Rhein-Pfalz Kreis Suche nach unbekannten Namen

Unterm Dach seines Hauses hat sich Alban Berthold ein Büro eingerichtet. Dort recherchiert er für sein Verzeichnis – auch im Int
Unterm Dach seines Hauses hat sich Alban Berthold ein Büro eingerichtet. Dort recherchiert er für sein Verzeichnis – auch im Internet.

Alban Berthold aus Mutterstadt ist Ahnenforscher aus Leidenschaft. Seit dem Erscheinen seines Buches über Mutterstadter Familien sammelt der 83-Jährige weiter Daten. Ein besonderes Augenmerk legt er dabei auf die Lebensläufe der Juden in der Region.

„Was nicht aufgeschrieben wird, geht verloren“, mahnt Alban Berthold. Der 83-jährige Mutterstadter hat es sich seit Jahrzehnten zur Aufgabe gemacht, Daten über Familien und Stammbäume zusammenzutragen, damit diese nicht in den Dorf- und Stadt-Archiven in Vergessenheit geraten. 2013 erschienen bereits zwei umfangreiche Bände, in denen er die Familien in Mutterstadt von 1650 bis Anfang des 20. Jahrhunderts aufgelistet hat. Aufhören? Nein, wen die Ahnenforschung einmal gepackt hat, den lässt sie nicht los. Einen Teil des Buches habe er den jüdischen Familien in Mutterstadt gewidmet. Inzwischen habe er rund 69.000 Juden in der Pfalz und in Baden in sein Verzeichnis aufgenommen, sagt er. „Viele Daten von Baden stehen im Internet“, erklärt der 83-Jährige, der Mitglied des Historischen Vereins in Mutterstadt ist. Die Regale an der Wand in Bertholds Büro sind gefüllt mit Ordnern, in denen er seine Funde archiviert. Allein zwei Ordner konnte er mit Biografien von Juden füllen, die in Karlsruhe gelebt haben. „Karlsruhe hat viele Lebensläufe von Juden durch Schulen aufzeichnen lassen und ins Internet gestellt“, erklärt Berthold. Und so wie er die Daten anderer in seinen Bestand aufnimmt, stellt er seine Erkenntnisse auch anderen Ahnenforschern zur Verfügung. Immer wieder fährt der Hobby-Historiker in Archive, um in alten Dokumenten nach bislang unentdeckten Namen zu suchen. Die erfassten Daten zu jüdischen Lebensläufen stammen in der Regel aus der Zeit zwischen 1810 und 1940. „Da hört es bei vielen auf“, sagt Berthold und bezieht sich darauf, dass viele Juden in Lager deportiert wurden oder aber vor den Nationalsozialisten flohen. Eine Schwierigkeit seien die Namen: Vor dem Napoleon-Dekret von 1808, das Juden einen festen Vor- und Familiennamen vorschrieb, hätten Juden meist nur einen Vornamen gehabt. Um das Jahr 1850 seien viele Juden aus den Ostgebieten gekommen, was die Arbeit in den Archiven ebenfalls komplizierter mache. Dass er zu diesem Hobby kam, hat einen ganz persönlichen Grund. „Angefangen habe ich nach dem Tod meiner Mutter 1984“, erinnert sich Alban Berthold. Sie habe früher immer viel von ihrer Verwandtschaft erzählt. Und als seine Frau auf der Beerdigung fragte, wer all die Leute seien, habe er zu vielen etwas berichten können. Der Ehrgeiz packte ihn, einen Stammbaum zu erstellen. Und als dieser fertig war, machte er mit Familien aus Mutterstadt weiter. Noch immer ergänzt er die Daten, die in seinem Werk aufgelistet sind. So hat er in seinem Regal auch einen ganzen Ordner mit Todesanzeigen aus der Gemeinde. „Es ist gesetzlich verboten, Lebende aufzunehmen“, stellt der Fachmann klar. Doch er rät allen dazu, schon zu Lebzeiten etwas über die eigenen Wurzeln niederzuschreiben: „Es gibt so viele nette Storys in jeder Familie, die aufzuschreiben für die Nachwelt von Interesse wären.“

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