Böhl-Iggelheim
Synagogen-Fundament bleibt erhalten: Geschützt im Verborgenen
Der frühere Standort der Synagoge in der heutigen Schulstraße im Ortsteil Böhl ist bekannt. Ein Gedenkstein erinnert an sie. Da damit zu rechnen war, dass im Boden Überreste der Synagoge sind, seien bei der Planung des Erweiterungsbaus der Johannes-Fink-Grundschule früh die Denkmalschutzbehörden informiert worden, sagt der in Hochdorf-Assenheim ansässige Architekt Christopher Diehl. Die Landesarchäologie Speyer habe zuerst Bedenken gegen den geplanten Neubau geäußert, sagt David Hissnauer, zuständiger Gebietsreferent bei der Landesarchäologie, die zur Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz gehört. Bei Gesprächen, in die die bei der Kreisverwaltung des Rhein-Pfalz-Kreises angesiedelte Untere Denkmalschutzbehörde einbezogen war, sei entschieden worden, dass vor Beginn der Arbeiten durch sogenannte Baggerschürfe der Baugrund erkundet werden soll.
Dabei würden mit einem Bagger vorsichtig Längs- und Querschlitze in den Boden gezogen, erklärt Diehl. Weil beim Ausbaggern eines Geländes vorhandene historische Reste zerstört werden könnten, sei es wichtig, überall dort, wo historische Funde zu vermuten sind, vorher das Gelände mit Baggerschürfen zu untersuchen, erläutert Hissnauer. Die Anzahl der Quer- und Längsschlitze richte sich nach der Größe des Geländes, ergänzt Diehl. Da es Fotos von der Synagoge gibt, habe man den Bereich, in dem die Schlitze gezogen werden sollen, genau eingrenzen können.
In Böhl seien bei den Baggerschürfen im Sommer vergangenen Jahres Fragmente von gemauerten Säulen gefunden worden, berichtet Diehl. Daraufhin sei weitergegraben worden und eine mit Bauschutt aufgefüllte Vertiefung im Boden entdeckt worden. „Diese etwa zehn mal 17 Meter große Vertiefung war das Fundament der Synagoge“, sagt Diehl.
Nachbarhaus „nichtjüdisch“
Die Böhler Synagoge ist laut Hissnauer in der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 zerstört worden. 1940 seien dann noch vorhandene Reste entfernt worden. „Sogar das Fundament sei komplett herausgerissen worden“, sagt Diehl. Im Gegensatz zu vielen anderen Synagogen sei das jüdische Gebetshaus in Böhl wahrscheinlich deshalb nicht angezündet worden, weil es direkt an das Nachbarhaus angebaut war, in dem eine nichtjüdische Familie wohnte, vermutet Hissnauer. Dieses Gebäude steht nach wie vor. Die Fläche des Fundaments sei mit Bauschutt aufgefüllt und Erde darüber aufgebracht worden, ergänzt Diehl.
Aufgrund des Bauschutts habe man genau lokalisieren können, wo das Fundament der Synagoge gewesen war. „Der Fundamentgraben ist ein Bodendenkmal, das erhalten werden muss“, betont Hissnauer. Er habe sich mit der Jüdischen Kultusgemeinde in Speyer in Verbindung gesetzt, die Rechtsnachfolgerin der früheren Böhler jüdischen Gemeinde ist. Die Kultusgemeinde sei in Absprache mit einem Rabbiner damit einverstanden gewesen, dass das Gelände überbaut werden kann, „wenn das Fundament erhalten und geschützt wird“.
Wie Diehl und Hissnauer erklären, sei die unebene Fläche zuerst mit Sand platt gemacht worden. Darüber sei ein Geotextil gelegt und dieses mit einer zehn Zentimeter hohen Feinsandschicht befestigt worden. „So ist das Kulturgut erhalten geblieben und künftige Generationen können es erkennen, wenn wieder einmal aufgegraben wird“, erläutert Hissnauer. In der Bibliothek der Landesarchäologie in Speyer seien alle Informationen zu der früheren Synagoge dokumentiert.
Neuer Plan nötig
Für Diehl war die Arbeit mit der Sicherung des Fundaments nicht getan. Wegen der Erhaltung des Fundaments kann nicht so tief ausgebaggert werden, wie vorgesehen war, deshalb wird nun alles 40 Zentimeter höher als geplant. „Die erforderliche Umplanung ist durchaus eine Herausforderung für einen Architekten“, sagt Hissnauer.
Wie Diehl berichtet, werden die untere Baukante des Neubaus und des neueren Teils des bestehenden Schulgebäudes nun nicht auf gleicher Höhe sein, deshalb ist keine ebenerdige Verbindung der beiden Gebäude möglich. Stattdessen werde eine Rampe gebaut. Eine weitere Rampe sei in Richtung Schulstraße eingeplant worden. Denn hier ist ein Zugang für die Anlieferung zur Küche. Zudem müsse die Tragfähigkeit der Bodenplatte des Neubaus verstärkt werden und bei den Anschlüssen der Ver- und Entsorgungsleitungen seien verschiedene Veränderungen erforderlich. Außerdem seien beim Übergang zum Schulhof und bei der Gestaltung der Außenanlage ein paar Veränderungen notwendig. Der Gemeinderat hat Mehrkosten von 400.000 Euro genehmigt.
Inzwischen ist von dem Fundament der Synagoge nichts mehr zu sehen. Das ausgegrabene Loch wurde wieder zugeschüttet, derzeit verläuft darüber eine Baustraße.