dass sich Einzelne so gegen die so wichtige Einrichtung wehren, kann und will er einfach nicht verstehen. Dabei sei es in Altrip doch an sich so schön. Der gebürtige Saarländer lebt sehr gerne hier am Rhein. „Alles ist grün, man kann baden, Rad fahren ...“ Das Leben im Ort sei prima. Nur: „Eine Straßenbahnanbindung wäre noch das Gelbe vom Ei.“ Dass sich das Angebot des Öffentlichen Personennahverkehrs verbessert, wünscht sich auch eine ältere Dame, die vor zwei Jahren aus Ludwigshafen hergezogen ist. Die Taktung sei nur schwer mit Terminen in der Stadt zu vereinbaren, findet sie. Sind deshalb so viele Menschen mit dem Rad in Altrip unterwegs? Vom Strampeln wird das Klima zumindest nicht schlechter. Rolf Clasen – aus Hamburg zugezogen – wird es im Sommer manchmal zu stickig. Aber dafür kann der Altriper an sich ja nichts. Nur an der Integration könnte er arbeiten. „Altriper wird man nur durch Geburt“, sagt Richard Olf mit einem Augenzwinkern. Er lebt seit 58 Jahren im Ort, ist in der SPD aktiv und seit 19 Jahren Vorsitzender der Lokalen Agenda 21. Auch wenn er kein echter Altriper mehr werde, „es ist ein schöner Ort“. Olf bleibt dann doch nicht der einzige aktive Kommunalpolitiker an diesem Morgen. Wenn schon die Kandidaten nicht erscheinen, kommt zumindest der amtierende Ortsbürgermeister Jürgen Jacob vorbei. Er ist doch neugierig, wer sich so am Stand der Zeitung versammelt. Außerdem will er Werbung machen. Für die Perle Altrip. Die dieses Jahr immerhin 1650 Jahre alt wird. Schlüsselbänder, Kühlschrankmagnete – und Bierdeckel gibt’s. Schließlich soll auf den Geburtstag kräftig angestoßen werden. Die Deckel sind bunt und witzig gestaltet. Am besten kommt der grüne an, der mit Luise Rheinschnake. Die das Motto ausruft: „Altrip? Alles meins!“ Auch eine Lokalpatriotin. Einer, der egal ist, dass Waldsee geblümelter als Altrip ist. Sie will keine Blumen. Sie will Blut.

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