Rhein-Pfalz Kreis Stillstand kommt nicht in Frage
«Bobenheim-Roxheim.»Anfang September feiert er seinem 70. Geburtstag, doch rasten ist nicht die Sache von Walter Stroka. Mehr als 50 Jahre war der Bobenheim-Roxheimer für Hilfsorganisationen tätig. Den größten Teil davon bei der Johanniter Unfall-Hilfe, seit 2006 beim Deutschen Roten Kreuz. Er war bei besonderen Einsätzen dabei. Die Johanniter-Standorte Ludwigshafen und Frankenthal hat er mit aufgebaut. Dafür bekommt er am heutigen Montag von Landrat Clemens Körner (CDU) die Landesehrennadel verliehen.
Stolz zeigt Walter Stroka einen Pappteller, auf dem Red Adair unterschrieben hat. So wurde der texanische Feuerwehrmann Paul Neal Adair genannt, der mit seiner Firma weltweit Großbrände löschte und 1980 nach Frankenthal gerufen wurde. Dort sollte er ein bei Bohrungen entstandenes Leck in einem unterirdischen Erdgasspeicher, aus dem unter hohem Druck Gas entwich, schließen. Stroka verpflegte mit den Johannitern die Hilfskräfte des Großeinsatzes. In die Verpflegungsschiene sei er so reingerutscht, erzählt er. An einem Freitagnachmittag im November 1989 erreichte ihn der Anruf, dass Helfer in Berlin benötigt würden. Menschen aus dem Osten strömten nach dem Mauerfall in den Westteil der Stadt. In Windeseile habe er eine Johanniter-Mannschaft flott gemacht, für 10.000 D-Mark Eintopf eingekauft. „Um 19 Uhr waren wir auf der Autobahn.“ Am nächsten Tag standen die Frankenthaler auf dem Breitscheidplatz in Berlin. Deutlich gefährlicher war ein Hilfstransport an Weihnachten 1989 nach Rumänien mit 70 Tonnen Gütern sowie Ärzten und Sanitätern. Da sei man unter Beschuss geraten, erzählt Stroka über die Wirren im Zusammenhang mit dem Sturz des damaligen rumänischen Machthabers Nicolae Ceausescu. Im Kroatienkrieg (1992 bis 1994) hat Stroka nach eigenen Angaben drei Hilfskonvois begleitet und während der Gefechte ins Land gebracht. Oft habe er für diese Einsätze Urlaub genommen. „Zuerst kamen die Johanniter, dann lange nichts“, sagt seine Frau Karola, die immer hinter ihm stand. Auch sie setzt sich für andere ein, aktuell als Patientenbetreuerin in der Stadtklinik Frankenthal. In Kontakt mit den Johannitern kam der in Kusel geborene Walter Stroka während seiner Ausbildung zum Sanitäter bei der BASF 1964. Schnell hatte er seinen ersten Einsatz bei einem Großbrand in Worms. Tagsüber arbeitete er, nachts machte er Bereitschaftsdienst als Rettungssanitäter in Ludwigshafen. „Damals gab es noch keine Leitzentrale. Es konnte sein, dass wir mit drei Krankenfahrzeugen verschiedener Organisationen am Unfallort waren“, erzählt Stroka. In Ludwigshafen baute er den Johanniter-Standort Friesenheim mit auf, lernte dort seine Frau kennen. Nach dem Umzug nach Frankenthal gründete Stroka 1972 dort eine Johanniter-Ortsgruppe. Einen komplett ausgerüsteten Sanitätszug organisierte er vom Kreis Ludwigshafen, wo er mangels Personal ungenutzt herumstand. Von den drei Gründern wuchs die Unfallhilfe Frankenthal bis Mitte der 1980er-Jahre auf rund 60 aktive Helfer und 2000 Fördermitglieder. „In Frankenthal war die größte Feldküche im süddeutschen Raum stationiert“, erinnert sich der Senior. Anfangs gehörte der Ortsverein zum Landesverband Hessen. Stroka war bei der Gründung eines Verbands für Rheinland-Pfalz beteiligt. Danach sei einiges schiefgelaufen. Der Blick für das Machbare sei bei der Landesführung verloren gegangen. Als der Landesverband überschuldet war und aufgelöst wurde, Hessen wieder das Zepter übernahm, sei die Frankenthaler Ortsgruppe mit in die Wirren hineingezogen worden. „Obwohl wir finanziell gut dastanden, wurde uns die Vollmacht über unsere Konten entzogen.“ Bis 1999 war Stroka in Führungspositionen der Frankenthaler Johanniter Unfall-Hilfe, nicht ganz im Frieden zog er 2000 einen Schlussstrich. Gesundheitlich war er nach einem Schlaganfall 1995 während eines Hilfseinsatzes in Kroatien angeschlagen. Doch sein Tatendrang war ungebremst. 2006 trat das aktive Alpenvereinsmitglied beim Deutschen Roten Kreuz ein, half beim Wiederaufbau des Ortsvereins, wurde zum Vorsitzenden gewählt. Es gab Differenzen. Er trat zurück, ist aber weiter aktives Mitglied der schnellen Einsatzgruppe. Gerne erinnert sich Walter Stroka an die Organisation großer Wohltätigkeitsbälle in Frankenthal. Er nahm einen verletzten Soldaten aus dem ehemaligen Jugoslawien bei sich auf, engagierte sich für den Verein „Kinder von Shitkowitschi – Leben nach Tschernobyl“. Bis 2016 war er Fachberater für Sanitätsdienst und Verpflegung in der Technischen Einsatzleitung des Rhein-Pfalz-Kreises. „Stillstand bedeutet für mich das Aus“, sagt Stroka. Er finde immer Wege, sich einzubringen. Zuletzt hat er bei der Seniorenbetreuung „Urlaub ohne Koffer“ in Hertlingshausen mitgewirkt. Regelmäßig fährt er für die Tafel, sammelt Essen für Bedürftige ein. Der Grundstein für seine Hilfsbereitschaft wurde in seiner Kindheit gelegt, sagt er:„Ich bin in einem Dorf aufgewachsen. Da hat man sich gegenseitig geholfen.“