Speyerer Umland RHEINPFALZ Plus Artikel Tempo-30-Figuren: Lob, Ignoranz, Zerstörung

Nicht zu übersehen: Bunte Figuren, die Autofahrer dazu bringen sollen, vom Gas zu gehen, am Dudenhofener Ortseingang aus Richtun
Nicht zu übersehen: Bunte Figuren, die Autofahrer dazu bringen sollen, vom Gas zu gehen, am Dudenhofener Ortseingang aus Richtung Speyer.

Zuerst standen sie in Lingenfeld, seit ein paar Tagen gibt es sie auch in Dudenhofen und Harthausen: Bunt bemalte Figuren, die Verkehrsteilnehmer dazu anhalten sollen, Tempo 30 zu fahren – freiwillig in den meisten Fällen, denn auf den Hauptstraßen sind weiterhin 50 Stundenkilometer erlaubt. Trotz Vandalismus und fehlender Datengrundlage, ob dadurch langsamer gefahren wird: Die Macher sind von ihrer Aktion überzeugt.

Klotzen, nicht kleckern war offenbar das Motto in Dudenhofen und Harthausen. Seit Anfang Oktober stehen rund 100 lebensgroße Holzfiguren an markanten Stellen in beiden Gemeinden. Sie sind von Kindern und ihren Eltern bei Malaktionen gestaltet worden. Initiatoren sind der Ortsverein in Dudenhofen und die Bürgerinitiative „Ruhe statt Lärm“ in Harthausen. Stehenbleiben sollen die Holzfiguren vorerst bis Ende des Jahres. Die Ortsbürgermeister von Harthausen, Harald Löffler (CDU), und Dudenhofen, Jürgen Hook (SPD), unterstützen die Aktion ebenso wie Landtagsabgeordneter Michael Wagner (CDU). Finanziert wurde sie durch Spenden und Zuschüsse.

„Vorrangiges Ziel ist es, ein Zeichen für mehr Sicherheit auf unseren Straßen zu setzen. Hierzu zählt die Einhaltung der vorgeschriebenen Geschwindigkeiten, gegenseitige Rücksichtnahme und, wenn möglich, Verzicht aufs ,Elterntaxi bis zum Klassensaal’“, sagt der Dudenhofener Ortsvereinsvorsitzende Manfred Hick. Außerdem solle die generelle Einführung von Tempo 30 innerorts und die Erarbeitung und Umsetzung von Schulwegekonzepten in den Ortsgemeinden angestoßen werden. Und auch die Umwelt werde durch langsameres Fahren geschont, weil weniger CO2 ausgestoßen werde.

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Vorbild Lingenfeld

Vorbild für die Aktion war ein ähnliches Projekt in Lingenfeld, wo vor rund anderthalb Jahren zirka 20 Figuren aufgestellt wurden, die für Tempo 30 werben. Anfangs wurde dort eine ganze Reihe von Figuren innerhalb kurzer Zeit zerstört oder gestohlen. Es schien fast so, als habe es jemand gezielt darauf abgesehen. Das ist laut Steffen Deubig, Sprecher der Bürgerinitiative „Lebenswertes Lingenfeld“, mittlerweile nicht mehr der Fall. Ab und zu gebe es noch Vandalismus durch „Halbstarke“. Laut Ortsbürgermeister Markus Kropfreiter (SPD) seien kürzlich zwei Jugendliche erwischt worden, wie sie Figuren beschädigten. Die jungen Leute hätten dann selbst neue Figuren als Ersatz gebaut. Im Gegenzug sei auf eine Anzeige verzichtet worden.

In Dudenhofen ist laut Hick ebenfalls schon eine Figur in der Iggelheimer Straße zerstört worden, eine andere wurde umgebogen. Hick hofft, dass dies die Ausnahme bleibt. „Bei weiteren Beschädigungen werden wir Strafanzeige erstatten“, sagt er.

