Rhein-Pfalz Kreis Technik für Nostalgiker

Mannheim. In einem unscheinbaren Mehrfamilienhaus im Mannheimer Stadtteil Seckenheim verbirgt sich ein großes Stück moderner Technikgeschichte. Hier hat sich Erwin Schmich einen Traum erfüllt und 2013 sein eigenes kleines Technoseum eröffnet. Das Privatmuseum dokumentiert die Geschichte der Elektroinstallation seit ihren Anfängen zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Damit bereicherte der 76-Jährige die Museumslandschaft des Mannheimer Vororts um eine weitere Einrichtung. Denn neben dem Heimatmuseum kann Seckenheim noch auf ein Handarbeitsmuseum sowie auf Europas einziges Aufzugsmuseum verweisen, das zusammen mit dem Wasserturm kürzlich mit dem Preis für Denkmalpflege ausgezeichnet wurde. Auf Anfrage und zu besonderen Gelegenheiten öffnet Erwin Schmich die Türen in der Zähringer Straße 6. „Wenn mir etwas gefallen hat, dann habe ich es aufgehoben“, erklärt er die Anfänge seiner Sammlung. Interessierte können hier eintauchen in die Welt von der Frühzeit der Elektroinstallationen bis zu alten Telefonen und Volksempfängern, deren Röhren noch aus Wehrmachtsbeständen stammen. Eine Trafostation aus den 20er-Jahren, eines der weltweit ersten Faxgeräte aus dem Jahr 1952, Licht- und Klingelanlagen oder frühe Sicherungskästen sowie ein Röhrenprüfgerät anno 1930 gehören zu den Schmuckstücken. „Es hat mir Spaß gemacht, und ich habe damit meine ganze Familie angesteckt“, sagt der 76-Jährige. Ehefrau, Kinder und Enkelkinder sind Feuer und Flamme für Lichtanlagen, Türklingeln und natürlich Glühbirnen. „Ich bin ein Osram-Fan“, verweist Schmich auf die Prunkstücke: Eine der ersten Glühbirnen mit intaktem Kohlefaden aus der Zeit zwischen 1890 und 1900, eine Kugellampe aus dem Jahr 1910 oder die große Straßenleuchte aus der Schweiz mit dreimal 400 Watt und die Lichtquelle aus einem Filmprojektor mit stolzen 1000 Watt. „Drei Jahre haben wir gebastelt, bis wir so weit waren, dass wir das Ganze auch präsentieren können“, verrät Schmich. „Es war immer mein Traum, aus meiner Sammlung einmal ein Museum zu machen.“ Ein Traum, den er gerne mit anderen teilt. Der Fachmann selbst erläutert auch zunächst unscheinbare Details. „So haben die ersten Elektroinstallationen in den Häusern ausgesehen“, zeigt er auf einige Bleirohre, die noch mit Winkeln verbunden sind. „Erst später hat man die Rohre mit Biegezangen in die passende Form gebogen“, erklärt er mit Blick auf die Bögen nebenan. Doch als Perfektionist ist er nicht ganz zufrieden. „Rohre aus den Anfängen gibt es ja noch ein paar, aber die ursprünglichen Rohrschellen hat man bei der Demontage weggeworfen.“ Ein paar hat er natürlich trotzdem fürs Museum ergattert. Und nicht nur Fachleute kommen auf ihre Kosten: „Ältere Leute kommen hier rein, und kennen die meisten Dinge noch von früher.“ Es muss ja nicht gleich die Steckdose in der Lampenfassung oder die Ruftafel für die Bediensteten aus den herrschaftlichen Räumen sein, mit denen die Besucher schon Bekanntschaft gemacht haben. Aber die Zählertafeln und Sicherungsverteilerkästen kennen wohl alle noch. Für Erwin Schmich ist eben alles museumswürdig. (env)