Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Straßenbahntraum im Kreis: Kämpfen bis er wahr wird

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Mehr Bahn im Kreis? Körner will die Pläne keinesfalls aufgeben und wird angesichts des Hochstraßen-Dilemmas genug Unterstützer finden. Foto: KUNZ

Die Idee hatte voll eingeschlagen. Im Mai 2018. Landrat Clemens Körner (CDU) hatte sich für mehr Straßenbahnen in den Landkreis hinein stark gemacht und viele Unterstützer gefunden. Ob die Idee Realität werden kann, sollten dann Gutachter prüfen. Deren Ergebnisse lesen sich jetzt eher nüchtern. Aber Körner will nicht aufgeben und für die Bahnpläne kämpfen.

Rhein-Pfalz-Kreis. Neuhofen ist Kummer gewohnt, was Straßenbahnpläne anbelangt. Regelmäßig träumt das Örtchen einen Straßenbahntraum. Eine Trasse für die Gleise wird seit Jahren freigehalten. Baugebiete werden im Geiste angebunden. Und über mögliche Haltestellen wird spekuliert. Bis der Traum dann wieder platzt. Wie Seifenblasen. Jetzt scheint es mal wieder soweit zu sein.

Jüngst wurde in der Ortsgemeinderatssitzung schon darüber beraten, ob man die Flächen für die Straßenbahngleise überhaupt noch freihalten will. Denn eine Machbarkeitsstudie sagt, dass es sicher machbar ist, eine Bahn bis nach Neuhofen zu schicken, dass es sich jedoch wirtschaftlich nicht lohnt. Zwar würde ein Bahnangebot helfen, Schadstoffe einzusparen, die Verkehrssicherheit zu erhöhen und Straßen im Rhein-Pfalz-Kreis zu entlasten. Das ist alles etwas wert. Aber eben noch nicht wertvoll genug. Die Unterhalts- und Betriebskosten wiegen mehr. Und damit ist das Projekt zu teuer. Peng. Peng. Eine Seifenblase weg. Und noch eine. Doch ein paar schillernde Kugeln schweben noch. Und Landrat Clemens Körner pustet sanft dagegen. Sie sollen weiter fliegen. Solange, bis der am Freitag vergangener Woche von der großen Koalition in Berlin beschlossene Klimapakt, der noch als reines Eckpunktpapier daherkommt, ein ordentliches Klimaschutzprogramm geworden ist.

„Anders kann Deutschland nicht klimafreundlicher werden“, sagt Körner

„CO2-Reduktion ist dabei ein ganz großes Thema“, sagt Körner. Deutschland soll weniger Kohlenstoffdioxid herauspusten. Deshalb werden zum Beispiel die Benzinpreise teurer, die Steuern für fette Autos mit einem hohen CO2-Ausstoß erhöht. Das ist zumindest der Plan der Berliner Politiker. „Und das heißt dann doch eigentlich, dass die Leute mehr Bahn fahren sollen. Dafür muss das Angebot aber stimmen.“ Körner ist deshalb zuversichtlich, dass sich die Parameter noch einmal ändern. Also die Werte, die bei Machbarkeitsstudien – ob sich nun der Einsatz einer Bahn von A nach B oder gar N lohnt – angesetzt werden. Was den Unterhalts- und Betriebskosten eines Bahneinsatzes gegenübergestellt wird, muss wertvoller werden. Bis eben die Kosten-Nutzen-Rechnung stimmt. „Es müssen andere Maßstäbe an diese Berechnungen angesetzt werden, anders kann ich mir nicht vorstellen, wie Deutschland klimafreundlicher werden kann“, sagt Körner.

Bis mit neuen Parametern neu gerechnet werden kann, will Körner weiter über das Thema Straßenbahnen im Kreis reden, es nicht in Vergessenheit geraten lassen. „Wir stecken jetzt nicht einfach die Pläne in eine Schublade, das wäre falsch.“

Neue Machbarkeitsstudien, neu rechnen – das könnte nicht nur Neuhofen helfen, doch noch den Straßenbahntraum verwirklicht zu sehen, sondern auch Dannstadt-Schauernheim. „Bis Mutterstadt sieht es gut aus, aber dann ...“, sagt Körner und spricht von einer zweiten Route, die im Mai 2018 ebenfalls ins Spiel kam, nämlich eine Bahn von Ludwigshafen über die Gartenstadt, Maudach, Mutterstadt bis nach Dannstadt-Schauernheim fahren zu lassen. Für diese Linie gibt es laut Clemens Körner bis einschließlich Mutterstadt positive Machbarkeitswerte. Nach Dannstadt-Schauernheim lohnt sich die Fahrt nach bisherigen Berechnungen noch nicht so recht.