Er freue sich, dass die Lingenfelder Aktion auch in anderen Orten Nachahmer findet, sagt Deubig. Überhaupt sei die Zusammenarbeit mit dem Dudenhofener Ortsverein sehr eng. Beiden Initiativen liegt am Herzen, den Verkehr im Ort zu reduzieren oder zumindest dafür zu sorgen, dass langsamer gefahren wird. Das Problem in beiden Orten: Die viel befahrenen Durchgangsstraßen sind Kreis- oder Landesstraßen, auf denen die Ortsgemeinden nicht einfach Tempo 30 anordnen können.

Positive Reaktionen

Bis es vielleicht doch eine Geschwindigkeitsbegrenzung gibt, will man also über Appelle etwas erreichen. „Diejenigen, die nachts durch den Ort rasen, kriegt man damit natürlich nicht“, ist Deubig klar. Ihm geht es eher um jene, die mal gedankenlos zu schnell unterwegs sind, weil sie nicht auf den Tacho schauen. Da nimmt er sich selbst nicht aus.

Durch die meisten Reaktionen fühlt er sich bestätigt. „Gerade am Anfang gab es jede Menge positive Rückmeldungen“, sagt er. Und auch Kropfreiter bestätigt, dass er immer wieder darauf angesprochen wird und das Thema durch die Figuren ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt worden sei. Manfred Hick berichtet ebenfalls von „sehr positiven Reaktionen“. Die Figuren seien auch ein „kleines Schmuckstück“ für den Ort.

Aber bewegen die bunten Figuren Autofahrer tatsächlich dazu, den Fuß vom Gas zu nehmen? „Mein Gefühl ist, dass langsamer gefahren wird. Aber beweisen kann ich es nicht“, sagt Kropfreiter. Auch Manfred Hick hat – nachdem die Figuren nun seit einigen Tagen stehen – den Eindruck, dass sie etwas bewirken. Besonders an den Ortseingängen habe er das Gefühl, dass viele Fahrer abbremsen, wenn sie die Figuren wahrnehmen.

Wer kontrolliert?

Die Verkehrsteilnehmer durch Schilder zum langsamen Fahren zu ermahnen ist das eine, das Einhalten von Tempolimits zu kontrollieren das andere. In Lingenfeld hat die BI die Fraktionsvorsitzenden im Verbandsgemeinderat deshalb angeschrieben. Das Ziel: Die VG soll sich mit anderen Gemeinden zu einer „Blitzergemeinschaft“ zusammenschließen und die Überwachung des Verkehrs so selbst übernehmen. Anders als im Rhein-Pfalz-Kreis, wo der Kreis diese Aufgabe ab dem kommenden Frühjahr mit eigenem Gerät von der Polizei übernimmt, will der Kreis Germersheim nicht selbst den Verkehr überwachen und Temposünder aufspüren.

Zunächst wollen die vom Verkehr geplagten Bürger aber ohnehin erst einmal erreichen, dass auf allen Straßen in den Orten Tempo 30 gilt. Laut Deubig und Kropfreiter sei dies für Lingenfeld beim Landesbetrieb Mobilität beantragt. Zwar haben in der Vergangenheit schon viele Gemeinden vergeblich versucht, eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern auf sogenannten klassifizierten Straßen durchzusetzen. Aber Ortschef Kropfreiter hat trotzdem Hoffnung, dass es in diesem Fall klappen könnte. „Die Lärmgrenzen sind Anfang des Jahres geändert worden“, erklärt er.

Grundsätzlich sollen die Lingenfelder Figuren stehen bleiben, bis das Ziel erreicht ist. „Es kann aber sein, dass wir sie im November abbauen, um sie über den Winter wieder mit Farbe aufzufrischen“, sagt Deubig. Er wünscht sich, dass bis zum Frühjahr ein offizielles Tempolimit durchgesetzt ist: „Meine Hoffnung ist, dass wir sie dann gar nicht mehr aufbauen müssen“, sagt er.

Abgeknickt: Aufsteller in der Iggelheimer Straße in Dudenhofen.
Abgeknickt: Aufsteller in der Iggelheimer Straße in Dudenhofen.
Gestohlene Figur: In Lingenfeld gab es 2020 Probleme.
Gestohlene Figur: In Lingenfeld gab es 2020 Probleme.
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