RÖMERBERG RHEINPFALZ Plus Artikel Sven Ofer kümmert sich um Steinkäuze in der Region

Hat in diesem Jahr schon 30 junge Steinkäuze beringt: Sven Ofer.
Hat in diesem Jahr schon 30 junge Steinkäuze beringt: Sven Ofer.

Der Römerberger Sven Ofer setzt sich dafür ein, dass der Steinkauz im Raum Speyer eine Zukunft hat. Die Vögel, die eine besondere Rolle in der griechischen Mythologie spielen, gehören zu den gefährdeten Arten.

Der Steinkauz residiert zwar nicht unter so prominenten Adressen wie ein Uhu-Paar im Speyerer Dom. Doch gehören neben dem Hauptwohnsitz auch eine separate Vorratskammer und eine Zweitwohnung zum üblichen Lebensstandard der zu den gefährdeten Vogelarten zählenden kleinen Eule.

In den vergangenen Jahrzehnten hat die Anzahl der Steinkäuze in Deutschland stark abgenommen. Als Hauptgrund für den Rückgang gilt das Schrumpfen des Lebensraums von „Athene noctua“, wie die Eule in der Wissenschaft heißt. Auf Deutsch: nächtliche Athene, nach der griechischen Göttin der Weisheit. Die kleinen Eulen, die etwa so groß wie Amseln sind, brauchen Gebiete mit alten Bäumen und überwiegend kurz gehaltenen Wiesen. Denn sie nisten für gewöhnlich in Baumhöhlen, vereinzelt auch in Steinbrüchen sowie in Gebäuden, und ernähren sich vorwiegend von Mäusen, Amphibien und Reptilien. Aber auch Insekten wie Käfer und Grillen sowie Singvögel verschmähen sie nicht.

Um dem Steinkauz das Überleben zu ermöglichen, befestigen Naturschützer wie Sven Ofer Röhren an Bäumen in geeigneten Lebensräumen. „120 Brutröhren habe ich in dem von mir betreuten Gebiet zwischen Germersheim und Worms angebracht. In diesem Jahr gibt es neun Steinkauz-Brutpaare. 30 Junge habe ich schon beringt. Ein Brutpaar in Römerberg hat spät Nachwuchs bekommen. Bei ihm schaue ich in den nächsten Tagen nach“, sagt Sven Ofer. Er unterstreicht, dass er in Gebieten, die als Revier in Frage kommen, mehrere solcher Röhren anbringt, weil ein Steinkauzpaar meist drei solcher Behältnisse von 80 bis 100 Zentimetern Länge nutzt: eine für die Brut, eine als Unterschlupf und eine als Nahrungsdepot.

Auch Dom-Uhus im Blick

Ofer, der sich auch um die Uhus im Dom kümmert (wir berichteten), hat 2004/05 die Betreuung der Steinkäuze im Rhein-Pfalz-Kreis östlich der A61 sowie im nördlichen Landkreis Germersheim übernommen. „Der Naturschutzverband Nabu, bei dem ich Mitglied bin, hat damals Brutröhren zur Verfügung gestellt. Später habe ich auch selbst welche gebaut“, teilt der im Hauptberuf als Forstwirt bei der Gemeinde Dudenhofen beschäftigte Familienvater mit. Zu seinen Aufgaben beim Steinkauz-Schutz, dem er sich ehrenamtlich widmet, zählt neben dem Anbringen und Kontrollieren der Brutröhren auch die Beringung des – im Idealfall – rund drei Wochen alten Nachwuchses. Sein Auftraggeber ist in dem Fall die Vogelwarte Radolfzell.

„In der Regel hat ein Steinkauzpaar vier bis fünf Junge. Die Sterblichkeit im ersten Jahr ist mit ungefähr 70 Prozent aber sehr hoch“, informiert Ofer. Wenn die kleinen Eulen nicht frühzeitig dem Steinmarder oder anderen Greifvögeln, wozu auch größere Artverwandte zählen, zum Opfer fallen, dann können sie zwölf bis 15 Jahre alt werden, weiß der Wahl-Römerberger. Ein ausgewachsener Steinkauz ist circa zweiundzwanzig Zentimeter groß und wiegt ungefähr 200 Gramm. „Sie sind schon nach knapp einem Jahr geschlechtsreif“, nennt der Naturschützer eine weitere Besonderheit. Steinkäuze sind keine Zugvögel, sondern bleiben das ganze Jahr über in unseren Breiten. „Sie sind meist auch ihrem Revier und Partner treu“, teilt Ofer mit.

Bei der Auswahl von Gebieten, die dem Vogelexperten als Steinkauz-Lebensraum geeignet erscheinen, spielt außer dem Vorkommen alter Obstbäume auch ein gewisser Abstand zum Wald eine Rolle. „Zum Nahrungsspektrum des Waldkauz gehört auch der kleinere Steinkauz“, erklärt Ofer. Die in Wäldern lebende Eule wird ungefähr 40 Zentimeter groß und ist ihrem Artverwandten dementsprechend überlegen.

Das in Dudenhofen aufgewachsene Mitglied des dortigen Natur- und Vogelschutzvereins freut sich, dass sich sein rund 15 Jahre andauernder Einsatz für den überwiegend nachtaktiven Steinkauz lohnt. 2017 zum Beispiel gab es seit vielen Jahren erstmals wieder eine Brut im Norden des Rhein-Pfalz-Kreises. Seit zwei Jahren ist sogar jeweils ein Brutpaar in Klein- und in Großniedesheim daheim. Die Besonderheit in Kleinniedesheim: Dort ziehen die Steinkäuze ihren Nachwuchs in einer natürlichen Baumhöhle groß. Seit 2016 leben auch in Römerberg wieder Steinkäuze, die dort jahrzehntelang fehlten, berichtet der Vogelfreund. Seit 2019 sind in seiner Wahlheimat zwei Brutpaare aktiv. Darunter ist in diesem Jahr ein Weibchen aus Österreich. Es begann mit einem Männchen, das vor wenigen Wochen seine Partnerin verlor, eine späte Brut.

Den Käuzen auf der Spur

„Besonders spannend ist für mich, wo und wann die von mir beringten jungen Steinkäuze später einmal gesichtet werden“, sagt Ofer. Wenn er selbst eine Eule mit Ring in seinem Revier sichtet, dann meldet er das der Vogelwarte, von der das Kennzeichen stammt: wie im Fall der „Österreicherin“ und eines weiteren Steinkauz-Weibchens aus Frankreich. Brennend interessieren ihn auch die Informationen über Geburtsort und -jahr dieser Vögel, die er in den beiden Fällen noch nicht erhalten hat. Das Schicksal einzelner Steinkäuze mitzuverfolgen und ihnen in einer schwierigen Umwelt zu helfen – das motiviert und begeistert Ofer für sein ehrenamtliche Engagement. Sein eigener Nachwuchs teilt diese Leidenschaft und begleitet ihn oft auf den Fahrten zu den Brutpaaren.

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