Dannstadt-Schauernheim will nicht abgehängt werden

Man könnte jetzt der Verbandsgemeinde scherzhaft vorwerfen, vor vielen Jahren nicht genug für den Erhalt des Feurigen Elias gekämpft zu haben, dann läge sie jetzt an der Schiene. Denn mit ihren drei Ortsgemeinden gewinnt sie gerade kaum neue ÖPNV-Angebote dazu. Immer wieder kommen Gutachter zu dem Schluss, dass es sich nicht lohnt, einen Bus einzusetzen oder eine Bahn fahren zu lassen. Dann treffen Rechenwerte auf Emotionen, so ärgern sich die Grünen des Gemeindeverbands Dannstadter Höhe, dass eine Querverbindung nach Lambsheim gerade erst als nicht rentabel eingestuft wurde und machen ihrem Ärger über eine Pressemitteilung Luft. „Wir als politischer Gemeindeverband von Bündnis 90/Die Grünen fordern die Einrichtung eines Busverkehrs auf der Tangentialachse Lambsheim, Maxdorf, Dannstadt-Schauernheim und Schifferstadt.“

Für Dannstadt-Schauernheims Bürgermeister Stefan Veth (CDU) ist klar, dass eine Verbindung wirtschaftlich sein muss. „Wir müssen es ja mitbezahlen, nicht zuletzt über die Kreisumlage.“ Dennoch ist auch ihm die Verbandsgemeinde noch zu autolastig. „Aber wir sind ja damals mit der A 61 und der A 65 auch so ausgestattet worden. Zu einer Zeit, als Individualverkehr noch kein Problem war. In Zeiten viel zu voller Straßen und gesperrter Brücken sieht das anders aus.“ Das Gutachten zur Busverbindung nach Lambsheim nimmt Veth erst mal so hin. Die Straßenbahnidee will er aber keinesfalls zu früh beerdigen. „Der Anschluss an die Schiene wäre für uns ein Lottogewinn.“ Und wie Landrat Körner hofft auch Veth, dass noch mal neu gerechnet wird. „Die bisherigen Berechnungen waren zu konservativ.“

Auch Veth glaubt, dass sich mit dem Klimapakt etwas ändern muss. Die Unterschiede zu Mutterstadt seien in dem Gutachten nur sehr gering. „Maudach hat auch wieder minimal bessere Werte als Mutterstadt – und das hat auch einen Grund: Je weiter ich baue, desto teurer wird es, und desto länger dauert eine Fahrt. Fahren sie doch mal von Fußgönheim nach Mannheim mit der Rhein-Haardtbahn. Das dauert auch – und die Verbindung gibt es trotzdem.“ Von Verkehrsexperten weiß Veth, dass sich Machbarkeitswerte „pimpen“ lassen. Und irgendwann fährt eine Bahn. Oder platzt ein Traum. Wie Seifenblasen. „Auf keinen Fall“, sagt Veth. Da pusten er und Körner lieber noch ein bisschen. Die Straßenbahnidee wird hochgehalten.

Zur Sache: Die Straßenbahnpläne

Dass es sich lohnt, bei manchen Projekten einen langen Atem zu haben, zeigt zum Beispiel die Stadtbahn Nord in Mannheim. 2007 hatten die Gespräche laut RNV-Geschäftsführer Martin in der Beek dafür angefangen. Seit 2016 rollt sie. Die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH gehört zu den Unterstützern neuer Straßenbahnprojekte in den Rhein-Pfalz-Kreis hinein. So waren auch mit deren Hilfe zwei Untersuchungen angestoßen worden: Könnte künftig die Linie 6 von Rheingönheim weiter nach Neuhofen oder gar nach Waldsee fahren? Und: Ist für Pendler eine neue Straßenbahnverbindung rentabel, die von der Ludwigshafener Innenstadt über Gartenstadt, Maudach und Mutterstadt nach Dannstadt-Schauernheim führt? Nach Abstimmung mit der Stadt Ludwigshafen, dem Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) und der RNV ist noch für eine dritte Strecke eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben worden: Ob künftig von Oppau eine Bahn in Richtung Pfingstweide fährt und möglicherweise weiter nach Frankenthal. Alle drei Untersuchungen kosten Geld. Angesetzt worden waren dafür rund 160.000 Euro. Außer dem Rhein-Pfalz-Kreis, der 30.000 Euro beisteuerte, haben sich daran mit der gleichen Summe die Kreisgemeinden, die künftig an einer Straßenbahntrasse liegen könnten, beteiligt. Das sind Neuhofen, Waldsee, Mutterstadt und Dannstadt-Schauernheim. Die Stadt Ludwigshafen wollte 40.000 Euro dazugeben, der Verkehrsverbund Rhein-Neckar 60.000 Euro. Im Sommer 2018 wurden die Gutachten in Auftrag gegeben. Ein halbes Jahr sollten die Berechnungen dauern. Seither werden die Ergebnisse eher häppchenweise und durch Nachfragen der RHEINPFALZ öffentlich, obwohl die Pläne stets eine große Aufmerksamkeit genossen hatten. Landrat Clemens Körner (CDU) hatte sich für die Straßenbahnidee stark gemacht, nachdem er gehört hatte, dass es einen neuen Topf für ÖPNV-Projekte gibt, der sich über das Gemeindefinanzierungsgesetz füllt. Die Bundesregierung will ihn schrittweise auf eine Milliarde Euro im Jahr aufstocken. Und der Landrat möchte ihn gern anzapfen: „Wenn es regnet, muss man den Löffel raushalten“, lautet sein Motto.

Die Linie 6 fährt bislang nur bis Rheingönheim – die Neuhofener würden sich freuen, wenn die Bahn künftig weiter rollt.
Die Linie 6 fährt bislang nur bis Rheingönheim – die Neuhofener würden sich freuen, wenn die Bahn künftig weiter rollt. Foto: KUNZ
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