OTTERSTADT RHEINPFALZ Plus Artikel Storch Thilo zurück in der Pfalz

Mit kleinem Rucksack: Im vergangenen Juni hat Störchin Thilo einen Sender bekommen.
Mit kleinem Rucksack: Im vergangenen Juni hat Störchin Thilo einen Sender bekommen.

Der Storch aus Otterstadt, der seit Juni 2019 einen Sender auf dem Rücken trägt, ist putzmunter. Nach der Überwinterung in Spanien ist Thilo diese Woche wieder in die Pfalz zurückgekehrt. Der diesjährige Brutversuch von zwei Jungstörchen auf der Otterstadter Grundschule blieb ohne Erfolg. Dafür sieht es auf der Kollerinsel gut aus.

Im Juni vergangenen Jahres feierten die Otterstadter ein „Storchenfest“, als der erst wenige Tage zuvor aus dem Ei geschlüpfte Jungstorch „beringt und besendert“ wurde. Der Verein für Heimatpflege und Naturschutz Otterstadt (VHNO) hatte für den Kauf des GPS-Senders eine Spendenaktion gestartet – mit großer Resonanz. Wolfgang Fiedler von der Vogelwarte Radolfzell legte dem Tier das Gerät, das einen vierstelligen Euro-Betrag kostet, an. Getauft wurde der Vogel auf den Namen Thilo – Pate dafür stand Otterstadts „Storchenvater“ Thilo Toelle. Eine Gen-Analyse ergab später, dass Thilo ein Weibchen ist – auch Henne genannt.

Wie Andreas Blättner vom VHNO berichtet, habe der Verein Aktion Pfalzstorch mit Sitz in Bornheim zusammen mit der Vogelwarte Radolfzell im vergangenen Jahr insgesamt 23 Störche mit GPS-Sendern ausgestattet. „Von diesen leben nur noch sechs Störche“, sagt Blättner. „Unsere Thilo ist einer davon. Von den 23 gelten drei als verschollen. Von daher sind definitiv 14 Sender-Störche umgekommen. Dass Thilo noch lebt, ist also für den VHNO quasi wie ein Sechser im Lotto.“

Positionsdaten über App

Der Sender übermittelt die Positionsdaten von Thilo über das Mobilfunknetz an eine Datenbank, die unter anderem über die App „Animal Tracker“ abgerufen werden können. Demnach war die Störchin nach ihrer Besenderung bis Ende Juli im Bereich von Otterstadt beziehungsweise der Kollerinsel unterwegs, bevor sie wegen einer Verletzung in der Storchenscheune in Bornheim, die von der Aktion Pfalzstorch betrieben wird, wieder aufgepäppelt wurde. Claudia Lehmann, die Leiterin des benachbarten und ebenfalls von dem Verein unterhaltenen Storchenzentrums, bittet die Bürger um Hinweise, falls sie einen verletzten Storch entdecken.

Die Reise zur Überwinterung im Süden trat Thilo dann Mitte August an. Schon nach einer Woche erreichte sie Spanien, wo die Henne bis Mitte September blieb. Nach zweieinhalb Monaten an der marokkanischen Atlantikküste flog Thilo zurück auf die Iberische Halbinsel und blieb dann bis Mitte April in Südspanien. Ab dem 13. April zog es sie nach Norden: Über Madrid flog sie in zehn, elf Tagen bis Südfrankreich. Ende April war sie dann schon in Lothringen angekommen. Nach einem Abstecher südlich von Saargemünd nahe der Grenze zu Deutschland hielt sich Thilo dann im Raum Saarburg auf, bevor sie am Dienstagnachmittag bei Zweibrücken über die Grenze flog und in der Nähe des dortigen Flugplatzes für die Nacht blieb.

„Thilo ist offenbar sehr munter. Uns wäre es allerdings lieber gewesen, sie wäre in ihrem ersten Sommer wie viele andere Störche noch in Spanien geblieben. Die lange Reise birgt viele Gefahren“, sagt Andreas Blättner. Die meisten Adebare, wie die Vögel im Märchen heißen, sterben in ihrem ersten Lebensjahr. Um die Zugrouten der Störche und möglichst auch die Todesursachen herauszufinden, sind viele von ihnen, so wie Thilo, in den vergangenen Jahren nicht nur beringt, sondern auch mit Funksendern ausgestattet worden.

„In Otterstadt ist in diesem Jahr alles anders“, berichtet Blättner über das Nestleben auf dem Dach der Grundschule. Dank „Storchenkamera“ (www.vhno.de) konnten nicht allein die VHNO-Mitglieder verfolgen, wie eine nicht identifizierte Henne und ein vor knapp zwei Jahren in Oberhausen-Rheinhausen geborener Hahn eine Brut versuchten. „Die beiden Jungstörche waren damit aber noch überfordert. Das ist nicht ungewöhnlich“, kommentiert Blättner den Verlust von vier Eiern. Erst brüteten sie nicht gleich darauf, was die Eier nicht verzeihen, dann zerstörten sie selbst drei davon und ermöglichten einem anderen Storch, weil sie das Nest verlassen hatten, das vierte Ei kaputt zu machen. Inzwischen ist das junge Paar immer wieder zurückgekehrt. „Für eine Brut in diesem Jahr ist es aber zu spät“, sagt Blättner.

Vier Junge geschlüpft

Dafür sieht es bei zwei Brutpaaren auf der Kollerinsel richtig gut aus. „In Nest eins haben wir bei der jüngsten Kontrolle fünf Eier entdeckt und in Nest zwei sind vor ein paar Tagen schon vier Junge geschlüpft“, informiert der Otterstadter Blättner. Die VHNO-Mitglieder betreuten diese beiden Bruten wegen der Corona-Krise stellvertretend für ihre badischen Kollegen, sagt er. Für die nächsten Wochen sei eine Beringung des Nachwuchses geplant.

Bei den Brutpaaren im Raum Speyer hat es 2019 viel Nachwuchs gegeben, wie aus einer Liste der Aktion Pfalzstorch hervorgeht: in Römerberg waren es elf Jungstörche (von fünf Brutpaaren), in Otterstadt zwei (ein Brutpaar), in Hanhofen zwei und in Harthausen einer (je ein Brutpaar) sowie in Lingenfeld zwei (ein Brutpaar). Für ganz Rheinland-Pfalz sind vergangenes Jahr 683 Jungstörche von 361 Brutpaaren registriert worden. Nach der aktuellen „Nesterkarte“ des Storchenzentrums ist derzeit nur das Nest in Otterstadt besetzt, die anderen in Römerberg, Harthausen, Hanhofen und Lingenfeld gelten als verwaist. Diese Daten werden jedoch erst zum Saisonende erhoben, macht Claudia Lehmann Hoffnung auf weiteren Storchennachwuchs.

Kontakt

Nottelefon: 0170 6136999; Storchennest-Meldeformular: www.pfalzstorch.de.
Eines der Nester mit Jungen auf der Kollerinsel: Der VHNO betreut die Bruten während der Corona-Krise für die badischen Kollegen
Eines der Nester mit Jungen auf der Kollerinsel: Der VHNO betreut die Bruten während der Corona-Krise für die badischen Kollegen mit.
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