Otterstadt / Waldsee
Surfer machen sauber
Die Männer und Frauen steigen auf ihre Stand-Up-Paddling-Boards und fahren vom Ufer bei der Altrheinklause hinaus auf den Altrhein, im Gepäcknetz einen noch leeren Müllbeutel. Weitere Helfer gehen an Land das Ufer ab und sammeln ein, was andere achtlos in die Landschaft geworfen haben. Noch bevor die ersten auf dem Wasser sind, bringt einer schon ein großes leeres blaues Fass, das in der Nähe am Ufer lag.
Die Surfrider Foundation ist eine internationale gemeinnützige Organisation, die ihren Ursprung 1984 in Kalifornien hatte. Gegründet wurde sie von einer Handvoll Surfern, die ursprünglich ihre eigenen Surfspots sauber halten wollten. Seit 1990 ist die Organisation auch in Europa aktiv, mit Hauptsitz im französischen Biarritz. Der Hochstadter Daniel Kern hat vor zwei Jahren damit begonnen, die Regionalgruppe Baden-Pfalz aufzubauen, die seit einem Jahr nun ein eigenes „Chapter“ der Foundation ist und 15 bis 20 Mitglieder hat – „querbeet durch alle Alters- und Berufsgruppen“, wie Kern erklärt. Bei Aktionen packen aber auch schon bis zu 90 Teilnehmer mit an.
Keine Wellen in der Pfalz
Der 30-jährige Fachinformatiker ist selbst Surfer. Da es in der Pfalz aber keine Wellen gibt, hat er sich hier aufs Stand-Up-Paddling verlegt. Dabei steht der Paddler aufrecht auf einem schwimmfähigen Brett. Die Surfrider treffen sich einmal im Monat zum Stammtisch, im Moment allerdings nur virtuell. Etwa alle zwei bis vier Wochen veranstalten sie sogenannte Clean-Ups, also Saubermach-Aktionen. „Man glaubt gar nicht, wie schmutzig es im Wasser ist“, sagt Kern. Plastik sei zwar aus dem Leben nicht mehr wegzudenken, aber Plastikmüll in der Umwelt, das müsse doch wirklich nicht sein, findet er. Viele dieser Clean-Ups finden im Badischen statt, doch da der Otterstadter Altrhein eines der Paddelreviere der Gruppe ist, wird auch hier einmal im Jahr kräftig aufgeräumt. „Ohne Corona, wäre das heute ein noch viel größeres Event“, stellt Kern fest, schließlich war am vergangenen Samstag der internationale River-Clean-Up-Day.
Daniel Kern und seine Surfrider-Kollegen sammeln nicht nur bei gemeinsamen Aktionen das ein, was andere achtlos in die Landschaft werfen. „Wenn ich in den Weinbergen unterwegs bin, habe ich immer einen Müllsack dabei“, erzählt er. Auch wenn er auf der Straße Unrat sieht, hält er an und sammelt ihn ein. Und die Kollegen aus dem Badischen seien oft spontan abends noch mal in den Neckarwiesen unterwegs. „Die finden da eigentlich immer was. Ich habe das Gefühl, in der Pfalz ist es nicht ganz so schlimm“, sagt Kern.
Aber schlimm genug ist es auch hier – und deswegen säubern die Surfrider nicht nur regelmäßig Gewässer und Ufer, sondern setzen vor allem auf Aufklärung. „Natürlich macht mich das böse, sehr böse, wenn ich den Müll einsammeln muss, den anderen wegwerfen“, sagt Kern. Wenn ihn sein Sohn fragt, warum Menschen das einfach so machen, weiß er oft gar nicht, was er ihm antworten soll. Daher geht es ihm und den Surfridern darum, Menschen zu sensibilisieren, ihnen Tipps zu geben, wie sie Abfall vermeiden können, oder ihnen in Workshops eine nachhaltige Lebensweise näherbringen. Im Schnitt einmal pro Woche sind die Aktiven normalerweise unterwegs, informieren zum Beispiel in Kinos kurz vor der Vorstellung, beraten Restaurants oder bieten Mitmach-Aktionen an. „Wir haben zum Beispiel Wachstücher aus Stoff und Bienenwachs gemacht als Ersatz für Frischhaltefolien“, erklärt Kern.
Bergeweise Müll
Die Müllsammelaktion im Otterstadter Altrhein erweist sich als äußerst ergiebig. Bergeweise Müll häuft sich am späten Nachmittag am Strand, darunter ein kleiner Bootsmotor, der im Wasser versenkt worden ist, viele kaputte Stühle, Weinflaschen und Angelzubehör. Bei ihren Streifzügen entdecken die Helfer sogar ein zusammengefallenes Baumhaus. Besonders freut sich Kern, dass die Helfer auch immer wieder von Passanten angesprochen werden. „Das bestärkt uns in der Sache, die wir tun.“ Wer in Zukunft mit anpacken möchte, kann sich per E-Mail an baden-pfalz@surfrider.eu informieren.