Rhein-Pfalz Kreis Stark vom Konzil geprägt

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Neuhofen. Vor 50 Jahren, am 23. August 1964 wurde die neu gebaute katholische Kirche in Neuhofen dem heiligen Nikolaus geweiht. Jetzt am Sonntag feiern die Katholiken im Ort mit einem großen Fest, dass das Gotteshaus ein halbes Jahrhundert steht.

Die älteren Bürger erinnern sich noch an die viel kleinere Herz-Jesu-Kirche, die zuvor an derselben Stelle gestanden war. Sie wurde ursprünglich als Filialkirche vom Pfarrer aus dem benachbarten Waldsee genutzt und bot Platz für die wenigen Katholiken in einem überwiegend protestantischen Dorf. Doch das sollte sich ändern: nach dem Krieg fanden viele Heimatvertriebene Katholiken aus dem Osten ein neues zu Hause in Neuhofen, so dass die Katholikenzahl schnell auf über 800 anstieg. Viel zu viele Menschen für das kleine Kirchlein, das zudem durch Kriegsschäden stark renovierungsbedürftig geworden war. Das Bischöfliche Ordinariat erkannte Handlungsbedarf. 1959 wurde Neuhofen von der Filiale zur Kuratie, einer selbstständigen Seelsorgeeinheit, die allerdings immer noch dem Waldseer Pfarrer unterstellt war. Kurat war Rudolf Schreck. Nach diesem ersten Schritt in die Selbstständigkeit stand der Kirchenneubau an, für dessen Finanzierung 1960 ein Kirchenbauverein gegründet wurde. Am 15. September 1963 fand die Grundsteinlegung statt, nicht mal ein Jahr später wurde die Kirche eingeweiht. Sie unterschied sich grundlegend vom ursprünglichen Kirchlein. Man hatte Ackerland dazu gekauft, denn es sollte ein ganzer Kirchenkomplex entstehen. An die Kirche sollten Pfarrheim mit großem Saal und Jugendräumen, Pfarrbüro und Pfarrhaus anschließen. „Der Kirchenneubau fiel in die Zeit des zweiten Vatikanischen Konzils und ist geprägt vom Geist des Konzils“, erklärt Pfarrer Frank Aschenberger. Inspiriert durch das Gottesbild aus dem Buch Exodus ist die große säulenlose Kirche einem Zelt Gottes nachempfunden. Die Gläubigen sitzen auf drei Seiten um den Altar, der nicht am Kopfende, sondern mitten in der breiten Seite der Kirche steht. Wer genau hinsieht, merkt, dass die Liturgiereform des Konzils noch nicht abgeschlossen war, denn ursprünglich war kein Ambo – nach dem Konzil der Tisch des Wortes – vorgesehen, nur ein wuchtiger Steinaltar. Später wurde ein kleineres Lesepult anstelle eines Ambos aufgestellt. Die bunten Glasfenster an der Nordseite zur Straße hin tauchen das Kirchenschiff in stimmungsvolles Licht. „Das finde ich so faszinierend. Selbst wenn es draußen völlig trüb ist, leuchten die Fenster richtig“, sagt Maria Schott, die seit 30 Jahren Pfarrsekretärin in Neuhofen ist. Die Glasfenster zum Innenhof hat der Neuhofener Künstler Otto Ditscher entworfen. Neue Akzente setzte Pfarrer Hermann Mathes, der 1970 die Nachfolge von Rudolf Schreck antrat. Mathes große Leidenschaft ist die Gestaltung von Emaille-Bildern. Aus 15 Tafeln hat er ein Emaille-Kreuz gestaltet, auf dessen Vorder- und Rückseite biblische Szenen abgebildet sind. Es hängt nun über dem Altar. Auch die Flügeltüren des Orgelgehäuses und den Leuchter für die Osterkerze hat er gestaltet. Mathes Nachfolger war Michael Hergl, der 1989 in die Gemeinde kam. Letzter Pfarrer von Neuhofen war Albrecht Effler, der 2005 die Stelle antrat. 2011 dann wurde der nicht einmal 50 Jahre dauernde Ausflug Neuhofens in die Selbstständigkeit wieder beendet. Durch die Bildung der neuen Pfarreiengemeinschaft gehört die katholische Kirchengemeinde St. Nikolaus nun zusammen mit Altrip, Limburgerhof und Otterstadt wieder zur Pfarreiengemeinschaft Waldsee, die den Namen St. Christophorus trägt. Der jetzige Pfarrer Frank Aschenberger weiß: „die Neuhofener Gemeinde ist sehr stark vom Konzil geprägt.“ Und Maria Schott fügt hinzu: „Wir sind offen und haben eine liberale Grundeinstellung. Ökumene wird bei uns groß geschrieben.“ Inzwischen leben in Neuhofen 1900 Katholiken. Überfüllt ist die Kirche aber längst nicht mehr.

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