Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Staub abgeschüttelt: Raab Karcher floriert wieder

Seit Michael Kellner (links) den Standort in Bobenheim-Roxheim leitet, hat sich Anzahl der festen Mitarbeiter mehr als vervierfa
Seit Michael Kellner (links) den Standort in Bobenheim-Roxheim leitet, hat sich Anzahl der festen Mitarbeiter mehr als vervierfacht.

Um den Bobenheim-Roxheimer Wirtschaftstag war es lange Zeit still. Klar, Corona. Im September hat die Gemeinde nun erstmals seit 2019 wieder einen solchen Abend organisiert. Die Bühne gehörte einem Betrieb, der sich schon vernachlässigt gefühlt hatte.

Links und rechts stapeln sich Säcke mit Bauelementen auf Paletten, vorne spielt die Musik. Michael Kellner lässt gerade einen Promofilm der dänischen Unternehmensgruppe Stark laufen, zu der Raab Karcher seit 2019 gehört. Der 51-Jährige ist selbst erst seit vier Jahren Teil des Raab-Karcher-Kosmos. Als Niederlassungsleiter ist er seitdem für die Geschicke am Standort Bobenheim-Roxheim zuständig. In besagtem Jahr, in dem bisher auch letztmals ein Wirtschaftstag der Gemeinde stattgefunden hatte, arbeiteten dort gerade einmal zwei Mitarbeiter und ein Leiharbeiter, wie Kellner mitteilt. 1,3 Millionen Euro Umsatz habe der Standort damals gemacht. Im vergangenen Jahr seien es hingegen 4,7 Millionen Euro gewesen. Kellner ist an diesem zehnten Wirtschaftstag der Ortsgemeinde anzumerken, wie stolz er darauf ist, aus dem 6000 Quadratmeter großen Lager mit einem SB-Markt von 250 Quadratmeter Verkaufsfläche wieder ein gut geöltes Geschäft gemacht zu haben und darüber reden zu dürfen.

„Wir sehen uns als reinen Nahversorger“

Bis dahin hatte der Baustoffhandel In der Köst 11 bei den Bobenheim-Roxheimern ein eher angestaubtes Image. „Als ich hier angefangen habe, haben viele Kunden hier nicht mehr gekauft“, berichtet Kellner. Die Reaktionen am Wirtschaftstag über den Wandel bestätigen das. „Ich bin beeindruckt, dass wir in Bobenheim-Roxheim im Prinzip einen eigenen Baumarkt haben“, sagt Bürgermeister Michael Müller (SPD) an dem Abend, angesprochen auf Kellners Präsentation. Kellner hatte mehrfach betont, dass auch Privatpersonen im Bereich des SB-Markts einkaufen können und – da ist er ganz Geschäftsmann – gleich Blumenerde und Rindenmulch beworben. Der Markt wirke jetzt viel moderner als früher, meint Bürgermeister Müller.

Anfang des Jahres sei Kellner als Mitglied an den Gewerbeverein herangetreten und habe sich beklagt, stiefmütterlich behandelt zu werden. Deshalb habe sich Müller dazu entschieden, den ersten Wirtschaftstag nach dem Ende der Corona-Beschränkungen am Standort von Raab Karcher auszutragen. Fast 30 Unternehmensvertreter waren der Einladung gefolgt und hatten sich von Kellner das Areal zeigen lassen.

Wirkt auf den ersten Blick nicht so, aber in der Halle von Raab Karcher befindet sic h auch ein Geschäft, das Privatkunden nutze
Wirkt auf den ersten Blick nicht so, aber in der Halle von Raab Karcher befindet sic h auch ein Geschäft, das Privatkunden nutzen können.

Für den Aufwärtstrend des Standorts spricht auch, dass Kellner mittlerweile neun Mitarbeiter und zwei neue Azubis angestellt hat. Die Stimmung im Personal, das zum Teil an dem Abend dabei ist, könnte ausgelassener wohl nicht sein. Es wird viel gelacht und gescherzt, Kellner mittendrin.

70 Prozent seiner Kunden kommen derzeit aus dem gewerblichen Bereich, der Rest sei privat. „Wir sehen uns als reinen Nahversorger“, betont Kellner mehrmals. Die Kundschaft komme meist aus einem Umkreis nicht weiter als etwa 30 Kilometer Entfernung.

1989 beginnt der Gundersheimer (Kreis Alzey-Worms) seine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann im Baustoffhandel. Später wird er Verkaufsleiter und Geschäftsleiter, wie er sagt. Um die Jahrtausendwende macht er sich selbstständig, verkauft die Firma aber und arbeitet eine Zeit lang als Projektleiter im Handwerk. Er kenne also auch die andere Seite des Handwerks. Dass er sich im Verkauf wohler fühlt, habe ihn dazu bewogen, doch wieder in den Handel einzusteigen und so hat es Kellner auf die Stelle nach Bobenheim-Roxheim verschlagen. Ein Teil seines Erfolgsrezepts sei es, mit gutem Beispiel voranzugehen. „Ich kenne alles von der Pike auf und mache das den Kollegen vor“, so Kellner.

Michael Kellner
Michael Kellner

Auf die Frage, wie er den Umsatz derart steigern konnte, gibt der 51-jährige Rheinhesse zwei Antworten: „Ich bin auf die Kunden zugegangen und habe mit ihnen gesprochen.“ Zudem sei er stärker auf deren Wünsche eingegangen. Wenn ein bestimmter Baustoff öfters nachgefragt worden sei, der aber nicht dauerhaft auf Lager war, habe man die Bestände entsprechend angepasst. In der Öffentlichkeit tritt der Baustoffhändler zudem als Sponsor des Sportclubs Bobenheim-Roxheim in Erscheinung.

Der Bauboom in den Corona-Jahren dürfte dem Händler beim Wachstum der vergangenen Jahre auch in die Karten gespielt haben. Die Aussichten auf das kommende Jahr sind angesichts von Inflation und gestiegenen Zinsen für Baukredite nachvollziehbarerweise nicht mehr ganz so rosig. „Wir rechnen mit Umsatzeinbußen“, so Kellner. Noch sei das nicht spürbar, noch hätten viele Handwerker, die bei ihm einkaufen, Überhänge bei ihren Aufträgen. Spätestens im Januar oder Februar werde es wohl weniger werden, weil die Bauaufträge zurückgegangen seien. Der Niederlassungsleiter geht deshalb davon aus, dass die Baustoffpreise zwangsläufig sinken werden.

Führung für die Wirtschaftsvertreter.
Führung für die Wirtschaftsvertreter.
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