Rhein-Pfalz Kreis „Tausendmal besser als früher“
«Mutterstadt.» Im April 2016 hat die Neugestaltung der Mutterstadter Dorfmitte begonnen. Inzwischen ist der erste Teil des millionenschweren Großprojekts abgeschlossen. Eine gute Gelegenheit, sich von den Menschen im Ort erzählen zu lassen, was sie vom Ergebnis halten.
„Uns gefällt es unwahrscheinlich gut“, erklärt Birgit Schmitt für sich selbst und stellvertretend für ihren Mann. Der verfolge derzeit oft interessiert das Geschehen an der einstigen Ampelkreuzung in der Mutterstadter Ortsmitte, an der jetzt die Rechts-vor-links-Regelung gilt. „Wie die funktioniert, wissen viele anscheinend noch nicht – als hätten sie keinen Führerschein gemacht“, schildert sie die Beobachtungen. Doch von der Verwirrung mancher Autofahrer abgesehen sei der Ortskern einfach schön gestaltet. Dennoch hat die 56-Jährige noch einen Verbesserungsvorschlag parat: Zusätzlich zu den Querungshilfen könnten für gehbehinderte Passanten Zebrastreifen auf der Fahrbahn angebracht werden. „Damit auch langsamere Fußgänger oder Rollstuhlfahrer leichter über die Straße gelangen“, erläutert sie. „Tausendmal besser als früher“, lautet Ingrid Weschlers (70) Fazit. „Die Gestaltung ist sehr schön. Die Bürgersteige sind schön. Es sieht viel besser aus“, führt sie aus. Seit der Umgestaltung herrsche im Mutterstadter Zentrum wieder mehr Leben. Einzig mit der neuen Verkehrsführung seien einige Leute wohl noch etwas überfordert. „Obwohl Rechts-vor-Links gilt, fahren manche einfach durch“, beschreibt sie ihre Erlebnisse. Auf dem Platz vor der Neuen Pforte, der als nächstes neu gestaltet werden soll, könnte sie sich gut zusätzliche Sitzgelegenheiten vorstellen. Rentner Hans-Werner Weber möchte sich noch kein abschließendes Urteil über das Projekt erlauben. Es sei ja erst ein Teil davon umgesetzt, argumentiert er. „Wie der neue Ortskern geworden ist, kann man erst sagen, nachdem nächstes Jahr auch der Platz vor der Neuen Pforte fertig ist und die Bürgerwünsche hoffentlich berücksichtigt worden sind“, findet er. Der Ist-Zustand sei aber schon mal in Ordnung, das mit dem Verkehr an der Kreuzung eine reine Erziehungssache. Einen Kritikpunkt sieht der 71-Jährige jedoch: den kombinierten Fuß- und Radweg in der Ludwigshafener Straße von der Einmündung Friedrich-Ebert-Straße bis zur Neuen Pforte. „Das Problem ist das Tempo mancher Fahrradfahrer, und dass sie in beide Richtungen fahren dürfen“, erklärt er. Da sollte die Gemeinde vielleicht noch nachbessern, zum Beispiel den breiteren Bürgersteig in einen Gehweg- und einen Fahrradweg-Bereich aufteilen. Ingrid Vollmer (63) wohnt in der Nähe und ist mit der neuen Ortsmitte rundum zufrieden. „Super gut“, bringt sie ihre Zustimmung auf den Punkt. Ebenfalls toll aus ihrer Sicht: „Wenn man vorbeifährt, sitzen jeden Abend Leute da.“ Überhaupt sei die Ludwigshafener Straße jetzt ein Traum. Ansonsten bin ich ganz glücklich, dass die Baustellen weg sind. Die seien eben der Preis für das schöne neue Mutterstadter Zentrum gewesen. „Very nice. Very comfortable.“ Sehr nett, sehr gemütlich. Mit diesen Worten beschreibt Amjad Islam auf Englisch seine Eindrücke. Der 28-Jährige ist vor drei Monaten aus Pakistan nach Mutterstadt gekommen und genießt das Leben im Großdorf. Im neuen Ortskern gönnt er sich mit Freunden an heißen Sommertagen gerne mal ein Eis, verrät er. Neben der Eisdiele gebe es mit Café Elisabeth und Pizzeria zudem weitere einladende Verweilmöglichkeiten. Und der Verkehr? „Everything is clear.“ Ihm ist alles klar in Sachen Rechts-vor-links. Ulrike Nitsch (63) kommt aus dem Schwärmen kaum heraus: „Sehr schön. Es ist wirklich toll geworden.“ Alles wirke jetzt freier und optisch ansprechender. Bleibe zu hoffen, dass der Vorplatz der Neuen Pforte ebenso ansehnlich wird. „Was die neue Verkehrsregelung betrifft, war ich sehr skeptisch. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass das funktioniert“, gibt sie zu. Doch da Oggersheimer und Speyerer Straße leicht versetzt zueinander in die Kreuzung mündeten, klappe es tatsächlich. Außerdem freut Nitsch, dass nach dem Abschluss der Bauarbeiten wieder mehr Parkplätze zur Verfügung stehen und die Sitzmöglichkeiten der örtlichen Gastronomie rege genutzt werden. Ein Problem hat sie jedoch festgestellt: Das Abbiegen von der Schulstraße auf die Ludwigshafener Straße. „Wenn auf den Parkplätzen vor dem Café Elisabeth ein Auto steht, vor allem bei einem großen, sieht man kaum etwas oder nichts“, sagt sie. Eventuell könne die Gemeinde die Situation mit einem Verkehrsspiegel auf der gegenüberliegenden Straßenseite entschärfen, gibt die 63-Jährige einen Denkanstoß.