Speyerer Umland RHEINPFALZ Plus Artikel St. Martin reitet nicht überall

Martinsumzug unter Corona-Bedingungen: In Duisburg leuchteten die Laternen schon letzte Woche.
Martinsumzug unter Corona-Bedingungen: In Duisburg leuchteten die Laternen schon letzte Woche.

Schon zum zweiten Mal in der Corona-Pandemie sind viele Martinsumzüge abgesagt. Aber nicht überall. In einigen Orten im Speyerer Umland werden Kinder dieses Jahr ihre Laternen durch die Straßen tragen. Das Hin und Her bei den Vorgaben der Landesregierung hat für Verunsicherung gesorgt. Und mancherorts macht sich gar Neid auf die Nachbargemeinde breit.

Kaum etwas erwärmt das Herz im Rückblick auf die Kindheit so sehr wie die Erinnerung daran, mit der Laterne in der Hand hinter St. Martin hoch zu Ross an einem kalten Novemberabend durch die Straßen zu ziehen. Das wird dieses Jahr im Speyerer Umland allerdings nur in manchen Gemeinden möglich sein. Wegen der Corona-Pandemie hat zum Beispiel die Ortsgemeinde Waldsee den Martinsumzug abgesagt. In der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen hat im Vorfeld des 11. November lediglich die Kita St. Laurentius in Mechtersheim die Bevölkerung im Amtsblatt zum Umzug am Donnerstag durch den Ort eingeladen. Simone Brill, Fachbereichsleiterin Bürgerdienste der Verbandsgemeindeverwaltung, ist außerdem für Mittwoch ein geplanter Umzug in Hanhofen bekannt. Viele Kitas haben sich indes entschlossen, nur kleine interne Martinsfeiern zu veranstalten.

Das hat zur Folge, dass in Dudenhofen, wo es früher einen gemeinsamen Umzug von MGV Cäcilia, kommunaler Kita Naseweis und katholischer Kita Kunigunde gab, diesmal keine Laternenlieder in den Straßen zu hören sein werden. Im sozialen Netzwerk Facebook postet eine Dudenhofenerin die Ankündigung des Mechtersheimer Umzugs: „Warum findet bei uns keiner statt? So schade“, schreibt sie dazu. Und in den Kommentaren wird die Frage aufgeworfen, ob es da eine unsichtbare Corona-Grenze gebe, die in Dudenhofen verhindere, was in Mechtersheim offenbar möglich sei.

Regeln ändern sich

Der Grund für den St.-Martins-Flickenteppich ist unter anderem in den Regeln zu suchen, die das Land für Veranstaltungen im Freien vorgibt. Diese haben offenbar bei vielen Veranstaltern, aber auch bei den Ordnungsämtern zu Verunsicherung geführt. „Aufgrund einiger Anfragen, ob und in welcher Form Martinsumzüge stattfinden dürfen, erhielten wir am 8. Oktober die Auskunft vom Kreisordnungsamt, dass die Regelungen im öffentlichen Raum gelten würden, das heißt 25 Personen dürfen sich versammeln“, berichtet Brill. Am 15. Oktober habe es dann eine weitere Mail vom Kreisordnungsamt gegeben. Demnach wären nach Landesvorgaben Martinsumzüge unter Berücksichtigung des Abstandsgebots mit „gemeinsamem Singen in reduziertem Maß“ und ohne Kontaktdatenerfassung möglich gewesen. Diese Info sei dann auch an anfragende Kitas sowie an die Ortsbürgermeister weitergegeben worden.

Endgültig Klarheit verschaffte dann eine Pressemitteilung der Landesregierung am 2. November zur 27. Corona-Bekämpfungsverordnung. Darin steht deutlich: „Für Veranstaltungen im Außenbereich gibt es nur noch Beschränkungen, wenn die Teilnehmer feste Plätze einnehmen und eine Einlasskontrolle oder Ticketverkauf gegeben sind.“ Martinsumzüge und Weihnachtsmärkte seien „ohne Einschränkungen, das heißt ohne Abstand, ohne Maske und ohne 3G-Regeln“ möglich. Doch zu diesem Zeitpunkt waren viele Martinsumzüge wegen der Unwägbarkeiten bereits abgesagt.

Dudenhofens Ortsbürgermeiste Jürgen Hook (SPD) und die beteiligten Kitas haben einvernehmlich beschlossen, den Dudenhofener Umzug dieses Jahr noch einmal ausfallen zu lassen. „Es hat auch Bedenken von Eltern gegeben“, berichtet Hook. Insbesondere nachdem der große Umzug in Speyer abgesagt worden war, hätten die Dudenhofener befürchtet, dass zu viele Speyerer stattdessen ins Spargeldorf kommen. „Da wurde mit bis zu 1000 Besuchern gerechnet. Das ist dann allen zu heiß geworden“, begründet der Bürgermeister die Absage. Besonders bitter für die Dudenhofener: Auch der beliebte Weihnachtswaldbasar ist bereits abgesagt worden. Dabei wäre dieser mit den neuen Regeln des Landes möglich gewesen. „Ich verstehe, dass es Stimmen gibt, die kritisieren, dass alles abgesagt wird“, sagt Hook. Doch die Entscheidung habe irgendwann getroffen werden müssen. Nach jetzigem Stand wäre der Weihnachtswaldbasar zwar möglich, aber die Vereine bräuchten genügend Vorlaufzeit, die nun fehle. Deshalb bleibe es bei der Absage.

Auch bei den Martinsumzügen wird es keine kurzfristigen Änderungen geben. Für die Kita St. Laurentius in Mechtersheim war allerdings schon früh klar, dass man den Kindern in diesem Jahr einen Umzug bieten möchte. Auch wenn die Kita die öffentliche Feier diesmal anders als früher ohne die evangelische Kita und die Grundschule veranstaltet, die sich für kleinere, interne Veranstaltungen entschieden haben. „Wir finden es ein schönes Fest und wollten es auf jeden Fall machen“, sagt die kommissarische Kita-Leiterin Jessica Martin. „Es ist wichtig, Normalität reinzubringen“, findet sie. Auf die Hygienevorschriften werde natürlich geachtet. Unterstützt wird die Kita beim Umzug vom Elternausschuss und der Feuerwehr, der Bürgermeister spende die Martinsbrezeln.

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