Schifferstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Stadtarchiv: Ein Fenster zur Ortsgeschichte

Johann Benedom kümmert sich um das Stadtarchiv.
Johann Benedom kümmert sich um das Stadtarchiv.

Das Stadtarchiv ist das Gedächtnis der Stadt. Archivpfleger Johann Benedom ist seit Gründung des Archivs 1994 ehrenamtlich dort aktiv. Über den Bestand, weitere Pläne und was besonders viel genutzt wird, hat er im Kultur- und Sportausschuss berichtet.

Bis ins Jahr 1180 reichen Aufzeichnungen über das alte Schifferstadt zurück. In diesem Fall ist es aber kein Original, sondern ein kopierter Auszug aus dem Kopialbuch des Klosters Limburg. In einem Kopialbuch sind Abschriften von Urkunden für den Verwaltungsgebrauch gesammelt. Laut Benedom finde man im Stadtarchiv Amtsbücher und Kirchenbücher, eine Kopie des Schifferstadter Gerichtsbuchs von 1541, die Zensurbögen der Volksschule, die örtlichen Zeitungen und vieles mehr. Auch wenn die Originale vieler historischer Dokumente im Landesarchiv Speyer aufbewahrt würden, seien die Kopien in Schifferstadt eine Fundgrube für geschichtlich Interessierte. Gespräche mit dem Landesarchiv über die Rückgabe von Originalen nach Schifferstadt seien durch die Corona-Pandemie unterbrochen worden.

Genutzt werde das Archiv auch von der Stadtverwaltung, zum Beispiel vom Standesamt. Hier habe es viele Anfragen gegeben, berichtet Benedom. Peter Imo ist seit längerer Zeit weiterer Mitarbeiter im Archiv. Im vergangenen Jahr wurde der Fotobestand von 4500 Bildern auf rund 6000 Fotos erweitert. Hier gebe es noch viel zu tun, um die Papierbilder in digitaler Form zugänglich zu machen. Genutzt werden die Bilder für Öffentlichkeitsarbeit und Tourismuswerbung, aber auch die RHEINPFALZ habe für Recherchen schon nachgefragt, sagte Benedom. Zudem wurden in den vergangenen beiden Jahren auch persönliche Gegenstände von Bürgern zur Familien- und Ortsgeschichte in Zusammenhang abgegeben.

Familienforscher an Daten interessiert

Der Archivbestand werde derzeit neu festgestellt und elektronisch katalogisiert, sodass Archivalien schnell auffindbar werden. Besonders bedankte sich Benedom bei Gerhard und Angela Weimer, die sich ehrenamtlich dieser Aufgabe widmen.

Das Archiv werde besonders nachgefragt von Familienforschern, teils Nachfahren früherer Auswanderer, die nach ihren Schifferstadter Wurzeln suchen. Hier helfen auch Benedoms eigene Forschungen und die von ihm erstellten 20 Ortsfamilien-Bücher, die auch die Nachbargemeinden einbeziehen. Unterstützung für Familienforschung gebe es auch durch die Volkshochschule Schifferstadt, die die Arbeit im Archiv erklärt.

Bücher über Lokale und Straßennamen geplant

Mehrere Projekte seien teils geplant, teils schon angefangen. Für die Übersetzung des Kopialbuchs des Klosters Limburg werde noch ein Spezialist für altes Kirchenjuristen-Latein gesucht. Unterlagen aus Protokoll- und Gerichtsbüchern wurden bis zum Jahr 1630 transkribiert, die in diesem Jahr geplante Präsentation sei aber noch nicht fertig geworden.

Zusammen mit dem Verein für Heimatpflege arbeitet das Archiv an einer Veröffentlichung über Schifferstadter Gastwirtschaften. Weiter geplant ist ein Beitrag zur Herkunft von Gewannen- und Straßennamen. Aus Mainz gebe es eine Anfrage zur Erfassung historischer Zeitungen und der Intelligenzblätter (Amtsblätter) der bayerischen Regierung, an der das Archiv mitwirken will.

Sehr bedauerlich findet Benedom, dass das Interesse von Schulen an Heimatkunde stark nachgelassen habe. Im vergangenen Jahr habe nur eine Grundschullehrerin das Thema bearbeitet. Benedom dankte den freiwilligen Mitarbeitern und der Verwaltung für die Unterstützung und Zusammenarbeit.

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