Rhein-Pfalz Kreis Tief Luft holen – und rein

„Wir helfen gerne“: Sarah Scheib und Andreas Mut sind Polizeikommissare in der Grünstadter Inspektion.
»Wir helfen gerne«: Sarah Scheib und Andreas Mut sind Polizeikommissare in der Grünstadter Inspektion.

Die Polizeikommissare Sarah Scheib und Andreas Mut haben vergangene Woche einen Mann in Grünstadt aus seiner verrauchten Wohnung geholt und ihm damit wohl das Leben gerettet. Im RHEINPFALZ-Gespräch berichten die beiden Beamten, wie der Einsatz abgelaufen ist.

Sarah Scheib und Andreas Mut sind ein eingespieltes Team. Die 27-jährige Polizistin und der 31-jährige Polizist der Grünstadter Inspektion fahren oft zusammen Streife. So auch in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag. Sie kontrollieren gerade einen Autofahrer in Kirchheim, als gegen 23 Uhr der Funkspruch kommt, dass Qualm aus dem Fenster einer Wohnung in Grünstadt steigt. Eine Nachbarin hat die Beamten informiert. Scheib und Mut brechen die Kontrolle ab, fahren nach Grünstadt. Unterwegs erklärt Scheib dem Polizeipraktikanten, der das Team in der Nacht begleitet, wie gefährlich eine Rauchgasvergiftung sein kann. Scheib und Mut sind vor Ort die ersten, sehen den Qualm aus dem Fenster steigen. Sie haben Glück, müssen die Wohnungstür nicht aufbrechen: „Der Mann hat die Tür aufgemacht und ist wieder zurück in seine Wohnung“, berichtet Mut. Der Polizist holt tief Luft, geht hinein, zieht einen Topf mit verkohltem Essen vom Herd und stellt ihn in die Spüle. Die Wohnung ist durch den Rauch vernebelt. „Ich konnte ihn nicht mehr sehen“, sagt Scheib über ihren Kollegen. Mit Worten halten sie Kontakt. Feuer sehen die Beamten nicht. Die Polizisten bemerken, dass der Bewohner benommen ist. „Man hat ihm angesehen, dass er schon ganz viel Rauch eingeatmet hatte“, sagt Scheib. Was dann passiert, beschreiben die Polizisten so: Mut versucht von hinten, den Mann aus der Wohnung zu schieben, Scheib nimmt ihn von vorne an der Hand. Es klappt nicht. Scheib bietet ihm das „Du“ an: „Ich bin die Sarah.“ Das habe bewirkt, dass der Mann Vertrauen bekommt. Gemeinsam gehen sie die Treppe hinunter, der Praktikant hilft. Unten ist der Rettungsdienst angekommen, die Sanitäter kümmern sich um den alkoholisierten Mann, der mit einer Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus kommt. Dann trifft die Feuerwehr ein. Polizisten und Feuerwehrleute wissen nicht, was sie erwartet, wenn sie eine Tür öffnen. Sie wissen nicht, ob dort ein Mensch wohnt oder zehn. Was denkt man also, wenn es in einer Wohnung qualmt? „Im Kopf hat man nur: Alle Menschen müssen raus“, berichtet Scheib. Das sei das Wichtigste. Also: Kontrollieren, ob noch jemand in der Wohnung ist. Keine Zeit für lange Gespräche oder Diskussionen. „Ich habe keine Angst, da ein bisschen gröber zu reden, weil die Leute in dem Moment ja selbst nicht wissen, was los ist“, sagt Mut. Die Polizisten sind geschult, sie kennen die verschiedenen Farben von Rauch, wissen, wann sie besser nicht in brennende Häuser gehen. „Ich habe schon Brände gehabt, da bin ich nicht rein, habe abgewartet, bis die Feuerwehr da war“, erklärt Mut. Der guten Nase der Nachbarin und dem beherzten Eingreifen der Polizisten habe der Mann wohl sein Leben zu verdanken, heißt es später im Polizeibericht. Andreas Mut ist seit zehn Jahren Polizist, Sarah Scheib seit sieben Jahren Polizistin. Sie lieben ihren Beruf, weil er vielseitig ist. Und obwohl die Polizisten oft gerufen werden, wenn Menschen in Ausnahmesituationen sind, bei Unfällen oder Unglücken, erleben sie viel Gutes im Einsatz. „Man kann vielen Menschen helfen“, erzählt Scheib. „Das Danke am Ende ist viel wert.“ Im Einsatz seien die Polizisten auch Seelsorger und Psychologen, Menschen, die Sicherheit vermitteln: „Wir nehmen viele Funktionen ein.“ Mut nennt zwei weitere Eigenschaften, die Polizisten mitbringen: „Jeder ist risikobereit. Und wir sind ein bisschen Weltverbesserer.“ Und doch gibt es sie, die Erlebnisse, die man nicht mit der Dienstkleidung abstreift, wenn man nach Hause geht. „Das sind eher die ruhigen Momente“, sagt Mut. Wenn sich jemand das Leben genommen hat, wenn ein Jugendlicher in die Psychiatrie kommt, wenn jemand bei einem Unfall gestorben ist. „Es sind die persönlichen Schicksale, über die ich öfter noch nachdenke“, bestätigt Scheib.

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