Rhein-Pfalz Kreis Tanzendes Einhorn und skatende Wildsau
Mutterstadt. Der Spielkreis Fußgönheim hat am Dienstag und Mittwoch das Musiktheater „Das tapfere Schneiderlein“ im Palatinum aufgeführt. Die Kinder und Jugendlichen unterhielten das Publikum im ausverkauften Saal bestens – sowohl schauspielerisch auf der Bühne als auch musikalisch davor.
Der ganze Saal sitzt voller Kinder. Mit dem schulübergreifenden Zeichen für Stille, dem sogenannten Flüsterfuchs, lässt Spielkreisleiterin Bine Stoll alle verstummen. Viele Schulen sind mit ihren Klassen vertreten, und neben den Kleinen der Kindertagesstätte Haus des Kindes aus Mutterstadt sitzen auch Flüchtlingskinder aus Dannstadt im Publikum. Das hungrige Schneiderlein Fridolin betritt die Bühne, seine drei Groschen reichen nicht für das leckere Pflaumenmus, das die Mus-Kathrein verkauft. Der Schneider verspricht den Kindern der Mus-Kathrein Kleidung – und bekommt dafür ein Glas. An dem sind aber leider auch Fliegen interessiert: „Sieben Fliegen brummen hier, sieben Fliegen voller Gier“, singen die Kinder und fallen mit Fliegenklatschen bewaffnet über den Schneider und sein Mus her. Der Spielkreis hat sich für seine Inszenierung des tapferen Schneiderleins einiges einfallen lassen: Die Kinder im Saal helfen eifrig mit, sei es beim Wecken der Mus-Kathrein oder beim Daumendrücken für Fridolin. Als Schneiderlein überzeugen Charlotte und Juliane Ducke, die abwechselnd die Hauptrolle spielen. Ausrufe wie „Ich werde die Prinzessin fangen und die Riesen heiraten!“ sorgen für viel Gelächter. Die Kinder im Publikum haben bei der Vorstellung genauso viel Spaß wie die auf der Bühne. „Oh, da sind die Riesen!“ „Sind die groooß“, kommen erstaunte Rufe aus dem Publikum. Oder auch „lahme Schnecke“ als das Schneiderlein das Wildschwein jagt. Besonders laut gelacht wird beim Streit der Riesen: Beleidigungen wie „Wischmopp“ oder „Kochtopfgoliath“ kommen bei den Kleinen sehr gut an. Besonders beliebt ist die königliche Pflaumengarde, die ihre Aufgabe als Quatschmacher sehr ernst nimmt. Hofmarschall Obermeier versucht, Disziplin und Fitness in die Gruppe mit der Rechts-Links-Schwäche zu bekommen. Als ein tanzender Fliegenpilz mit den Tieren des Waldes zu „Ein Freund, ein guter Freund“ in Ballettschritten über die Bühne tänzelt, klatscht das Publikum sofort mit. Beim Flötenspiel kommt das musikalische Einhorn von allein angelaufen. Es vollführt ein paar freudige Sprünge und legt dann eine kleine Hip-Hop-Tanzeinlage hin. Das Wildschwein, das auf Inlineskates unterwegs ist, ist zumindest vom Ego her nicht zu überbieten: „Ich bin das wildeste Wildschwein der Welt.“ Der Schneider nimmt es gelassen. Eine Baumwurzel später liegt das Untier jammernd und nach Mama rufend am Boden. So lernen die Kinder, dass nicht jeder unbedingt böse ist, nur weil er gefährlich aussieht. Zwischen den Szenen spielt das Orchester. Viele der Schauspieler spielen auch hier mit und verlassen ihr Instrument nur für den Auftritt auf der Bühne. Am Ende wirbt Bine Stoll noch mit einer Anekdote aus der Freizeit für ihren Spielkreis : Eine Mutter hatte vergessen, der Tochter Socken mitzugeben. Drei der ältesten Jungs entschieden sich prompt, in der Stadt rosa Socken zu kaufen. Schließlich erwarben die erwachsenen Herren neben den Socken auch einen Legobagger. Als Andenken bekommt Bine Stoll einen solchen auf der Bühne überreicht. „Spielkreiskinder, egal welchen Alters, sind einfach cool“, findet die Leiterin. |mja