Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel SPD-Mann Schiffmann nimmt Abschied vom Gemeinderat

Rainer Schiffmann im heimischen Garten. Mit fast 80 Jahren verlässt er die große Bühne der Bobenheim-Roxheimer Politik.
Rainer Schiffmann im heimischen Garten. Mit fast 80 Jahren verlässt er die große Bühne der Bobenheim-Roxheimer Politik.

„Urgestein“, nennt man ältere Menschen, die schon ewig für eine Sache oder einen Verein aktiv sind. Mit fast 80 Jahren ist Rainer Schiffmann so etwas für die Bobenheim-Roxheimer SPD. Jetzt zieht er sich aus der ersten Reihe zurück. Aber das Funkeln in den Augen ist noch da, wenn es um die Ortspolitik geht.

Gut gebräunt und gut gelaunt empfängt Rainer Schiffmann die RHEINPFALZ an einem Tag, der noch sehr heiß werden wird, auf der heimischen Terrasse. Ihm scheinen Sonne und hohe Temperaturen nicht viel auszumachen. Ein Zettel liegt bereit, auf dem er die wichtigsten Stationen seiner kommunalpolitischen Laufbahn notiert hat, denn darum soll es ja bei dem Treffen hauptsächlich gehen. Also gut, warum nicht? Haken wir das gleich mal ab, damit klar wird, warum er 2012 die Landesverdienstmedaille und 2014 den Ehrenring der Gemeinde bekommen hat.

In der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands ist Schiffmann seit 1973. Das sei naheliegend gewesen, sagt er, weil der Vater, einst zuständig für die Tierzucht auf der Petersau, in der Arbeiterbewegung verortet gewesen sei. Schiffmanns jüngerer Bruder Dieter, später Mitglied des Frankenthaler Stadtrats, war mit dem Parteieintritt sechs Jahre früher dran.

45 Jahre lang Mitglied des Gemeinderat

Schon 1974 wählten die Bobenheim-Roxheimer Genossen Rainer Schiffmann zum stellvertretenden Vorsitzenden, von 2005 bis 2011 war er ihr Vorsitzender. In den Gemeinderat wurde er 1979 gewählt und dann immer wieder bis auf dieses Mal. Für die Kommunalwahl 2024 stand er zwar noch auf der Kandidatenliste, aber so weit hinten, dass den Wählern klar war: Hier will einer aufhören mit der Ratsarbeit. Sie taten ihm den Gefallen. In ein paar Ausschüssen wird er jetzt aber doch noch mitmischen, wie er vor der konstituierenden Sitzung des Gemeinderats verrät. In dem Dorfparlament hatte er seit 1984 den Fraktionsvorsitz. Den Job übernimmt jetzt Werner Bigott.

Elf Jahre Erster Beigeordneter im Ort und 20 Jahre lang Kreistagsmitglied – dass waren weitere politische Ehrenämter, zu denen im Grunde auch der Vorsitz des örtlichen Seniorenbeirats gehört, den er seit 2009 innehat. Und wo er gerade beim Aufzählen ist: Vorsitz der Arbeiterwohlfahrt, Mitinitiator des Netzwerks 55 plus und der Aktion „12 Uhr mittags“, Chef des Bürgerbusprojekts ...

Warum Rainer Schiffmann so lange so viele soziale Aufgaben übernommen hat, muss man nicht fragen. So war und ist das nun mal in seiner Generation. Beispiele für Frauen und Männer, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg in der Kommunalpolitik oder der Vereinswelt ein Bein rausgerissen haben zum Wohle der Dorfgemeinschaft, gibt es gerade in Bobenheim-Roxheim mit seinen über 60 Vereinen genug. Doch sollte man einschränken: Diese Leute wissen wohl immer ihre Familie hinter sich. „Meine Frau Christa hat das alles tapfer mitgetragen“, sagt Schiffmann. Die beiden haben einen Sohn und eine schon erwachsene Enkeltochter.

„Es macht mir Spaß zu provozieren“

Der 1944 in Rheinhessen geborene „Bobenheim-Roxheimer mit Leib und Seele“ vermutet allerdings, dass er trotz der vielen Ehrenämter vielleicht gar nicht so gut gelitten ist. „Das könnte dann an meinem Polizistenherz liegen“, glaubt er. Als Polizeibeamter – er war bei der Wasserschutzpolizei in Ludwigshafen und Mainz – habe man das so intus: irgendwohin kommen, die Lage erfassen und eine Ansage machen. In der Tat: Das kann der 79-Jährige gut, und so mancher würde statt „Ansage machen“ vielleicht sagen „energisch das Wort führen“.

Schiffmann schmunzelt und verrät freimütig aus seinem Leben als Kommunalpolitiker: „Es macht mir Spaß zu provozieren.“ Er nennt die Namen einiger, die er im Gemeinderat sehr gern gereizt hat. Dazu gehört, wen wundert’s, Jürgen Martin. Mit dem 2018 verstorbenen CDU-Mann, der ebenfalls gut zu sticheln wusste, hat sich Schiffmann oft vor Publikum gezofft, aber in der Seniorenarbeit haben die beiden eng kooperiert.

Rat an die Jungen: Nicht vorschnell aufgeben

„Früher hat man sich bekriegt und ist danach gemeinsam ein Bier trinken gegangen“, sagt Schiffmann. Das sei heute anders. Den Jüngeren wünscht er, dass sie nicht so schnell aufgeben. „Kommunalpolitik ist viel Aufwand und heißt, dicke Bretter bohren zu müssen.“ Er erinnert an zwei Vorhaben, die jahrzehntelang vorbereitet wurden, aber immer noch nicht umgesetzt sind: das Baurecht für Teile des Silberseegebiets und die Umgehungsstraße. Die sozialdemokratische Handschrift sieht der ehemalige Bürgermeisterkandidat zum Beispiel bei der Realisation des Jugendzentrums im Kleinerweg und der Sozialwohnungen am Globus-Kreisel.

Rainer Schiffmann ist seit fast 19 Jahren in Pension und deshalb zuversichtlich, dass ihm auch der Übergang in den politischen Ruhestand gelingen wird. Für den Seniorenbeiratsvorsitz will er im September noch einmal kandidieren, ansonsten hat er ja noch drei schöne Hobbys: Aquarellmalen, Angeln und Radfahren.

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